RWO baut seine Erfolgsserie aus - 1:0 in Lotte

Schoss RWO in Lotte zum Sieg: Raphael Steinmetz,
Schoss RWO in Lotte zum Sieg: Raphael Steinmetz,
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Raphael Steinmetz schießt die Kleeblätter zum vierten Sieg in Serie in der Regionalliga West. Die Elf von Andreas Zimmermann ist jetzt seit vier Spielen ohne Gegentor.

Lotte.. Manche Siege werden als glücklich bezeichnet, manche als verdient. Das 1:0 (1:0) von RWO bei den SF Lotte war irgendetwas mittendrin. Ein kurioses Spiel: RWO schoss in Person von Raphael Steinmetz zweimal aufs Lotter Tor, beim ersten Mal war der Ball drin. Die Gastgeber hingegen brannten gerade im ersten Durchgang ein Offensiv-Feuerwerk ab und hätten 3:0 führen müssen. Wie es bei den letzten Auftritten der Oberhausener in Lotte bislang immer der Fall war. Diesmal nicht.

Deswegen reichte eine famose Abwehrleistung im zweiten Durchgang, um die glückliche Führung ins Ziel zu bringen. Und das war dann letzten Endes doch verdient, da die Elf von Heimtrainer Ismail Atalan kein Mal den Ball im Tor von Philipp Kühn unterbrachte. Der war mit zahlreichen Paraden wieder ein Garant für die Null, davor waren es die famos kämpfenden Mannschaftskollegen.

Lotte besaß vom Start weg die Mittelfeldhoheit und entfachte über Tim Gorschlüter und Kevin Pires-Rodrigues mächtig Druck, den die starken Jesse Weißenfels und Bernd Rosinger in gefährliche Strafraumszenen meist über links ausbauten. Christoph Caspari, Felix Haas und Benjamin Weigelt schwammen in einigen Situationen bedenklich. Zimmermann hatte Steinmetz von Beginn an gebracht, da David Jansen wegen erneut auftretender Rückenprobleme passen musste.

Weißenfels (6.) allein gegen Kühn, drei Minuten später erneut, dann Nico Granatowski (18.) hätten die Sportfreude schnell nach vorn bringen können, zweimal sogar müssen.

RWO geht in Führung - wie aus dem Nichts

Wie aus dem Nichts traf dafür RWO. Ein Laufduell zwischen Patrick Schikowski und Alexander Langlitz wollte der mit einem Rückpass auf Torwart Benedikt Fernandez klären. Doch der Pass geriet zu kurz, Steinmetz ersprintete den Ball und drückte ihn mit der Pike vorbei an Fernandez ins Tor (20.). Das versetzte den Lottern einen Schock, denn fortan agierten sie wesentlich vorsichtiger. Gefährlich waren sie trotzdem: Caspari und Haas konnten Weißenfels bei einem Vorstoß nur durch ein Foul stoppen, doch der Freistoß aus 20 Metern landete in der Mauer (27.).

RWO bekam nun mehr Sicherheit, die zwingenden Torchancen für die Truppe aus dem Autobahnkreuz wurden deutlich weniger. Dann hatte RWO seine zweite und letzte Gelegenheit. Einen feinen Pass von Alexander Scheelen nimmt Steinmetz mit dem Rücken zum Tor auf, dreht sich und setzt aus 20 Metern zu einer Bogenlampe an. SF-Keeper Fernandez kommt so gerade eben dran (39.). Weißenfels vergab kurz vor dem Wechsel die nächste hochkarätige Chance, dann durfte RWO durchschnaufen.

Lotter Einbahnstraßenfußball Richtung RWO-Tor

Nach dem Wechsel gab es Einbahnstraßenfußball. RWO schaffte es nicht mehr, durch Konter Entlastung zu schaffen. Alle Spieler waren in die Abwehrarbeit eingebunden. Das aber bekam mit zunehmendem Spielverlauf immer mehr Hand und Fuß, gefährliche Szenen hatte Lotte erst wieder in der hektischen Schlussphase. Bis dahin hatte Rot-Weiß um den vorbildlich kämpfenden Scheelen den Ball meist erfolgreich vom Strafraum fern gehalten. Doch in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit waren Kühn, Benjamin Weigelt, Haas oder Herzenbruch praktisch im Minutentakt mit Rettungsaktionen gefordert.

Die Bemühungen der Heimelf wurden zunehmend hektischer, es fehlte der letzte entscheidende Pass, um die sichere RWO-Abwehr wirklich auszuhebeln. Auch in der mit fünf Minuten deutlich zu langen Nachspielzeit brannte dann nichts mehr an. Überglücklich fielen sich die Rot-Weißen nach dem Schlusspfiff in die Arme. Das 0:1 aus dem Hinrundenspiel war getilgt und der Lotter Fluch der herben Packung obendrein.

"Kampfspiel auf dem Acker" - Die Stimmen zum Spiel

RWO-Trainer Andreas Zimmermann: Ich muss mir erst einmal überlegen, was ich nach dem Spiel sage. Im Hinspiel hieß es 0:1, jetzt 1:0 für uns. Das nenne ich ausgleichende Gerechtigkeit. Es war das von uns erwartete Kampfspiel auf einem Acker, auf dem man keinen Fußball spielen kann. Deswegen mein Kompliment an die Lotter Spieler, die das trotzdem versucht haben. Statt Geld für den Lizenzantrag auszugeben, hätte man vielleicht besser mal in Rasenpflege oder einen Platzwart investiert. Wir haben voll durchgezogen, wie es sich gehört. Unabhängig von unserer Lizenzgeschichte haben wir gezeigt, dass wir sportlich weiter oben dran bleiben wollen. Ich bin stolz auf meine Mannschaft.

SF-Coach Ismail Atalan: Danke für die netten Worte, aber die helfen uns nicht. Ich bin kein Freund von Konjunktiven mit hätte, wenn und aber. Wir haben einmal auf unser Tor geschossen mit dem Rückpass von Langlitz, und das war das Oberhausener Tor. Kein Vorwurf an ihn. Die Spieler haben alles versucht, doch Kühn hat sensationell gehalten. Wir hatten zig Chacnen und hätten das Tor machen müssen. Wir haben alles versucht, ich hoffe, es klappt demnächst wieder besser Die Spieler sind fix und fertig.

Torwart Philipp Kühn: Schon wieder zu Null. Lotte ist in der zweiten Halbzeit nicht mehr durchgekommen. Die Mannschaft hat vorbildlich gegengehalten.

Torschütze Raphael Steinmetz: Ich bin solche Äcker ja noch aus dem letzten Jahr gewohnt, deswegen kam ich damit einigermaßen zurecht. Der Platz war aber wirklich grausam. Mit meiner Vertragsverlängerung bei RWO ist fast alles klar, unterschrieben aber noch nichts, doch ich werde bleiben.

Mittelfeldmann Alexander Scheelen: Jetzt fühle ich mich nicht mehr so frisch. Wir haben den Kampf angenommen und eine kleine Serie fortgesetzt. Wir sind einfach eine richtig gute Mannschaft.