RWE-Kritik auf Sparflamme nach dem 1:0 gegen VfL Bochum II

Die Bochumer Gazi Siala und Phil Spillmann gegen Björn Kluft, der sein Pflichspieldebüt für RWE gab.
Die Bochumer Gazi Siala und Phil Spillmann gegen Björn Kluft, der sein Pflichspieldebüt für RWE gab.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Essener haben das erste Heimspiel nach der Winterpause gegen Bochum II gewonnen. Aber der Favorit hatte mehr Mühe als dem Fan-Volk lieb war.

Essen.. Die Rot-Weißen haben ihr erstes Heimspiel nach der Winterpause gewonnen, mit 1:0 gegen den Abstiegskandidaten VfL Bochum II. Ein wichtiger Sieg eine Woche nach dem 0:1 im Spitzenspiel in Aachen. Aber der Favorit hatte mehr Mühe als dem Fan-Volk lieb war, weshalb Jubel und Begeisterung über die drei Punkte eher bescheiden ausfielen. „Die Bochumer sind keine Blinden, die können auch Fußball spielen“, versuchte RWE-Angreifer Kevin Freiberger zu erklären. Der Rasen sei schlecht gewesen, über den Kampf habe man es aber gerichtet. „Aber solange wir erfolgreich sind, ist alles andere egal.“ Und genau an dieser nüchternen, ganz pragmatischen Auffassung scheiden sich die Geister.

Die Bochumer agierten diszipliniert und wehrten sich tapfer, waren aber ziemlich harmlos. „Sie standen in der Defensive sehr passabel“, fand auch RWE-Trainer Marc Fascher. Und das genügte, um den Tabellenzweiten zu ärgern, der in der Offensive bis auf das Tor von Tim Hermes (71.) wenig zustande brachte. „Wir waren nicht erfolgreich, weil wir den schöneren Fußball gespielt haben, sondern in den Aktionen griffiger und konsequenter waren“, stellte Torjäger Sven Kreyer fest, Tor-Vorbereiter und einer der Agilsten in Hälfte zwei.

Der Sieg war verdient. Und doch fiel auf, dass die Rot-Weißen ihr sekundäres Ziel nicht erreichten. Sie wollten sich mehr Chancen als in Aachen erspielen, die Zahl der gefährlichen Szenen ließ allerdings erneut zu wünschen übrig. Und das bei einer solchen Offensivqualität. Zwangsläufig beschleicht einen das Gefühl, dass es RWE zuweilen an kreativen und inspirierten Dirigenten fehlt, die das hochkarätige Ensemble richtig einsetzen.

Die nominelle Besetzung der Offensivabteilung ist außergewöhnlich. Zu Platzek, Studtrucker und Kreyer sind im Winter die zweit- bzw. drittligaerfahrenen Björn Kluft und Kevin Freiberger hinzugekommen. Dieses exklusive Quintett allein lässt unweigerlich die Ansprüche steigen. Und bis auf Kluft und Freiberger, denen man noch ein bisschen Anpassungszeit gönnen muss, haben die anderen mit ihrer individuellen Klasse auch schon manches Spiel entschieden.

Die richtige Mischung finden

Fascher wird wohl künftig noch häufiger die Qual der Wahl haben, die richtige Mischung zu finden. Gegen Bochum hatte er mit Kluft und Steffen in der Startelf kein glückliches Händchen, mit der Einwechslung von Hermes und Studt­rucker machte der Fußballlehrer dann wiederum alles richtig.

Spielbericht Die Erwartungshaltung ist natürlich auch mit der nominellen Qualtität gestiegen. Die spielerisch schwache Vorstellung gegen Bochum, auch mitunter die zweite Halbzeit gegen Aachen, haben deshalb eine Menge Frust und Enttäuschung unter den Fans erzeugt. Getreu dem Motto: „Bei diesem Personal muss spielerisch einfach mehr herauskommen.“ Und natürlich lastet der Druck auf Fascher, auch dahingehend Fortschritte zu erzielen.

Solange das Ergebnis aber stimmt, solange Rot-Weiss drei Punkte einfährt, werden die Kritiker allerdings auf Sparflamme kochen müssen, ist es Nörgeln auf hohem Niveau. RWE hat erst zweimal verloren, hat sich nach holprigen Saisonstart mit einer beachtlichen Konstanz an die Tabellenspitze gearbeitet. Als die Essener als Spitzenreiter in die Winterpause gingen, waren sie an der Hafenstraße euphorisiert: „Hurra, wir kämpfen um den Titel.“ Und das hat sich ja auch nach der Niederlage gegen die Alemannia keineswegs geändert. Mehr als ein Drittel der Saison ist noch zu spielen. Und dass man nur mit Spaßfußball Spiele gewinnt, wäre zwar ideal, aber wenig realistisch. Auch die Meister der Vorjahre SF Lotte oder Fortuna Köln haben einst manchen Zähler nur mit viel Glück erkämpft.