RWO - RWE-Derby: Friedensgipfel zeigt keine Wirkung

Kaffeetafel auf der Ripshorster Brücke: Stefan Lorenz (links) und Thorsten Binder.
Kaffeetafel auf der Ripshorster Brücke: Stefan Lorenz (links) und Thorsten Binder.
Foto: Tim Müller
Was wir bereits wissen
Zwei Tage vor dem Regionalliga-Derby Oberhausen - Essen provozieren die Gastgeber mit einem geklauten Graffiti. Sportlich stehen beide unter Druck.

Oberhausen.. Vor dem brisanten Lokalderby am Sonntag im Niederrheinstadion (14 Uhr) zwischen RWO und RWE bemühten sich beide Parteien um harmonische Atmosphäre: RWO-Boss Hajo Sommers lud sein Pendant Michael Welling in eine polnische Gaststätte zum Kneipen-Fachgespräch ein. Doch damit nicht genug: Unter der Woche traf man sich auf halbem Weg zum Friedensgipfel: Thorsten Binder aus dem RWO-Vorstand und Stefan Lorenz, der RWE-Sicherheitsbeauftragte, veranstalteten mitten auf der Ripshorster Brücke einen Kaffeeklatsch im Freien, bei Temperaturen knapp über Null. Beide wollten ein Zeichen setzen gegen die Gewalt zwischen den Fanlagern. „Gewalt und Ausschreitungen wollen wir nicht sehen. Es soll ruhig bleiben und gute Stimmung herrschen“, hoffte da Lorenz.

Doch da wird wohl der Wunsch Vater des Gedanken bleiben. Schon am Freitag waren die ganzen Bemühungen nur Makulatur: An einer Brücke in direkter Nähe des Niederrheinstadions prangten die Reste eines RWE-Graffitis, welches Unbekannte im November an Melches-Hütte gestohlen hatten. Und es steht zu befürchten, dass der weitaus größere Teil des geklauten Banners am Sonntag in der RWO-Fankurve präsentiert wird.

Die Fan-Seele kocht

Die RWE-Fanseele kocht schon jetzt. Erinnerungen werden wach an das Hinspiel, als die Oberhausener auf der Gästetribüne ihr von Silvester aufgespartes Feuerwerk präsentierten. Dabei bietet die Partie nach dem packenden 4:4 im Hinspiel doch eigentlich Zündstoff genug. Für die beiden Trainer war dieses Ergebnis allerdings ein Graus, und RWE-Coach Marc Fascher hat es inzwischen ja längst geschafft, zu seinem bewährten Sicherheits-Konzept zurück zu finden. Vier Gegentreffer kassiert Rot-Weiss allenfalls noch in Förderspielen gegen unterklassige Gegner...

Schwer zu sagen, auf welchem Klub vor dem Prestigederby mehr Druck lastet. Die Gäste dürfen sich in Schlagentfernung zu den stabilen Aachener Alemannen keine weiteren Punktverluste leisten. Und RWO spielt fast schon um die letzte Chance, mit einem Sieg doch noch in den Kampf um die Spitze eingreifen zu können. Trainer Andreas Zimmermann sitzt zwar fest im Sattel, verzweifelt aber mitunter an leichtfertigen Punktverlusten, aber meist nur gegen vermeintlich schwächere Gegner.

Die größeren Sorgen hat aber der RWO-Trainer: Nachdem Spielmacher Patrick Bauder (Muskeleinriss) trotz gegenteiliger Information von Marc Fascher am Sonntag wohl wird passen müssen, hat die Kleeblätter auch noch eine Grippewelle erfasst: Ex-RWE-Profi Benny Weigelt, Nick Brisevac und Tobias Hötte liegen unter ihrer RWO-Bettwäsche, und wenn keine Wunderheilung einsetzt, werden sie Sonntag nicht zur Verfügung stehen.

Egal, wer spielt, die Essener Fans haben ihre Entscheidung längst getroffen: Haben sich noch 6000 nach Aachen aufgemacht, werden diesmal wohl nur 2000 von ihnen den Weg über den Kanal finden. Grund: Der klamme Nachbar erhebt einen Top-Zuschlag für Karte und Speisen nur für die Gästefans, um damit eine Pommesbude zu finanzieren. Von der Hand in den Mund, im wahrsten Sinne.