Nach nur drei Spielen - RWE-Trainer Jürgen Lucas geht wieder

RWE-Trainer Jürgen Lucas
RWE-Trainer Jürgen Lucas
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Was wir bereits wissen
Vier Tage nach dem 2:0-Erfolg über Kray feierte RWE den zweiten Pflichtspielsieg in Folge. Trainer Jürgen Lucas sorgte für einen Paukenschlag.

Essen.. Lust und Laune am Spiel soll Rot-Weiss Essen wieder bekommen und mit flottem Offensivfußball auch das Publikum bis zum Saisonende bei Laune halten. Na ja, da müssen sie aber noch ein bisschen üben. RWE bemühte sich gegen den Abstiegskandidaten Sportfreunde Siegen, hatte gute Szenen, aber auch ein Menge Leerlauf im Spiel. Der 2:1­-Sieg war zweifelsohne verdient, doch begeistern konnte dieser Auftritt nun wirklich nicht. Immerhin, es gab höflichen Applaus beim Schlusspfiff für den Sieger - spannender war aber, was sich nach dem Abpfiff ereignete: Nach nur drei Pflichtspielen trat Trainer Jürgen Lucas wieder zurück.

"Ich konnte mich mit meinem Arbeitgeber nicht auf eine weitere Freistellung einigen. Meine Urlaubstage für dieses Jahr sind aufgebraucht. Ich muss jetzt Prioritäten setzen. Markus Reiter hat das aber alles im Griff und ich gehe davon aus, dass die Mannschaft auch ohne mich gut Fußball spielen wird", erklärte Lucas, der für eine Firma in der Zahnmedizin arbeitet.

Jürgen Lucas hatte vor dem Spiel angedeutet, dass er nach dem 2:0-Pokalerfolg über den FC Kray einigen frischen Kräften eine Bewährungschance geben wollte, sozusagen als Lohn für engagierte Trainingsarbeit. Doch so einfach ist das ja auch nicht, den Schalter umzulegen. Es braucht Zeit, um gewisse Abläufe auf dem Feld umzusetzen und zu automatisieren. Man kann es halt nicht wie bei einer Maschine justieren. Deshalb verwunderte es auch nicht, dass sich mancher an diesem Nachmittag zuweilen vorkam wie bei einem Vorbereitungsspiel.

Für Linksverteidiger Patrick Huckle (muskuläre Probleme) spielte Tim Hermes, für Kevin Freiberg (grippaler Infekt) rutschte Tim Treude in die Startelf. Auch taktisch stellte das Essener Trainerteam ein klein wenig um. Kevin Grund, im Pokal gegen Kray noch zentrale Umschaltstelle, rückte nach außen, seine Rolle übernahm Daniel Grebe, der gegen seine ehemaligen Teamkollegen die Fäden ziehen durfte.

Und nicht nur das. Grebe erzielte auch das 1:0 für die Gastgeber, jubelte aber nur verhalten. Macht man so gegen den früheren Arbeitgeber, der noch um den Klassenerhalt kämpft. Aber Freude hatten die Rot­-Weissen dennoch, denn die Führung war klasse herausgespielt. RWE setzte sich auf der rechten Außenbahn energisch durch, Marwin Studtrucker passte flach nach innen und Grebe brauchte aus zwei Metern nur noch einzuschieben. So sieht es aus, wenn der Gegner klassisch ausgespielt wird. Ein starker Start der Gastgeber, doch sie blieben nicht auf dem Gaspedal.

Siegen wartete ab, während RWE versuchte den Ball möglichst lange in den eigenen Reihen zu halten. Gleichwohl versäumte es RWE, Druck aufzubauen. Die Essener wirkten oft nicht schnell, nicht energisch genug, um den Gegner auszuhebeln. Und die Gäste konnten sich ebenfalls nicht durchsetzen und deutete mehrmals an, warum sie Probleme haben mit dem Toreschießen. Einige Male eroberten sie den Ball im Mittelfeld, machten aber nicht daraus. Die einzige gefährliche Szene hatten die Siegener, als Abdullah Keseroglu per Freistoß in den Essener Strafraum schlug, der Ball auf die Latte tupfte (12.) und von dort ins Aus sprang.

Eine super Standard hatte auch RWE­-Kapitän Daniel Baier in petto. Von der Strafraumgrenze traf er nur den Pfosten (20.). Kevin Grund schließlich verbaselte aus kurzer Entfernung (39.). Die Situation zuvor war fast identisch wie beim Führungstreffer. Wieder hatte Studtrucker aufgelegt. Das war’s. Verhaltener Applaus zur Pause für die Hausherren, wie überhaupt die Fan­-Unterstützung ziemlich bescheiden ausfiel. Das Häuflein Gäste­-Fans forderte: “Wir wollen euch kämpfen sehen.” In dieser Form wird es Siegen schwer haben, die Klasse zu halten. Viel Konstuktives brachten die Siegener nicht zustande, konnten auch die Fehler des Gegners nicht nutzen und eine Chance herausarbeiten.

RWE hatte die Partie im Griff, ohne zu glänzen. Glanzpunkte, ja, die gab es hin und wieder. Studtrucker vergab nach schönem Solo (52.). Und er legte den Ball auch Grebe auf, der Torhüter Daniel Poremba zur Flugshow zwang. Kevin Grund köpfte den Abpraller über das Tor. Studtrucker war emsig und an fast jeder Offensivaktion beteiligt. Beim 2:0 war es dann Kevin Grund mit Doppeleinsatz. Zunächst prüfte er Poremba und Sekunden später zirkelte er den Ball auf den Kopf von Leon Binder, der die Kugel problemlos ins Netz beförderte.

Das war’s, sollte man meinen, zu harmlos und hilflos präsentierte sich Siegen bis dahin. Aber einfach mal aufs Tor schießen, das könnte helfen. Dachte sich wohl auch der ehemalige RWE-Spieler Yannik Geisler, der aus heiterem Himmel und gut 20 Metern das 1:2 erzielte (75.).

Die Statistik - Rot­-Weiss Essen - SF Siegen 2:1 (1:0)

RWE: Heimann ­ Binder (77.Nakowitsch), Zeiger, Weber, Hermes ­ Treude, Baier ­ Studtrucker (74. Kreyer), Grebe, Grund (86. Arenz) ­ Platzek.

Schiedsrichter: Heien.

Zuschauer: 6151.

Tore: 1:0 Grebe (7.), 2:0 Binder (71.), 2:1 Geisler (75.).

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

Rot-Weiss Essen - SF Siegen 2:1