RWE-Trainer Jan Siewert sieht eine Chance für beide Seiten

RWE-Chef Michael Welling (l.) und der neue Trainer Jan Siewert.
RWE-Chef Michael Welling (l.) und der neue Trainer Jan Siewert.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Der neue Rot-Weiss-Essen-Trainer Jan Siewert spricht von Neubeginn, Zusammenhalt und Emotionalität, die sich in seiner Spielauffassung widerspiegele.

Essen.. Das ist also Jan Siewert, der neue Trainer von Rot-Weiss Essen. Der Fußball-Regionalligist stellte den 32-jährigen Fußballlehrer gestern im Hotel Webers im Ruhrturm offiziell vor, am Abend war der Neue dann auch zu Gast in der „Melches Hütte“ an der Hafenstraße, wo die Fans erste Fragen stellen durften.

Der junge Mann ist offen, tritt freundlich und selbstbewusst auf, formuliert mit fester Stimme und Überzeugung. War auch nicht anders zu erwarten, wenn man sich jung an Jahren diese knifflige Aufgabe als Premieren-Job zutraut. Salopp kommt er daher, in schwarzer Jeans und Turnschuhen, die Hemdsärmel aufgekrempelt. Ein Sinnbild, denn es gibt verdammt viel zu tun bei RWE, wo Siewert einen Vertrag über drei Jahre gezeichnet hat. Der Auftrag: Er soll ein erfolgreiches Team formen.

Es ist eine mutige Entscheidung der Rot-Weissen, und eine spannende. Siewert hat bisher vor allem mit dem Nachwuchs gearbeitet. Ohne großen Druck. Nun warten Profis, was ihn nicht schreckt. Er wisse, wie Fußballer ticken. „Man kann lernen, wie sie funktionieren.“ Eine Kernfrage wird sein: Wie viel Geduld bringen notfalls die Fans mit? Siewert deutet bereits an, dass es Zeit braucht und kontinuierliche Arbeit, um etwas auf die Beine zu stellen. „Wir werden das Saisonziel nicht am Tabellenplatz festmachen“, betont der Sportliche Leiter Andreas Winkler. Man wolle mutigen Fußball spielen, alles investieren. „Und Tuchfühlung ganz nach oben halten.“ Klappt es bis zum Schluss, könnte man das dann ja getrost auch Titelkampf nennen.

Bauchgefühl führte Siewert zu RWE

Rot-Weiss Essen und Jan Siewert sind am Anfang. Am Samstag beginnt die Vorbereitung. „Es ist für mich eine Chance, aber auch eine Chance für Rot-Weiss Essen“, sagt der Trainer, er spricht von Neubeginn, von Teamarbeit, von Zusammenhalt und Emotionen. „Es war ein Bauchgefühl“, beschreibt er den Entscheidungsprozess. Er habe nicht eine Nacht darüber schlafen müssen, sondern gleich gewusst, dass es das Richtige für ihn ist. Die gemeinsame Wellenlänge.

Jan Siewert war Stützpunktleiter Rheinland, fast sechs Jahre trainierte er beim DFB als Assistent den Nachwuchs, lernte Trainer kennen. „Ich konnte mich entwickeln und habe auch Mannschaften geformt. Aber ich wollte unbedingt zurück auf den Platz. Das ist das Ziel eines Fußballlehrers.“ Mit 22 Jahren musste der einstige Sportstudent seine aktive Laufbahn nach mehrere Verletzungen beenden. Weil aber der Fußball seine Passion ist, entschied er sich für den Trainer-Job, sammelte erste Erfahrungen im Profi-Bereich beim Zweitligisten TuS Koblenz. Beim Fußballlehrer-Lehrgang wurde er „auffällig“, wie er sagt, und in die Reihen des DFB aufgenommen.

RWE-Chef Welling konnte mit Siewert zunächst nichts anfangen

Personal Andreas Winkler drückte 2013 gemeinsam mit Siewert die Schulbank beim DFB. Und als es an der Hafenstraße an der Zeit war, einen Trainer zu bestimmen, erinnert er sich an jene Zeit und rief bei Siewert an. Der Neue ist ein Nobody, was derzeit auch Google nur bedingt ändern kann. Aber das stört die RWE-Verantwortlichen absolut nicht. „Wir haben nicht nach Namen gefahndet, sondern danach gesucht, was das Beste für RWE ist“, sagte Klub-Chef Michael Welling, der mit der Person Siewert zunächst auch nichts anfangen konnte. „Aber die inhaltliche Ausrichtung ist entscheidend.“ Und da soll Siewert Hafenstraßen-Fußball auf den Rasen zaubern. „Die Emotionalität spiegelt sich in meiner Spielauffassung wider“, verspricht er. Angst vor der Herausforderung? „Ach nein, ich freue mich drauf.“