Das aktuelle Wetter NRW 22°C
RWE

Zeichen für eine Manipulation gibt es bislang nicht

Funktionen
RWE-Chef Michael Welling verliest vor dem letzten Saosonspiel eine Stellungnahme und Entschuldigung wegen der unerlaubten Sportwetten.Foto: Michael Gohl/WAZ FotoPool

Es ist allerdings zumindest fragwürdig, ob ein Spieler, der zum Einsatz kommt und aus einer Niederlage einen wie auch immer gearteten Vorteil zieht, in einem Spiel 100 Prozent Leistung abruft.

Welling: 90 Minuten durchgespielt hat ja nur Dirk Jasmund und man sieht, dass er an den Gegentoren nicht ansatzweise beteiligt war. Bei den ersten beiden Toren war Dirk nicht mal in der Nähe und es stand schon 0:2. Wenn man sich das Spiel ansieht, wird man in keiner Weise irgendetwas feststellen. Auch der DFB sagt: Zeichen für Spiel- oder Wettmanipulation gibt es nicht. Sportradar hat keinerlei Anschläge gezeigt, das wurde sofort kontrolliert. Von daher muss man da auch die Kirche im Dorf lassen, so doof das klingt. Dass die Lotter das natürlich nicht toll finden, ist klar. Ich würde an deren Stelle Amok laufen. Das hat natürlich für die einen faden Beigeschmack und das ist nicht mehr revidierbar. Egal, wie sich das Ganze herausstellt und egal, wie wenig Einfluss die Jungs genommen haben. Das ist vor dem Hintergrund der sportlichen Situation in Lotte sehr, sehr traurig.

Wie schädlich ist dieser Vorfall nach der mühsamen Aufbauarbeit für das Image des Vereins - gerade auf Sponsorenseite?

Welling: Ich könnte jetzt lange darüber referieren, dass Imagemessung per se eine sehr fadenscheinige Wissenschaft ist. Dass das nicht positiv ist, steht außer Frage. Dass uns das extrem trifft und betroffen macht, steht auch außer Frage. Wir haben uns das natürlich anders vorgestellt, aber es ist wichtig zu betonen: Auch wenn es Spieler von Rot-Weiss Essen waren und obwohl es bei einem Spiel von Rot-Weiss Essen passiert ist, hat es doch eigentlich relativ wenig mit RWE zu tun. Wir können da relativ wenig gegen tun und von daher glaube ich, dass diese Relativierung bei den meisten nach der ersten Emotion auch offenkundig wird. Dennoch wird es etwas sein, das immer wie eine Schleier dabei sein wird. Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass nicht ansatzweise etwas Verwerfliches vorgefallen ist: Scheiße bleibt's!

"Wir wollen nichts unter den Teppich kehren"

Zumindest auf Seiten der gegnerischen Fans steht zu befürchten, dass das dankbar aufgegriffen wird.

Welling: Natürlich, aber auch da muss man relativieren. Ich will nichts verharmlosen, aber es ist kein Fall Cichon, es ist kein Fall Schnitzler. Es hat eben keine Wett- oder Spielmanipulation stattgefunden. Es ist jedoch wichtig, dass jetzt eine Aufklärung stattfindet. Deshalb sind wir auch von Anfang an sehr offen damit umgegangen und wollten nicht irgendetwas unter den Teppich kehren.

Angesichts dieses Vorfalls ist es schwer, dennoch können sie eigentlich auf eine extrem erfolgreiche Saison zurückblicken, oder?

Welling: Wir haben vor der Saison realistisch das Ziel Platz neun ausgeben. Dann haben wir ein richtig beschissene Phase gehabt, die sehr lang war, wo wir auch zurecht auf die Fresse gekriegt haben. Aber auch damit sind wir relativ entspannt umgegangen und ruhig geblieben, obwohl das stellenweise schon der Weltuntergang prophezeit wurde. Wenn man dann sieht, dass wir unser Ziel erreicht haben, ist das allerhand. Wenn man zusätzlich sieht, unter welchen - vor allem durch Verletzungen - widrigen Umständen wir das geschafft haben, muss man eine Kompliment aussprechen. Hinzu komm der Gewinn des Niederrheinpokals . Daher kann man sagen: Wir haben unser Versprechen gehalten. Jetzt freuen wir uns auf das neue Stadion und gehen positiv in die neue Saison.

Die Mannschaft soll weitestgehend zusammenbleiben

Mit welchen Zielen?

Welling: Wenn unser Kader feststeht und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehen, werden wir Ziele formulieren. Ich bin relativ sicher, dass es uns gelingen wird, Ziele zu formulieren, die höher sind als der diesjährige Platz. Wie hoch genau, das hängt auch davon ab, wie viel Geld Viktoria Köln oder Wuppertal durch die Gegend schmeißen, wie viele Vereine auf die Idee kommen, nach der Regionalliga-Reform in die 3. Liga aufsteigen zu wollen. Das sind Unwägbarkeiten. Vor dem Hintergrund werden wir dann irgendwann eine Zielsetzung ausgeben. Auch wenn der Kaderumbruch jetzt größer sein wird als ursprünglich geplant, wird die Mannschaft im Kern zusammenbleiben. Wir werden mit Timo Brauer nur einen unumstrittenen Stammspieler verlieren. Wir werden uns bemühen, gute Jungs dazuzukriegen, die das Ganze gemäß unserer Philosophie gestalten können und dann bin ich sicher, dass wir den nächsten Entwicklungsschritt machen.

Das bedeutet, dass die vier Spieler, die vor dem Spiel gegen Fortuna Köln verabschiedet wurden, die einzigen bleiben werden. Der Rest soll also bleiben?

Welling: Wir haben mit allen Spielern gesprochen, bei dem einen oder anderen geht es noch um Kleinigkeiten. Auch da gilt aber wie immer: Wir kommunizieren Ergebnisse, keine Prozesse.

RWE - das letzte Spiel

Aaron Knopp/Reviersport

Artikel auf einer Seite lesen
  1. Seite 1: Rot-Weiß-Chef Welling spricht von "fadem Beigeschmack"
    Seite 2: Zeichen für eine Manipulation gibt es bislang nicht

1 | 2

Kommentare
Aus dem Ressort
DFB terminiert Pokalrunde - Pauli gegen Gladbach im Free-TV
DFB-Pokal
Der Deutsche Fußball-Bund hat die erste DFB-Pokal-Hauptrunde zeitgenau festgelegt. Die ARD überträgt das Spiel St. Pauli gegen Gladbach im Free-TV.
Wie Jan Siewert das RWE-Stadion begeistern will
Siewert
Der neue RWE-Coach Jan Siewert beim Redaktionsbesuch zu seinen Vorstellungen vom Hafenstraßen-Fußball der Zukunft. Ein Interview.
Schalkes Moritz Fritz steht kurz vor dem Wechsel zu RWE
Einigung
Moritz Fritz, Kapitän der Schalker U23, trainierte am Dienstag mit dem Team von Rot-Weiss Essen. Zuvor hatte RWE lange um den "Sechser" gebuhlt.
Ruhr-Museum zeigt Replik der Meisterschale von 1955
Rot-Weiss Essen
60 Jahre nach dem Titelgewinn von Rot-Weiss stellt das Ruhr-Museum die Replik der silbernen „Salatschüssel“ aus – bis zum 23. August auf Zollverein
Aufbruchstimmung bei RWE - Winkler und Siewert kommen gut an
RWE-Versammlung
Sportdirektor Andreas Winkler und Neu-Coach Jan Siewert haben mit ihren Antrittsreden auf der RWE-Jahreshauptversammlung die Mitglieder mitgerissen.
Fotos und Videos
RWE gewinnt 2:0
Bildgalerie
Fußball
Die Meisterschale in Essen
Video
RWE-Video
Essen feiert Meister RWE 1955
Bildgalerie
Historische Fotos
WAZ-Seiten zum RWE-Triumph 1955
Bildgalerie
Rot-Weisser Rahnsinn
article
6675408
Rot-Weiß-Chef Welling spricht von "fadem Beigeschmack"
Rot-Weiß-Chef Welling spricht von "fadem Beigeschmack"
$description$
http://www.derwesten.de/sport/fussball/rwe/rot-weiss-chef-welling-spricht-von-fadem-beigeschmack-id6675408.html
2012-05-20 18:23
RWE