Ein bisschen St. Pauli steckt auch in RW Oberhausen
13.02.2009 | 09:19 Uhr 2009-02-13T09:19:00+0100
Oberhausen. Die beiden Zweitligaklubs verbindet nicht nur die Theater-Leidenschaft ihrer Präsidenten. Heute Abend sind die Kiez-Kicker zu Gast im Niederrheinstadion.
Um 2 Uhr morgens hat er erst seine Ruhe gefunden. Hajo Sommers war auf dem Kiez unterwegs, hat mit St. Pauli-Fans und Oberhausenern einen drauf gemacht. „Das war wirklich nicht schlecht”, erinnert sich der Boss des Zweitligisten RW Oberhausen. Dabei hatten seine Rot-Weißen die Partie am dritten Spieltag in Hamburg mit 1:4 verloren.
Nun stellen Sie sich einen Schlipsträger aus einem großen Bundesliga-Verein vor, der auf Hamburgs sündiger Meile mit den Fans feiert. Genau – geht nicht. Aber wenn RW Oberhausen und St. Pauli aufeinander treffen, ist eben alles etwas anders. Heute um 18 Uhr kommen die Hamburger ins Niederrheinstadion. Zum Kicken und Feiern.
Littmann auf Kuba
Einer wird allerdings nicht dabei sein. Sommers guter Freund Corny Littmann, ebenfalls Präsident, ebenfalls ein Mensch des Theaters. Er steckt im Moment auf Kuba. Ein bisschen Urlaub und Geschäfte. Littmann führt das erfolgreiche Schmidt-Theater auf dem Kiez, Sommers das Ebertbad in Oberhausen. Seit Jahren verbinden sie die beiden Leidenschaften Fußball und Schauspiel miteinander. „Aber wenn wir uns sehen, sprechen wir nur über den Fußball”, erzählt Hajo Sommers. Immerhin ist der Fußball bei beiden ein großes Schauspiel.
Der FC St. Pauli ist Sommers heimliche Liebe – jetzt ist es raus. Vielleicht steckt deshalb auch ein bisschen Pauli in RWO. Beide Vereine sind arm aber kreativ. Die Oberhausener punkten mit ihrer „Malocherschicht”, schließlich sind sie mehr ein Arbeiterklub, denn ein Verein der Schönspieler. Das zeigt sich auch am derzeitigen Tabellenstand. Das Team von Trainer Jürgen Luginger ist derzeit 13. und hat so wenig Tore geschossen, wie kein anderes.
Im Gegenzug St. Pauli: „Die haben viele gemacht, aber auch ganz schön viele bekommen”, weiß Luginger. Die Bilanz lautet 30:35. Nach zwei torlosen Spielen müssen die Rot-Weißen heute wieder malochen. „Wie man Tore verhindert, wissen wir jetzt”, so Sommers, „jetzt müssen wir sie schießen.” Mit verdreckten Gesichtern, so sehen sie die Zuschauer am liebsten – und so zeigen sich die Oberhausener Spieler auch auf ihren Teamfotos.
Malocherschicht erforderlich
Genau wie St. Pauli setzen sie auf ihr Image als harte und gefährliche Jungs. An den Totenkopf-Kult der Hamburger (es gibt sogar Hundenäpfe und knappe Bikinis mit Pauli-Emblem) kommt die Malocherschicht aber noch nicht ran.
Ein Vorbild ist der Kiez-Klub für Hajo Sommers dennoch nicht: „Ich finde es unglaublich, was die dort aus dem Verein gemacht haben. Aber das Chaos, das die da immer haben, möchte ich bei uns in Oberhausen nicht haben.” Doch Littmanns Verein steht eben zu dem, was er ist: anders. Geführt von einem schwulen Präsidenten, der zwar keine Ahnung von Fußball hat – das sagt er übrigens selbst – dafür aber ein großes Herz.
Genau wie Sommers, der auch gerne polarisiert und als Stripper auf der Theaterbühne steht. Doch das Herz alleine reicht eben nicht. „Wir beide wissen, dass es ein Geschäft ist. Die Frage ist nur, wie weit man sich verkaufen muss”, sagt Sommers. „Wenn es nur um Fußball ginge, müssten wir eine Thekenmannschaft gründen.”
17:02
Eine Ausnahmeerscheinung ist es für mich als St. Pauli Fan nicht. Immerhin gab es Annäherungen zwischen Pauli und Bayern (Retter-Spiel). Obwohl die Bayern jahrelang mit Kleingeld beworfen wurden. Die Bayern & Co wirken zwar immer etwas überheblich sind aber nicht durchgängig Schlechtmenschen. Wer einmal am Millerntor war, wird die Atmophäre nicht vergessen. Das Spielniveau ist schwankend. Am besten gehst Du zu Pauli und erwartest nichts.
13:04
Eine herrliche Ausnahmeerscheinung unter den albernen Wichtigtuern im Fußballgeschäft.