Scheelen und Fleßers entschieden das Derby für RWO

Der sitzt: MSV-Torwart Marcel Lenz kann dem Schuss von Robert Fleßers nur hinterher schauen.
Der sitzt: MSV-Torwart Marcel Lenz kann dem Schuss von Robert Fleßers nur hinterher schauen.
Foto: Fabian Strauch / FUNKE FotoServi
Was wir bereits wissen
Die RWO-Doppelsechs mit Alex Scheelen und Robert Fleßers hat das Pokal-Derby gegen den MSV Duisburg entschieden. Nicht nur wegen der beiden Tore.

Oberhausen.. Sie sind kaum auf Fotos zu sehen. Die Sechser einer Mannschaft verrichten ihre Arbeit in einer Grauzone, die für Fotografen nicht so interessant ist wie der Mittelstürmer, der trifft, oder der Torwart, der hält. Dabei ziehen die Sechser die Strippen, manchmal entscheiden sie Spiele. Alex Scheelen und Robert Fleßers haben das gegen den MSV im Niederrheinpokal-Halbfinale getan. Die beiden bilden eine der besten Doppelsechsen der Regionalliga. Unaufgeregt und effizient, Geheimagenten des Teams mit der Lizenz zu Toren. Frei nach James Bond: 006 – im Dienst ihrer Mannschaft.

Fleßers ist auch nach getaner Arbeit ein stiller Vertreter. „Ich glaube, jetzt gewinnen wir auch das Endspiel“, meinte er nach dem ebenso packenden wie überzeugenden 2:0 gegen den klassenhöheren Gegner. Dass er und seine Nebenleuten gerade im ersten Durchgang Spieler einer Mannschaft demontierten, die auf dem Sprung in die Zweite Liga ist, ließ er dabei außen vor. Scheelen war beim 1:0 nach einer Ecke frei zur Stelle, aus ähnlicher Position markierte Fleßers kurz vor der Pause das 2:0. Dabei schaute er nach einer brillanten Flanke von David Jansen den MSV-Torwart Marcel Lenz so überlegen aus, dass der dem Leder nur noch nachschauen konnte und erst reagierte, als der Ball im Tor einschlug.

Scheelen und Fleßers, beides wahrlich keine Kanten, stehen auch für die Idee der Rot-Weißen, Fußball zu spielen, nicht nur zu arbeiten. Den Gegenentwurf gab es durch die Muskelpakete des MSV zu sehen – weite Bälle auf lange Kerle.

RWO suchte immer die spielerische Lösung

Was bei RWO in dieser Personalkonstellation unter Peter Kunkel begann, hat sich mit Andreas Zimmermann weiterentwickelt. Auch ohne den kreativen Kopf Patrick Bauder suchten die Oberhausener gegen den MSV immer die spielerische Lösung.

Niederrheinpokal-Finale Natürlich bleibt Fußball bei den Kleeblättern in der Balleroberung ein Kontaktsport, doch danach sieht die Sache anders aus. Nach vorn geht’s kreativ zu. Da spielen Ideen die Hauptrolle, in die Freiraumgestalter wie Patrick Schikowski und Raphael Steinmetz eintauchen können. Das hat man in Perfektion lange bei Borussia Dortmund, zuletzt bei Bayer Leverkusen gesehen.

Den Drittliga-Spielern den Zahn gezogen

In der Zweiten und Dritten Liga hingegen wird mehr gearbeitet. Essen und Aachen etwa spielen auch diesen Kraftmeier-Fußball. Schön wird es dann wieder bei Gladbach II oder eben RWO. Und die Basis dazu wird auf der Sechs gelegt, auf der Scheelen und Fleßers beides können – intelligent und notfalls mit Kraft den Ball erobern und danach die Vorwärtsbewegung zur Kreativabteilung hin einleiten. Damit zogen sie jetzt den etablierten Drittligaspielern Enis Hajri und Pierre de Wit den Zahn, damit stehen sie für viele Erfolge in der Meisterschaft.

Scheelen, der gebürtige Duisburger, trägt sein Herz mehr auf der Zunge als Fleßers. Er geht nach diesem Derby-Sieg mal zu den Fans auf den Zaun und stimmt die Siegesfeier an. Einige Tage vor dem Spiel sagte er: „Wir können Geschichte schreiben.“ Das hört sich im ersten Moment vielleicht pompös an. In sich gesehen stimmt es.