RWE-Führung warnt nach Heimdebakel vor Schnellschüssen

Rot-Weiss Essen unterliegt dem Aufsteiger SV Rödinghausen mit 0:3. Auf dem Foto: Die Rot-weiße Mannschaft und ihre Fans.
Rot-Weiss Essen unterliegt dem Aufsteiger SV Rödinghausen mit 0:3. Auf dem Foto: Die Rot-weiße Mannschaft und ihre Fans.
Foto: Michael Gohl / Funke Foto Services
Nach der desaströsen Vorstellung beim 0:3 gegen den SV Rödinghausen geht bei Rot-Weiss schon die Angst vor dem Pokalhalbfinale gegen Kray um. Sport1 erwägt eine Live-Übertragung.

Essen.. Tim Hermes stand dick vermummt im Kabinengang und schüttelte nur ungläubig mit dem Kopf. Aus zweifacher Hinsicht. Auch er hatte seine Auswechselung nach 67 Minuten nicht verstanden, war er bis dahin doch der klar beste Akteur im RWE-Trikot. Wozu am Freitagabend bei der jämmerlichen 0:3-Vorstellung gegen biedere Gäste aus Rödinghausen nicht viel gehörte – aber immerhin.

Und zur allgemeinen Situation, zur rasenden Aufzugsfahrt ins Tiefgeschoss, fiel ihm erst recht nichts mehr ein: „Ich kann es mir nicht erklären. Wir haben jetzt in acht Partien ganze zwei Tore erzielt – mit diesem Sturm. Auch ich hatte heute die Scheiße am Fuß.“ Nicht nur er. Das gesamte Team hat mittlerweile eine große Unsicherheit erfasst. Es ist schon fast Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet einer wie Philipp Zeiger, ansonsten Mister Zuverlässig in dieser Saison, dem Gegner die ersten beiden Tore mit Kopf passgenau in den Lauf spielte. Dermaßen eingeladen, konnten auch die Westfalen nicht mehr nein sagen. Wobei schon das 0:1 reichte. „Da war uns fast schon der Zahn gezogen“, bekannte RWE-Coach Marc Fascher. Nach 57 Minuten!

Fehlt nun auch der Glaube?

Denn eine rot-weisse Tugend, die die Mannschaft in der Hinserie immerhin in die Waagschale werfen konnte, ist ihr völlig abhanden gekommen: Sie gab bislang nie auf und versuchte bis zur letzten Minute etwas zu drehen. Aber mittlerweile fehlt wohl auch der Glaube an die eigene Stärke. Eine gefährliche Entwicklung, hat das RWE-Publikum doch eine besonders sensible Ader dafür, wenn nicht alles abgerufen wird. Dann bricht gerne mal der eine oder andere Damm....

Das Rezept der Gästemannschaften ist zur Zeit an der Hafenstraße denkbar einfach: „Je länger wir hier das 0:0 halten konnten, umso größer wird ja die Verunsicherung beim Gegner, wir lesen schließlich auch alle Zeitung“, meinte SVR-Trainer Mario Ermisch, dessen Matchplan wunschgemäß aufgegangen war. So musste sich RWE-Vereinschef Michael Welling aufgrund des aufkommenden heftigen Unmuts wieder mal als Wellenbrecher in der Westkurve betätigen. Von einem Fan „erbte“ er gar seine Dauerkarte für den Rest der Saison.

Im allgemeinen Frust war hinterher noch niemand zu einer Stellungnahme bereit, diesen herben Rückschlag musste man erst einmal sacken lassen. „Meist ist es besser, ein oder zwei Tage drüber zu schlafen, bis der erste Schmerz zurück gegangen ist. Am Dienstag treffe ich mich mit Michael Welling zu einem Vier-Augen-Gespräch. Aber das ist nichts Außergewöhnliches, das machen wir regelmäßig“, erteilt der Aufsichtsrats-Vorsitzende Christian Hülsmann den Freunden von der „großen Lösung“ eine Absage. Zwiegespalten in seiner Einschätzung war auch Michael Welling: „Auch nach zwei Nächten fühlt sich das richtig scheiße an, da sind wir so emotionale Fans wie alle anderen. Aber rational betrachtet sage ich auch: Es gab schon schlimmere Zeiten.“

Die Spielpause am Osterwochenende kommt wohl gerade recht, aber am 14. April kommt mit dem Pokal-Halbfinale gegen Kray die nächste „Angst-essen-Seele-auf“-Partie. Zu allem Übel verhandeln der Fußballverband und der Privatsender Sport1 zur Zeit über eine Live-Übertragung. „Dreimal ist Bremer Recht, aber bitte nicht der Krayer“, hofft Hülsmann inständig.

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