Das sind die Gewinner und Verlierer der RWE-Hinrunde

Der Erfolg der Hinrunde hatte einige Väter: (v.l.) Philipp Zeiger, Benjamin Baier, Marwin Studtrucker und Patrick Huckle zählten dazu.
Der Erfolg der Hinrunde hatte einige Väter: (v.l.) Philipp Zeiger, Benjamin Baier, Marwin Studtrucker und Patrick Huckle zählten dazu.
Foto: Michael Gohl
Die Hinrunde beim Tabellenführer brachte viele Gewinner und nur wenige Verlierer hervor. Auch Trainer Marc Fascher hatte einen gehörigen Anteil.

Essen.. Fußball-Regionalligist Rot-Weiss Essen lässt keine Zeit verstreichen, sondern befindet sich so früh wie kein anderes Team schon wieder in der Vorbereitung auf die Rückrunde. Dabei kann Trainer Marc Fascher auf eine gute Basis blicken: Die erfolgreiche Hinrunde brachte viele Gewinner und nur wenige Verlierer hervor.

Die Gewinner

Philipp Zeiger: Möglicherweise liegt es an der guten Landluft seines Wohnortes Fischlaken. Der Neuzugang aus Halle ist der „König der Lüfte“ und ununmschränkter Chef in der RWE-Abwehr. Langjährige Fans können sich an keinen Innenverteidiger mehr erinnern, der auf Anhieb dermaßen eingeschlagen hat. Wie wertvoll der 24-Jährige ist, zeigte sich Anfang der Saison, als er mit einem Schlüsselbeinbruch ausfiel: Es ging drunter und drüber. Seitdem er wieder dabei ist, herrscht Ruhe im Karton. Zeiger darf nicht ausfallen!


Patrick Huckle: Die Billiglösung vom Arbeitsamt ist ein Hauptgewinn. Für einen wie Huckle würde man nachts in einer öden Gegend auch mal die Straßenseite wechseln: Quadratisch, praktisch, gut! Den gegnerischen Außenstürmern sei dringend das Mitführen eines Seiten-Aufprallschutzes empfohlen. Wo das Energiepaket hinlangt, wächst kein Gras mehr. Zur Winterpause könnte er gehen, aber es sieht gut aus, dass aus der Billiglösung eine vorerst dauerhafte wird. So wird der Ex-Mannheimer in der Rückrunde wohl noch so manchen Huckel auf seiner Seite aufwühlen.


Benjamin Baier: Hätte einst Mark van Bommel nicht schon den Begriff des „Aggressive Leaders“ mit Sinn erfüllt, man müsste ihn nun für den knorrigen Ex-Darmstädter erfinden. Mit seiner klaren Körpersprache hat er gleich die Chef-Rolle im Mittelfeld vereinnahmt. Keine Beschwerde-Runde auf dem Platz, in der der 26-Jährige nicht im Mittelpunkt stünde. Ein bisschen weniger Theatralik in den Zweikämpfen würde den Effekt beim Referee wohl erhöhen (weniger ist manchmal mehr). Baiers Freistöße vorne sind eine Urgewalt und das Rezept für den auffälligen Erfolg bei RWE-Standards.

Marwin Studtrucker:
Es ist nur ein Gerücht, dass man dem quirligen Angreifer in der Kabine jedes Mal einen Zettel mit der Aufschrift „heutiger Gegner: Wiedenbrück“ reichen will. Tatsache ist: Geht es gegen seinen Ex-Klub, läuft er wie ein Duracell-Häschen zur Höchstform auf und netzt nach Belieben ein. Das Bemerkenswerte am kleinen Kämpfer: Auch an Tagen, an denen es für den 24-Jährigen nicht so läuft, wühlt er sich in die Partie, bis sich der Schalter umlegt. Ein echtes Vorbild für seine Nebenleute.


Tim Hermes: „Wenn das Leben dir Zitronen bietet, mach’ Zitronenmarmelade daraus“. So könnte das Lebensmotto des 23-Jährigen, eigentlich gelernten Verteidigers lauten. Als er seinen sicher geglaubten Stammplatz auf der linken Abwehrseite an den erfahrenen Huckle verlor, zog sich der Ex-Wiedenbrücker nicht in den Schmollwinkel zurück. Trainer Fascher hatte etwas anderes mit ihm vor: Neben seinen Standard-Qualitäten war dem Trainer auch Hermes’ Botendienste im Angriff nicht verborgen geblieben. Seitdem sorgt er auf der linken Mittelfeldseite für mächtig Alarm und konnte sich auch schon als Torschütze auszeichnen.


Daniel Grebe: Der Ex-Siegener sollte die große Verteilstelle im Mittelfeld werden – und musste sich zu Saisonbeginn plötzlich erst mal hinten anstellen. Aber der Giftzwerg (im positiven Sinne) blieb eisern dran und zeigte die Mentalität eines „Staubsauger-Vertreters“. Irgendwann ließ Coach Fascher die Tür einen Spalt auf – und Grebe schlüpfte durch. Mit seinem fulminanten Tor in der Lohrheide meldete er die Ansprüche an, seine Triumphpose war allein das Eintrittsgeld wert. Nebenbei soll er sich auf Weihnachtsfeiern auch als Eisverkäufer oder als Maskottchen verdingen. Plant hier einer die Zweitkarriere, falls es mal wieder schlechter läuft?

Die Verlierer

Tobias Steffen: Genie und Wahnsinn sind manchmal nur ein Dribbling entfernt. Wenn der Vielgereiste, der es in seiner wechselvollen Karriere schon überall probierte, loslegt wie beim aus dem Feuer gerissenen Spiel gegen Viktoria Köln, ist der Instinktfußballer unwiderstehlich. Aber es folgten auch Partien, da war er nur beim späteren Mannschafts-Pastaessen anwesend. Und dennoch: Steffen spielt Fußball wie die Jungs früher zwischen den Teppichstangen, bei ihm hat man jederzeit das Gefühl, er könne mit einer ver­rückten Idee die ganze Partie drehen. Sportchef Doc Harttgen verspricht, dass er „kurz vor der Explosion“ stünde. Hoffentlich wird’s kein Rohrkrepierer.


Mario Neunaber: Der Routinier war gekommen, um „verlängerter Arm“ des Trainers auf dem Spielfeld zu sein – geblieben war ein Stumpf. Der 32-Jährige rotierte wieder raus aus der Innenverteidigung, die sich ohne ihn stabilsierte, und gab sein Comeback auf der rechten Abwehrseite. Hier löst er, der nicht gerade von der Grundschnelligkeit lebt, vieles mit seinem vorausschauenden Auge und seiner Passgenauigkeit. Was allerdings gegen U23-Teams mit pfeilschnellen Außenstürmern passiert, mag sich lieber keiner ausmalen.


Cebio Soukou: Nach seinem Kreuzbandriss war er erstaunlich schnell wieder auf dem Weg zum „Alten“. Eigentlich wäre er jetzt auf der Gewinnerseite. Wenn es die klitzekleine Urinprobe am 6. Dezember in Lotte nicht gegeben hätte. Nun droht die Rückrunde ohne ihn abzulaufen. Und was kommt dann?

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