Pokalsieger Rot-Weiss Essen außer Rand und Band

Es ist geschafft: Rot- Weiss Essen ist Niederrhein-Pokalsieger 2015.
Es ist geschafft: Rot- Weiss Essen ist Niederrhein-Pokalsieger 2015.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nach dem packenden Verbandspokal-Finale gegen den Liga-Rivalen Rot-Weiß Oberhausen feierten die Essener den Triumph im Elfmeterschießen ausgelassen.

Essen.. „Rot-Weisser Rahnsinn“- nie war dieses Motto lebendiger in dieser Saison als an diesem Nachmittag. Daniel Grebe und Kevin Freiberger hockten eingezwängt im Einkaufswagen, dahinter Marwin Studtrucker als „Bremser“, der die Karre zur Kult-Kneipe „Hafenstübchen“ direkt am Bahnübergang vor dem Stadion schob. Mal ein Bier am langen Arm, mal den goldenen Pott. Jubel und Ausgelassenheit auf ganzer Linie. So sehen Pokalsieger aus.

Rot-Weiss Essen hat den Pott. In einem packenden Verbandspokal-Finale haben die Essener den Rivalen Rot-Weiß Oberhausen mit 6:5 nach Elfmeterschießen besiegt, knapper geht’s ja wohl kaum noch. Aber egal, mit diesem Erfolg hat sich bei den Rot-Weisen der ganze Frust entladen, den ihnen diese Regionalliga-Saison beschert hatte. Einen Titel haben sie gewonnen, das tröstet über einiges hinweg. Und man wird es auch in der kommenden Saison noch genießen können, denn in der DFB-Pokalhauptrunde sind 135. 000 Euro garantiert, und ein sportliches Schmankerl könnte es zudem geben.

Packend und mitreißend

Voll war die „Hütte“ an der Hafenstraße, die Atmosphäre prickelnd, die Stimmung prächtig. Es fühlte sich an diesem Nachmittag an, als ginge es um etwas ganz Großes, um die Meisterschaft. Aber es war „nur“ der regionale Pokalwettbewerb. Aber mein lieber Mann, das Finale hatte es in sich. Es war ein Duell voller Energie und Kampfkraft, packend und mitreißend bis zum Schluss. Die Chancen waren rar gesät, die taktische Disziplin, die defensive Konsequenz, all das ließ dem Gegner wenig Spielraum. Und erst in allerletzter Sekunde entlud sich die Spannung und löste eine Essener Jubel-Orgie aus. Ein einziger Fehlschuss der Gäste genügte. Es war wieder einmal diese eine berüchtigte Kleinigkeit, die nach 120 Minuten das Endspiel entschieden hatte.

Pokalfinale Selbst beim Elfmeterschießen waren die Widersacher ebenbürtig. Die Gastgeber blieben cool, verwandelten verblüffend souverän - einmal in den Giebel, dann flach ins Eck. Unglaublich. RWO-Keeper Philipp Kühn war machtlos. Sein Kollege Niclas Heimann indes witterte einige Male die richtige Ecke, war fast dran. 5:5 nach regulärem Schießen. Richard Weber erhöhte auf 6:5 für RWE, dann war Christoph Caspari an der Reihe, ebenfalls Verteidiger. Er schoss, Heimann hechtete ins Eck und klärte. Oft hatten die Fans diese jungen Mann kritisiert, hatte man ihn auch im Endspiel gescholten, weil er auch allzu brenzlige Situationen spielerisch lösen wollte. Nun war er der gefeierte Held, Mittelpunkt einer riesigen Jubeltraube.

Jürgen Lucas leistete Beistand auf der RWE-Bank

„Wie wir die Elfmeter geschossen haben, wie sicher die Jungs die Bälle in den Winkel gehauen haben, das hat mir wirklich imponiert. Chapeau Männer, kann ich da nur sagen“, strahlt Trainer Markus Reiter. „Ihr habt Großes geleistet, das habt ihr euch verdient.“

Eigens für dieses Spiel hatte Reiter auch auf eigenen Wunsch Beistand auf der Bank erhalten. Jürgen Lucas leistete moralische Unterstützung. Und ein bisschen Aberglaube war es wohl auch im Spiel, nachdem die beiden Trainer das Halbfinale gegen Kray ebenfalls gemeinsam gemeistert hatten. Wiederholen wird sich diese Konstellation nicht.

RWE-Chef Welling verspürt eher "stille Freude"

„Ich denke wir sind würdige Sieger“, meinte Markus Reiter. „Wir hatten aus dem Spiel heraus die etwas besseren Torchancen.“ Und einen solch kompakten und entschlossenen Auftritt hatte man von RWE lange nicht gesehen. Das zog sich durch bis zum Elfmeterschießen. „Ich hatte keine Probleme, die Schützen zu finden“, sagte Reiter. Alle wollten, alle konnten. Weil sie es im Training geübt hatten. „Ich hab ihnen nur geraten, sich ihre Ecke auszusuchen. Aber den Druck in dieser Situation kann man ohnehin nicht annähernd im Training nachstellen“, sagte Reiter, der seinen Jungs einen Freifahrtsschein zum Feiern aufstellte. „Sie dürfen und sollen sich freuen, sie haben etwas Großes geleistet.“ Und an das Regionalligaspiel am Sonntag bei Fort. Düsseldorf II (14 Uhr, Flinger Broich) zu denken, dafür hatten sie vor lauter Feiern keine Zeit.

Etwas moderater ließ es der RWE-Chef Michael Welling angehen - und das lag auch an dem tragischen Unfall, bei dem sich ein Fan lebensgefährlich verletzt hatte, als er von einem Zaun in die Tiefe gestürzt war. „Es ist eher eine stille Freude. Ich genieße es.“ Er freue sich für die Mannschaft, für die Fans, überhaupt für das gesamte Team hinter dem Team. „Nun sind sie alle mal belohnt worden für ihre Arbeit.“