Sportchef Winkler: RWE ist in der sportlichen Bringschuld

Weist den Weg aus der Krise: RWE Sportdirektor Andreas Winkler.
Weist den Weg aus der Krise: RWE Sportdirektor Andreas Winkler.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
  • Andreas Winkler bezieht zu den Misstönen nach dem Verl-Spiel Stellung.
  • Außerdem beurteilt er seine persönliche Situation.
  • Die Vertragsverhandlungen sind derzeit dem Abstiegskampf untergeordnet.

Essen.. RWE-Sportdirektor Andreas Winkler zog sich den Zorn der Fans zu, als er nach dem Verl-Spiel den Boykotteuren empfahl, demnächst vielleicht auch zu Hause zu bleiben. Plötzlich fühlten sich auch langjährige Dauerkartenbesitzer angesprochen und reagierten empört. Im Interview nimmt Winkler hierzu ebenso wie zu anderen Themen Stellung.

Herr Winkler, nach dem Sieg gegen Verl gab es Ostermontag einen sportlichen Dämpfer gegen Viktoria Köln, gleichzeitig hat die Konkurrenz kräftig gepunktet. Hat sich die sportliche Lage damit weiter zugespitzt?

Abstiegskampf Andreas Winkler: Natürlich, alleine dadurch, dass die Spiele weniger werden. Fakt ist aber, dass die Mannschaft gegenüber dem Auswärtsspiel in Düsseldorf über 90 Minuten mit Herz und Leidenschaft um jeden Zentimeter gekämpft hat.

Jetzt steht wieder ein Heimspiel an. Nach dem letzten gegen Verl haben Ihre Aussagen für einige Irritationen bei langjährigen Dauerkarten-Besitzern gesorgt, die sich plötzlich auch ausgeladen fühlten. Wie haben Sie das genau gemeint?

Winkler: Letztendlich hab ich spontan auf eine anonyme Drohung auf einem Transpartent gegen unseren Trainer („Warte, bis die Nacht anbricht“, die Red.) reagiert, das anstelle der Fans auf der Westtribüne zu sehen war. Bei offensichtlicher Gewaltandrohung sehe ich keinen Interpretations-Spielraum, und ich glaube auch nicht, dass dies unsere echten Fans gut heißen. Dass sich davon auch alle anderen Anhänger, die aufgrund der sportlichen Situation aktuell nicht ins Stadion kommen, angesprochen fühlten, finde ich sehr bedauerlich und war in keinster Weise beabsichtigt. Es ist doch klar, dass wir sportlich in der Bringschuld sind. Es liegt an uns, die Unzufriedenen wieder zurück ins Stadion zu holen.

Inwieweit ist der Sportdirektor eigentlich auch RWE-Fan?

RWE Winkler: Der Verein ist ein Großteil meines Lebens, hier habe ich als Profi begonnen und später den Pass von Mesut Özil abgestempelt. Meine Kinder gehen stolz mit ihren RWE-Trikots in die Schule. So gesehen empfinde ich mich als Teil der Familie. Ich kann die Stimmung der Fans hundertprozentig nachvollziehen, aber umso mehr schmerzt mich deren Anfeindungen.

Trainer Jan Siewert hat gestern auf der PK ein menschliches Miteinander gefordert. Bleibt das Menschliche bei RWE zur Zeit auf der Strecke?

Winkler: Jan arbeitet tagtäglich hart mit seiner Mannschaft, um in die Erfolgsspur zu kommen. Mit seiner Aussage „der Verein ist größer als wir alle“ zeigt er, dass er persönliche Interessen komplett hinten anstellt.
Hier lebt keiner seine Egoismen aus. Nur das zählt in unserer Situation. Und es wäre schön, wenn die Fans dies in ihr Urteil mit einbeziehen würden.

Sehen Sie eigentlich Ihr sportliches Schicksal mit dem des Trainers verknüpft?

Kommentar Winkler: Die Wahl Jan Siewert war eine Entscheidung aller maßgeblichen Personen im Verein. Meine Aufgabe als Sportdirektor ist es, als Verbindungsglied zwischen Trainer und den anderen Vereinsgremien mein fachliches Urteil abzugeben und nicht mir über mein persönliches Schicksal Gedanken zu machen.

Zurück zum sportlichen Alltag: Beim Spiel in Köln wurde von einigen schmerzlich die Offensivstärke eines Marwin Studtrucker vermisst. Es wird sogar gemunkelt, dass das Tischtuch zwischen Spieler und Trainer zerschnitten sei.

Winkler: Der Trainer hat im Laufe der Saison des öfteren gezeigt, dass sich jeder durch Trainingsleistungen wieder anbieten kann, da einzig das Sportliche im Vordergrund steht. Dies gilt auch für Studti, ebenso wie für Kasim Rabihic.

Nachdem vor gut einem Monat einige Vertragsverlängerungen über die Bühne gingen, gibt es in Sachen Zeiger, Binder oder auch Kapitän Fritz nichts Neues zu vermelden? Sind diese Gespräche aufgrund der sportlichen Situation eingefroren?

Winkler: Die Gespräche waren zum Teil schon sehr weit fortgeschritten, wir haben uns aber aktuell darauf verständigt, den Fokus auf den Abstiegskampf zu legen.