Rot-Weiss Essen und die Entdeckung der Leichtigkeit
10.12.2011 | 22:19 Uhr 2011-12-10T22:19:10+0100
Essen. Drei Derbys, drei Siege. RWE überrascht weiter und legt einen beachtlichen Hinrunden-Schlussspurt hin. Sogar der gesuchte Knipser scheint plötzlich gefunden.
Freilich ist es zu früh, den gerade erst zur Stammkraft aufgestiegenen Güngör Kaya zur Paradelösung des Essener Sturmproblems auszurufen, gleichwohl hatte der Stürmer in eindrücklicher Manier das Augenmerk der 5575 Zuschauer im Gefrierschrank Georg-Melches-Stadion auf sich gezogen. Mit ausgestrecktem Zeigefinger bedeutete RWE-Trainer Waldemar Wrobel dem 21-Jährigen nach seinem Treffer zum 3:1-Endstand, dass er ihm genau diese Situationen seit Wochen gewünscht hatte. Wiederholt musste der 41-Jährige glaubhaft machen, dass der gebürtige Gelsenkirchener im Training eine hervorragende Torquote vorweise könne. Nun, endlich, bekam Kaya die Möglichkeit, dies im Spiel höchstselbst zu belegen.
Gleich zwei Grundtugenden eines Vollblutstürmers deutete der Angreifer bei den Toren zwei und drei des 3:1-Erfolgs über Fortuna Düsseldorf II an. Zunächst stand Kaya nach Lattentreffer von Holger Lemke (55.) optimal und verwertete den Rebound abgeklärt zum 2:1. Beim 3:1 bescherte Benedikt Koep dem Doppeltorschützen eine der Eins-gegen-eins-Situationen, die Wrobel seinem Schützling schon so oft gewünscht hätte. Kaya kam, sah, traf und versprach sogleich noch mehr: "Ich habe dieses halbe Jahr einfach gebraucht, um wieder Kraft zu sammeln. Wie ich mich kenne, kann ich aber noch 10 bis 20 Prozent zulegen."
Der verlorene Sohn des Profifußballs scheint zumindest in Essen langsam
anzukommen, auch wenn Wrobel sich in betonter Zurückhaltung übt. "Wenn
jemand fast zwei Jahre aus dem Geschäft raus ist, sollte man keine
Wunderdinge erwarten. Ich habe immer gesagt, dass er eine gewisse
Qualität hat, die er auch im Training zeigt. Dennoch profitiert ein
Stürmer immer von seinen Mitspielern, die ihn in Szene setzen."
Denker, Jansen, Koep und Lemke beißen auf die Zähne
Auch wenn der Ruhr-Deutsch-Türke (Rufname "Günni") die Geschichte dieses
Spiels entscheidend mitschrieb, sei dieser Erfolg vor allem der Moral
im Team zuzuschreiben, die Wrobel gar nicht hoch genug preisen konnte.
Thomas Denker musste noch am Vorabend mit Verdacht auf einen Zehenbruch
ins Krankenhaus. Auch wenn sich der nur als Prellung entpuppte,
verordneten die behandelnden Ärzte 10 bis 15 Tage Pause. "Das Resultat
haben wir gesehen", bemerkte Wrobel trocken. Zudem saß der eigentlich
noch nicht wettkampffähige Sebastian Jansen auf der Bank. Benedikt Koep
und Holger Lemke wären ebenfalls nicht spielfähig gewesen, taten das
aber dessen ungeachtet. Und wie. Gerade Lemke, erneut einer der Besten,
wirbelte die rechte Abwehrseite der Düsseldorfer schwer durcheinander
und nutzte gleich seine erste Möglichkeit im Stil eines Torjägers (6.).
Dennoch war der Essener Sieg lange gefährdet. Nach schwungvoller
Anfangs-Viertelstunde machten sich die Hausherren durch zahlreiche
Ungenauigkeiten selbst das Leben schwer. Zudem bereitete der quirlige
Alexander Nandzik sowie die starke Düsseldorfer Doppelspitze aus Marco
Königs und Adriano Grimaldi mit gefährlichen Vorstößen auf sich
aufmerksam. Die Essener Innenverteidigung wurde gefordert, hielt sich
jedoch schadlos.
Partie scheint nach 2:0 entschieden
Als Kaya nach dem Wechsel das 2:0 nachlegte, schien die Partie schon
nach einer knappen Stunde vorentschieden. Erst durch eine
Kommunikationspanne zwischen RWE-Keeper Dennis Lamczyk und Thomas Denker
konnte vermutlich Adriano Grimaldi den Ball nach einem Freistoß ins
Essener Tor verlängern. Letzlich zu klären war die Entstehungsgeschichte
nicht. Auch Fortuna-Coach Goran Vucic konnte keine Aufklärungsarbeit
leisten und Licht in die undurchsichtige Szene bringen. Was Vucic sah,
umschrieb er so: "Wir haben uns schwer getan, unsere Torchancen zu
nutzen. Nach dem 1:2 haben wir aber noch mal Hoffnung bekommen, die nach
dem dritten Gegentor aber dahin waren."
Wrobel musste indes erklären, warum sein Team zwischenzeitlich die Zügel
schleifen ließ und sich auch über den Ausgleich nicht hätte beschweren
dürfen. "Das war eine Phase, in der wir wieder fahrlässig und nicht
konsequent waren. Aber insgesamt war es eine gute Leistung und ein
verdienter Sieg", findet der Coach. Und das nicht zuletzt dank Güngör
Kaya. Zum Schluss hätte der Sieg sogar noch höher ausfallen können, Dirk
Jasmund traf aber mit der größten Chancen auf das 4:1 nur den Pfosten.
Nach drei Siegen in Serie scheint vieles bei den Essenern wieder leicht
und selbstverständlich. Plötzlich kommt die Winterpause nach dem letzten
Spiel bei Fortuna Köln am kommenden Freitag für RWE fast schon
ungelegen.

12:47
Glückwunsch. Sollte Wrobel einmal seine Wunschelf aufstellen können, können wir oben mitspielen. Erstaunlich, wie sich das so entwickelt bei RWE. Selbst wenn es gegen Fortuna K nicht klappen sollte, Rrrrespekt vor dem Aufsteiger mit dem bischen Stadion.. FrohesFestle!
14:46
Glueckwunsch an die Jungs. RWE gewonnen, Barça gewonnen - Herz, was willst Du mehr.
In diesem Sinne
Schoenen Tach noch