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Rot-Weiß-Chef Welling spricht von "fadem Beigeschmack"

20.05.2012 | 18:23 Uhr
RWE-Chef Michael Welling verliest vor dem letzten Saosonspiel eine Stellungnahme und Entschuldigung wegen der unerlaubten Sportwetten.Foto: Michael Gohl/WAZ FotoPool

Essen.  Auch nach dem Saisonabschluss kehrt bei Rot-Weiss Essen keine Ruhe ein: Die Wettaffäre hält den Verein in Atem. Wir sprachen wir mit RWE-Chef Michael Welling über die Wettaffäre, aber auch über die Bilanz dieser und die Ziele für die kommende Serie.

Die Nachricht am Freitagabend war kurz, aber sie schlug ein wie ein Paukenschlag: Gegen die RWE-Spieler Dirk Jasmund, Kevin Lehmann und Güngör Kaya ermittelt der DFB , weil sie vor dem Spiel gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund (Endstand 0:4) eine Wette gegen den eigenen Verein platziert haben. Die Verantwortlichen bei Rot-Weiss Essen sind entsetzt und haben die Spieler vorerst vom Training und Spielbetrieb freigestellt. Aaron Knopp sprach mit dem RWE-Vorsitzenden Michael Welling über die Situation.

Nach dem Spiel gegen Fortuna Köln sah man Sie sehr emotional. Was geschah da in Ihnen?

Michael Welling: Der Druck, die Belastung in der Planung war per se schon hoch, aber mit Hinblick auf diesen Abschied waren es positive Emotionen. Seit Freitagabend sind wir aber nicht mehr auf dieses positive Ereignis fokussiert, das wir seit Monaten vorbereitet haben, sondern in einer ganz anderen Welt. Das ist eben der Druck des Ganzen, der sich bei jedem anders Bann bricht. Bei mir eben durchaus auch in Form von Emotionalität, verbunden mit Ärger, einer Wehmut, aber auch Stolz auf unsere Fans, denn es war schon phänomenal, wie die insgesamt bei dieser Geschichte reagiert haben, wie sie während des Spiels reagiert haben, aber auch wie sie - bis auf einige wenige vollidiotische Ausnahmen - nach dem Spiel reagiert haben. Das hat mich schon sehr bewegt.

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RWE-Geschäftsführer Dr. Michael Welling nimmt Stellung zu den Vorwürfen gegen drei RWE-Spieler wegen Wettbetrugs.

Wie hat sich die ganze Sache im Einzelnen überhaupt abgespielt?

Welling: Wir haben am Freitag einen Brief bekommen - adressiert an Waldemar Wrobel / Management. Vorm Training hat Waldi den beiläufig aufgemacht. Damian war dabei und hat mich sofort angerufen. In dem Brief war anonym der Sachverhalt geschildert, wie er sich letztendlich dargestellt hat. Mit konkreter Nennung der Namen und der Beträge. Daraufhin haben wir die Mannschaft befragt und die Spieler haben sehr schnell gesagt: "Wenn so etwas im Raum steht, dann kann es nur um mich gehen." Das haben alle drei unabhängig voneinander so vorgebracht. Daraufhin haben wir die Mannschaft befragt, ob es noch weitere Fälle gibt, das wurde aber verneint. Wir haben gemäß der Regularien des DFB gehandelt, das Ganze zur Anzeige gebracht und berichtet, was vorgefallen ist. Das Ganze ging dann mit unserem Anwalt zu Dr. Rainer Koch, dem Vizepräsidenten des DFB und später zum DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock. In gemeinsamer Absprache haben wir das Ganze dann so kommuniziert.

Welling will klare Positionierung ohne Vorverurteilung

Was bedeutet das für die Spieler. Ist die Tür ein für alle Mal zu, falls sich der Sachverhalt im Laufe des Verfahrens relativieren sollte?

Welling: Das kann ich nicht abschätzen. Stand jetzt sind sie freigestellt. Sicher ist aber, dass wir uns da sehr klar positionieren und so etwas verurteilen. Wir wollen da alles aufs Tableau bringen, was in irgendeiner Form eine Rolle spielt, aber wir werden eben auch niemanden vorverurteilen und komplett den Stab brechen. Wir werden versuchen, das gemeinsam mit den Spielern und dem DFB aufzuarbeiten. Der DFB hat ein Verfahren eingeleitet. Die Spieler haben auch signalisiert, dass sie in jeder Hinsicht bereit sind, das mit aufzuklären. Sie sind sich bewusst, dass sie einen riesigen Fehler gemacht und eine riesige Dummheit begangen haben. Gleichzeitig betonen sie aber auch - und ich denke, das ist wichtig - dass es zu keiner Spiel- oder Wettmanipulation gekommen ist.

Gefunden auf...
Gefunden auf...

Wie lautet denn der Vorwurf?

Welling: Es war Insiderwissen. Vor der Partie wurde die Aufstellung bekannt. Dabei haben alle drei unabhängig voneinander agiert, also nicht gemeinschaftlich gehandelt. Sie wurden angesprochen nach dem Motto: Dann muss Dortmund doch Favorit sein, da muss man doch Geld drauf wetten. Einer hat angeboten: Wenn sie gewinnen, lade ich Dich zum Essen ein. Es ist aber moralisch komplett verwerflich, es ist verbandsrechtlich eine Katastrophe, aber es ist zivilrechtlich eben nicht kriminalisierbar. Dementsprechend muss man genau gucken, was man da macht. Die Spieler sind vom Trainings- und Spielbetrieb freigestellt. Natürlich prüfen wir alle arbeitsrechtlichen Möglichkeiten, die es gibt, da zu reagieren. Aber eben auf Faktenbasis und verlässlichen Informationen und nicht auf Mutmaßungen. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das alles relativ zeitnah darlegen können. Am Montag werden wir mit den Spielern das Ganze sehr dezidiert kommunizieren und das dann gemeinsam mit dem DFB zur Aufklärung bringen.

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Rot-Weiß-Chef Welling spricht von "fadem Beigeschmack"
Rot-Weiß-Chef Welling spricht von "fadem Beigeschmack"
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2012-05-20 18:23
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