Bei RWO rücken Team und Trainer näher zusammen

RWO-Coach Andreas Zimmermann ist mit seinem Team warm geworden.
RWO-Coach Andreas Zimmermann ist mit seinem Team warm geworden.
Foto: Fabian Strauch / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die beiden Siege in den letzten Regionalliga-Partien gegen Hennef und Rot-Weiss Essen zeigen: Bei RWO greifen immer mehr Räder ineinander.

Oberhausen.. Nach dem Spiel gegen RW Essen sagte RWO-Trainer Andreas Zimmermann, dass er sich über diesen Dreier „ungemein freue“. Für die Mannschaft. Dass er sich aber auch für sich selbst freute, ließ er dabei unausgesprochen. Zimmermann kann bei RWO in Ruhe arbeiten, das weiß er, das bescheinigt ihm der Vorstand. Anders als sein RWE-Kollege Marc Fascher, der nach der zweiten Niederlage im dritten Spiel nach der Winterpause massiven Druck spürt und dementsprechend angespannt wirkte, weiß der Oberhausener Fußballlehrer, dass er akzeptiert ist. Zunächst bei den Verantwortlichen, aber wie der Derbysieg unterstrich, zunehmend auch bei den Spielern.

Unter Peter Kunkel gab es gewissermaßen die Leichtigkeit des Seins, die Truppe konnte in der Rückrunde der vorherigen Saison vollkommen befreit aufspielen. Kunkel ließ sie machen. Heraus kam die beste Rückrunden-Mannschaft der Regionalliga. Zimmermann trat unter anderen Voraussetzungen an: Er sollte da weiter machen, will heißen, die Mannschaft entwickeln und möglichst besser platzieren. Ein Vorhaben, das auf Druck aufgebaut ist und das eigentlich nur schief gehen kann.

Zimmermann überforderte RWO-Spieler zu Beginn

Diesen Job trat Zimmermann mit dem ehrgeizigen Anspruch an, die Mannschaft zu fordern und zu formen. Nach dem Abschiedsspiel von Peter Kunkel sagte David Jansen: „Ich hoffe, der Neue ändert nicht so viel.“

Regionalliga-Derby Kann man sagen, muss aber wissen, dass ein Neuer immer was ändern muss, egal, ob es gut oder schlecht ist. Zimmermann versuchte es, indem er Patrick Bauder zunächst als Sturmspitze einsetzte, ihn später ganz weit zurück beorderte oder auch andere Positionen infrage stellte. Zusammen mit seinem professionellen Anspruch an alle Spieler, mag er die zwischenzeitlich überfordert haben – gewiss, die Mannschaft besteht aus Profis. Sie besteht aber zu fast genau den gleichen Teilen aus jungen Spielern, die in der Ausbildung sind, gerade aus dem Jugendbereich kommen und demzufolge bei allem professionellem Anspruch ein Anrecht auf Entwicklung, auf Fehler haben müssen.

Dies ließ sich zunächst nicht mit Zimmermanns Anspruch verbinden, möglichst immer erfolgreich zu sein. Manchem mag dabei zwischendurch der Spaß am Fußball vergangen sein, heraus kam Krampf.

Team und Trainer zeigten sich bei RWO lernfähig

Der Rückschlag gegen Wattenscheid war dafür symptomatisch: RWO scheiterte daran, auch bei mittelprächtigen Leistungen noch erfolgreich sein zu müssen. Das mögen komplette Profimannschaften meist leisten können (oft genug übrigens auch nicht); eine gemischte Regionalliga-Truppe wie RWO kann das nicht.

Aber: Was die Partie in Hennef und jetzt gegen RWE gezeigt hat: Beide Seiten sind lernfähig und scheinen sich jetzt näher gekommen zu sein. Vor dem Spiel in Hennef wussten Trainer als auch Spieler: Das wird ein Schweinespiel, wir brauchen Geduld und irgendwann fällt das Tor. Es war ein Schweinespiel und das Tor fiel. Die Mannschaft realisierte: Der Trainer vertraut zunehmend, der Trainer steht hinter dem Team, was in der Kennenlernphase der Hinrunde nicht immer der Fall war. Zimmermann nimmt zunehmend die Chemie im Kader auf und bindet auch als Moderator seine Leute verstärkt in Entscheidungsprozesse mit ein. Dass er der Chef ist, bestreitet niemand und gehört im ausgeprägten Hierarchiedenken des Fußballs wie Öl zum Motor.

RWO - RWE Das war die beste Vorbereitung auf das Derby gegen Essen. Denn auf den Grundfesten eines gesunden Teamgeistes wussten Trainer und Team, dass ein nominell zwar besser besetzter, aber noch nicht geformter Kader zu knacken ist.

Vertrauen zeigen

War die Aufstellung des ersten Durchgangs noch verhalten offensiv, so setzte der Coach mit der Einwechslung von Patrick Bauder und Raphael Steinmetz nicht nur ein persönliches Ausrufezeichen in Sachen Offensive, sondern demonstrierte allen Mitstreitern auf dem Platz: „Ich weiß, dass ihr es auf dem spielerischen Weg schaffen könnt, diesen Gegner zu besiegen. Plötzlich brummte es, am Ende hatten alle Oberhausener Recht. Deshalb war der Dreier nicht nur einfach ein Sieg, sondern ein Symbol für den zunehmenden Schulterschluss zwischen Mannschaft und Trainer.

Da in dieser Liga kein Überflieger am Start ist, kann solch eine Entwicklung dazu führen, dass ein Team über sich hinauswächst. Das hat man bei RWO in den Jahren von Ober- bis Zweiter Liga miterleben können. Noch ist die Elf nicht mit diesem Bewusstsein ausgestattet, doch der Sieg gegen Essen dürfte zumindest eine Ahnung gegeben haben, was möglich ist. Wenn es Zimmermann und seiner Mannschaft gelingt, dies gemeinsam auf die kleinen, biestigen Gegner zu übertragen, haben beide ihr Ziel erreicht. Zimmermann mehr Professionalität und das Team mehr Erfolg.