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Zeichen für eine Manipulation gibt es bislang nicht

RWE-Chef Michael Welling verliest vor dem letzten Saosonspiel eine Stellungnahme und Entschuldigung wegen der unerlaubten Sportwetten.Foto: Michael Gohl/WAZ FotoPool

Es ist allerdings zumindest fragwürdig, ob ein Spieler, der zum Einsatz kommt und aus einer Niederlage einen wie auch immer gearteten Vorteil zieht, in einem Spiel 100 Prozent Leistung abruft.

Welling: 90 Minuten durchgespielt hat ja nur Dirk Jasmund und man sieht, dass er an den Gegentoren nicht ansatzweise beteiligt war. Bei den ersten beiden Toren war Dirk nicht mal in der Nähe und es stand schon 0:2. Wenn man sich das Spiel ansieht, wird man in keiner Weise irgendetwas feststellen. Auch der DFB sagt: Zeichen für Spiel- oder Wettmanipulation gibt es nicht. Sportradar hat keinerlei Anschläge gezeigt, das wurde sofort kontrolliert. Von daher muss man da auch die Kirche im Dorf lassen, so doof das klingt. Dass die Lotter das natürlich nicht toll finden, ist klar. Ich würde an deren Stelle Amok laufen. Das hat natürlich für die einen faden Beigeschmack und das ist nicht mehr revidierbar. Egal, wie sich das Ganze herausstellt und egal, wie wenig Einfluss die Jungs genommen haben. Das ist vor dem Hintergrund der sportlichen Situation in Lotte sehr, sehr traurig.

Wie schädlich ist dieser Vorfall nach der mühsamen Aufbauarbeit für das Image des Vereins - gerade auf Sponsorenseite?

Welling: Ich könnte jetzt lange darüber referieren, dass Imagemessung per se eine sehr fadenscheinige Wissenschaft ist. Dass das nicht positiv ist, steht außer Frage. Dass uns das extrem trifft und betroffen macht, steht auch außer Frage. Wir haben uns das natürlich anders vorgestellt, aber es ist wichtig zu betonen: Auch wenn es Spieler von Rot-Weiss Essen waren und obwohl es bei einem Spiel von Rot-Weiss Essen passiert ist, hat es doch eigentlich relativ wenig mit RWE zu tun. Wir können da relativ wenig gegen tun und von daher glaube ich, dass diese Relativierung bei den meisten nach der ersten Emotion auch offenkundig wird. Dennoch wird es etwas sein, das immer wie eine Schleier dabei sein wird. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass nicht ansatzweise etwas Verwerfliches vorgefallen ist: Scheiße bleibt's!

"Wir wollen nichts unter den Teppich kehren"

Zumindest auf Seiten der gegnerischen Fans steht zu befürchten, dass das dankbar aufgegriffen wird.

Welling: Natürlich, aber auch da muss man relativieren. Ich will nichts verharmlosen, aber es ist kein Fall Cichon, es ist kein Fall Schnitzler. Es hat eben keine Wett- oder Spielmanipulation stattgefunden. Es ist jedoch wichtig, dass jetzt eine Aufklärung stattfindet. Deshalb sind wir auch von Anfang an sehr offen damit umgegangen und wollten nicht irgendetwas unter den Teppich kehren.

Angesichts dieses Vorfalls ist es schwer, dennoch können sie eigentlich auf eine extrem erfolgreiche Saison zurückblicken, oder?

Welling: Wir haben vor der Saison realistisch das Ziel Platz neun ausgeben. Dann haben wir ein richtig beschissene Phase gehabt, die sehr lang war, wo wir auch zurecht auf die Fresse gekriegt haben. Aber auch damit sind wir relativ entspannt umgegangen und ruhig geblieben, obwohl das stellenweise schon der Weltuntergang prophezeit wurde. Wenn man dann sieht, dass wir unser Ziel erreicht haben, ist das allerhand. Wenn man zusätzlich sieht, unter welchen - vor allem durch Verletzungen - widrigen Umständen wir das geschafft haben, muss man eine Kompliment aussprechen. Hinzu komm der Gewinn des Niederrheinpokals . Daher kann man sagen: Wir haben unser Versprechen gehalten. Jetzt freuen wir uns auf das neue Stadion und gehen positiv in die neue Saison.

Die Mannschaft soll weitestgehend zusammenbleiben

Mit welchen Zielen?

Welling: Wenn unser Kader feststeht und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehen, werden wir Ziele formulieren. Ich bin relativ sicher, dass es uns gelingen wird, Ziele zu formulieren, die höher sind als der diesjährige Platz. Wie hoch genau, das hängt auch davon ab, wie viel Geld Viktoria Köln oder Wuppertal durch die Gegend schmeißen, wie viele Vereine auf die Idee kommen, nach der Regionalliga-Reform in die 3. Liga aufsteigen zu wollen. Das sind Unwägbarkeiten. Vor dem Hintergrund werden wir dann irgendwann eine Zielsetzung ausgeben. Auch wenn der Kaderumbruch jetzt größer sein wird als ursprünglich geplant, wird die Mannschaft im Kern zusammenbleiben. Wir werden mit Timo Brauer nur einen unumstrittenen Stammspieler verlieren. Wir werden uns bemühen, gute Jungs dazuzukriegen, die das Ganze gemäß unserer Philosophie gestalten können und dann bin ich sicher, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt machen.

Das bedeutet, dass die vier Spieler, die vor dem Spiel gegen Fortuna Köln verabschiedet wurden, die einzigen bleiben werden. Der Rest soll also bleiben?

Welling: Wir haben mit allen Spielern gesprochen, bei dem einen oder anderen geht es noch um Kleinigkeiten. Auch da gilt aber wie immer: Wir kommunizieren Ergebnisse, keine Prozesse.

RWE - das letzte Spiel

Aaron Knopp/Reviersport

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