RWE-Stürmer Tobias Steffen geht gern ins Risiko

RWE-Stürmer Tobias Steffen hat trotz seiner 22 Jahre schon einiges erlebt.
RWE-Stürmer Tobias Steffen hat trotz seiner 22 Jahre schon einiges erlebt.
Foto: Michael Gohl / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Essens Vielgereister blickt auf eine durchwachsene Hinserie. Das Testspiel gegen Fortuna Köln ist auch ein Treffen mit der jüngeren Vergangenheit.

Essen.. An diesem Mittwoch testet Fußball-Regionalligist Rot-Weiss an einem nicht öffentlichen Ort den Drittligisten Fortuna Köln. Dumm gelaufen für die RWE-Fans. Doppel dumm gelaufen für Tobias Steffen, denn der könnte jetzt auf der Gegenseite im Profifußball auflaufen. In der letzten Saison war er Stammspieler bei den Fortunen und hatte maßgeblichen Anteil am Aufstieg in der Nachspielzeit bei der Bayern-Reserve. Während die einen feierten, packte Steffen seine Koffer und ging nach Essen. Die Entscheidung für RWE musste vorher schon fallen: „Marc Fascher und Uwe Harttgen hatten mich überzeugt, und als junger Fußballer hatte ich keine Lust arbeitslos zu werden. Denn bei einem Nichtaufstieg Kölns hätte sich der Investor zurückgezogen“, so Steffen zur damaligen Entscheidung.

Gepokert und, nun ja, einem „Street Flash“ unterlegen, aber die Hafenstraße dazu gewonnen. Man kann nicht alles haben.

Tobias Steffen und der Profifußball, anscheinend müssen erst aller guten Dinge drei werden. Schon der erstmalige Ausflug zum damaligen Zweitligisten Energie Cottbus war nicht von Erfolg gekrönt. Die Leute waren nett, die Wohnung am Altmarkt echt hübsch, nur der Trainer war es nicht. „Als Pele Wollitz einmal sagte, er könne mit mir nichts anfangen, schwante mir Böses. Als ich dann beim 0:2 gegen Paderborn nicht eingewechselt wurde, stattdessen mit Uwe Hünemeier ein Abwehrspieler in den Sturm beordert wurde, war der Fall klar.“ Steffen wollte nur noch zurück nach Leverkusen und löste noch zur Winterpause den Leihvertrag in der Lausitz auf.

Zwei Europa-League-Spiele für Bayer Leverkusen

Zurück in Leverkusen erlebte er dann seine bislang schönste Zeit als Fußballer: „Die beiden Europa-League-Spiele in Charkiw und gegen Trondheim nimmt mir keiner mehr, das werde ich wohl nie wieder erleben“, so der 22-Jährige, der die Einsatzminuten noch heute weiß: 45 Minuten in der Ukraine, 78 Minuten daheim in der BayArena.

Nun also Essen. Die persönliche Bilanz zur Halbzeit? „Neutral, zwei Tore und vier Vorlagen sind für die Einsatzzeit nicht so schlecht“, so der beidfüßige Stürmer, der auch die Kehrseite gegen Kray hautnah erlebte: „Das kannte ich so nicht, in Leverkusen oder Köln ging es eher entspannt zu. Aber irgendwo konnte ich die Fans ja auch verstehen, wenn man gegen den kleinen Nachbarn verliert.“

Das Highlight natürlich sein Auftritt als „Ajax’ weißer Wirbelwind“ gegen Viktoria Köln, als mit seiner Einwechselung das Spiel noch aus dem Feuer gerissen wurde. Nicht zuletzt mit seinem Ausgleich und seinem Zeigefinger auf dem Mund als stillen Gruß an Viktoria-Coach Pele Wollitz.

Aber diese Momente hätten sich die RWE-Fans in der Hinserie öfter gewünscht von ihrem unberechenbaren Stürmer, Tobias Steffen selbst natürlich auch. „Ich brauche eine positive Aktion, dann bin ich gleich drin im Spiel. Ich versuche stets, meinen Gegenspieler zu überraschen. Ich gehe nun mal gern ins Risiko, das muss man halt riskieren“, so seine Spielphilosophie. Auch auf die Gefahr hin, dass der Bluff nicht aufgeht.

Bodenständiger Ostfriese wohl im beschaulichen Burgaltendorf

Nach seinem grippalen Infekt zum Start der Wintervorbereitung muss sich der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann („Plan B ist wichtig“) erst einmal hinten anstellen. Viele, und als allererster Sportvorstand Uwe Harttgen, glauben vom bodenständigen Ostfriesen, der im beschaulichen Burgaltendorf wohnt, dass er noch durchstarten wird. Und die Konstanz in seinem Spiel hinbekommt: „Vielleicht muss ich einfacher spielen, um gleich in der Partie zu sein“, fragt er sich. Das wäre doch schon mal ein Anfang.