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BVB-Fans beim Familienausflug im Oberhausener Regen

19.01.2012 | 15:00 Uhr
BVB-Fans beim Familienausflug im Oberhausener Regen
Rund 5500 Fans kamen zum Testspiel von Rot-Weiß Oberhausen gegen Borussia Dortmund ins Stadion Niederrhein.Foto: Ulla Emig

Oberhausen  Beim Gastspiel von Meister Borussia Dortmund bei Drittligist Rot-Weiß Oberhausen trotzen die Anhänger der miesen Witterung. Ein Blick auf die Partie mit kühlen Köpfen und hitzigen Debatten. Wie die Fans das Freundschaftsspiel im Stadion Niederrhein erlebten.

Es gibt viele kleine Details, an denen man erkennt, dass es sich um ein Freundschaftsspiel handelt: Wenn Anhänger beider Mannschaft mit Trikot und Schal gemeinsam im Pendelbus zum Stadion rollen, ist das schon ein kleiner Wink. Wenn die Sitznachbarn dann noch die Fremdenführung bei den am Fenster auftauchenden Sehenswürdigkeiten der Stadt übernehmen, wohl erst recht. „Dort! Rechts! Der Gasometer! Da war schon mal eine Fußballausstellung drin.“ Allerhand!

So geschehen beim Freundschaftsspiel zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem Deutschen Meister Borussia Dortmund . Und das erste, was der Dortmunder Anhang aus dem Gelenkbus vor den Toren des Stadion Niederrhein veranstaltet, ist eine schwarz-gelbe Schirmparade. „Oberhausen ist immer eine Reise wert , aber ständig nass!“ Werner Kämper (53) aus Dortmund-Mengede erinnert sich am Kassenhäuschen an frühere Ausflüge ins westliche Ruhrgebiet. Besuch bei einer Gartenparty: Regen! Spaziergang im Kaisergarten: Regen! Einkaufen im Centro: Regen! Zumindest letzteres sei aber nicht so schlimm gewesen, weil: überdacht!

Regen, Regen, Regen

Im Stadion Niederrhein sind dagegen längst nicht alle Plätze regengeschützt. Jennifer Maier (22) ist schon drin, zieht sich im Stadioninnenhof ihre BVB-Mütze ins Gesicht. Sie kommt eigentlich aus Oberhausen-Holten, geht fußballtechnisch aber fremd. Ihr Wunsch: „Einmal Kevin Großkreutz aus der Nähe sehen!“ Aus der Ferne ertönt ein schriller Pfiff. Anstoß! Jennifer rennt Richtung Kurve.

Das Gastspiel der Bundesliga-Topmannschaft wirkt in Oberhausen wie ein Familientreffen. Während in einer Tour Regenschwaden am Flutlicht vorbeiziehen, steht BVB-Trainer Jürgen Klopp entspannt an der Seitenlinie. Regen? Egal! Klopp hat sich mit Trainingsjacke und Pulli gleich eine doppelte Kapuze aufgesetzt, während sich Kollege Basler auf der nicht überdachten Trainerbank gleichgültig das Nass auf den Kopf regnen lässt.

Kühle Köpfe und hitzige Debatten

Kühle Köpfe am Seitenrand, hitzige Debatten auf der Tribüne. Ein älteres Ehepaar ist gerade in die Szenebesprechung eingestiegen. Von wegen Freundschaftsspiel. Er: mit RWO-Schal. Sie: mit BVB-Schal. Der Haussegen hängt schief. „Das Tor hätte nie fallen dürfen. Warum wurde nicht früher gepfiffen?, raunzt er. Während sie ihm nur ein „Klares Tor! Mehr davon!“ entgegen bringt. Gerade hat Sebastian Kehl einen abgefälschten Ball ins Tor der Rot-Weißen gelenkt. Der Jubel ist hörbar, aber verhalten. Richtig! Freundschaftsspiel.

BVB schlägt RWO

Der BVB gibt in der Anfangsphase das Tempo vor. Da wird der Edelfan in der „Kalten Muschi Loge“ zum begossenen Pudel. Er muss auf dem Baugerüst mehrfach den Schirm zur Seite legen und den Spielstand per Papptafeln auf die Anzeigentafel schieben. Bis zur Halbzeit dreimal: 0:3!

"Ihr werdet nie Deutscher Meister"

Die BVB-Fans unter den knapp 5500 Zuschauern haben sich jetzt warm gesungen: „Nie Deutscher Meister, ihr werdet nie Deutscher Meister“, schallt es dem Drittligisten entgegen. Mario Basler ist es mittlerweile zu feucht geworden. Er hat sich auf die überdachte Spielerbank verkrochen. Auf der Tribüne amüsiert sich das RWO/BVB-Pärchen über den Schiedsrichter, der vom Ball getroffen wird. „Siehste, der ist doch gekauft!“

Auf dem Feld wird jetzt munter gewechselt. Acht auf einen Streich bei RWO – Dortmund zieht nach. Auch Kevin Großkreutz geht raus. Für Jennifer die Gelegenheit, an der Absperrung am Spielertunnel auf Tuchfühlung zu gehen. „Zumindest einmal abklatschen!“ Es gelingt.

Dann ist Schluss. 0:4 verloren. Egal! Die RWO-Fans spannen beim Heimweg die Schirme auf. „Zweite Halbzeit war gut! Für Münster zum Ligastart sollte es reichen!“

Dirk Hein

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