RWE von den Schulden befreit

Begehrte Autogramme: Die Fans standen Schlange, als die RWE-Spieler zur Autogrammstunde in der Sparkassen-Zentrale wqeilten. Foto: Michael Gohl
Begehrte Autogramme: Die Fans standen Schlange, als die RWE-Spieler zur Autogrammstunde in der Sparkassen-Zentrale wqeilten. Foto: Michael Gohl
Foto: WAZ FotoPool

Essen.. Die gute Nachricht sprach sich schnell herum. Die Gläubiger von Rot-Weiß Essen haben dem Insolvenzplan bei der gestrigen Versammlung einstimmig zugestimmt. Damit ist der Verein saniert und schuldenfrei, 16,5 Millionen Euro waren es noch Ende 2010. Vergangenheit. Das Amtsgericht wird nun nach Ablauf der Fristen in Kürze das Insolvenzverfahren aufheben. Und der Regionalliga-Aufsteiger hat damit gleichzeitig eine wesentliche Bedingung bei der DFB-Lizenzierung erfüllt.

Der RWE-Vorsitzende Michael Welling musste erst einmal seine Anrufliste auf dem Handy abarbeiten. Gut gelaunt nahm er die Glückwünsche entgegen. Und dass am Abend auch noch die interne Aufstiegsfeier im GOP stattfand, war eine nicht geplante Punktlandung. „Erst sollte es eine Saisonabschlussfeier sein, dann eine Aufstiegsfeier. Nun ist es sogar eine Meisterfeier“, strahlte Welling. Dabei habe man sogar überlegt, das Ganze angesichts der zufällig am gleichen Tag terminierten Gläubigerversammlung abzublasen. „Ein Stück Restrisiko ist ja immer dabei.“

Reibungsloser Ablauf

Doch es lief alles reibungslos. Wie lange die Sitzung gedauert hat, vermochte Welling anschließend gar nicht genau zu sagen: „Das ist fast wie bei einem Fußballspiel, da ist man so angespannt, dass man manchmal die Zeit nicht richtig einschätzen kann.“

Natürlich freute sich auch Insolvenzverwalter Frank Kebekus über die Zustimmung für seinen Insolvenzplan: „Nach dem sportlichen Erfolg hat RWE nun auch die letzte große Hürde genommen und kann mit sehr guter Perspektive in die Zukunft starten. Der Verein hat jetzt die wirtschaftliche Basis, um mittelfristig auch den sportlichen Erfolg ausbauen zu können.“

Die Quote für die Gläubiger beträgt mindestens sechs Prozent. Noch aber steht eine Forderung von Hochtief in Höhe von zwei Millionen Euro im Raum im Zusammenhang mit dem Stadionbau. Gewissermaßen handelt es sich dabei um eine Abstandssumme, denn der Baukonzern war noch in der Amtszeit von RWE-Präsident Rolf Hempelmann beauftragt worden, eine neue Arena zu planen. Ob diese Forderung berechtigt ist, wird auf juristischem Weg geklärt, was aber nur noch für die Gläubiger relevant ist. Sollte sie abgewiesen werden, könnte sich für sie die Quote noch erhöhen bis zu 13 Prozent.

Geld dank Özil

Mit der Ausbildungsvergütung (240.000 Euro) für den deutschen Nationalspieler Mesut Özil, der fünf Jahre lang in der Jugend das RWE-Trikot trug und jetzt bei Real Madrid spielt, wird der größte Teil der Auszahlungen bestritten. Ansonsten hätte es wohl nur eine Quote von rund zwei Prozent gegeben. „Die hervorragende Jugendarbeit der vergangenen Jahre hat wesentlich dazu beigetragen, dass der Verein erfolgreich aus der Insolvenz kommt“, betont Welling.

Insgesamt hatten die Gläubiger 20 Millionen Euro beim Insolvenzverwalter angemeldet, von denen nur 2,1 Mio. anerkannt wurden. 14 Millionen hatte die GVE angemeldet, die allerdings „bestritten“, also nicht anerkannt wurden (wir berichteten). Die GVE hatte RWE mit einem Millionen-Betrag aus den Verträgen mit Michael Kölmel herausgekauft und war damit gewissermaßen selbst zum Hauptgläubiger von RWE geworden.

Die audiovisuellen Vermarktungsrechte (z.B. Fernsehgeld) in Höhe von 15 Prozent besitzt Kölmel jedoch weiterhin. „Wir werten sie juristisch als Dauerschuldverhältnis, das mit der Insolvenz beendet ist“, sagt Kebekus’ Sprecher Holger Voskuhl. Aber das müsse der Verein nun allein mit Kölmel lösen.