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Robin Gosens - Von der Kreisliga in die Ehrendivision

14.01.2016 | 18:57 Uhr
Robin Gosens - Von der Kreisliga in die Ehrendivision
Von der Kreisliga in die Ehrendivision: Robin Gosens.Foto: Michael Ryberg

Almelo.   Robin Gosens ist 21 Jahre alt und spielt nun in Holland statt am Niederrhein. Die etwas andere Fußballkarriere - dabei hatten ihn die Eltern gewarnt.

Es gehört eine gute Portion Mut dazu, im Alter von 18 Jahren seinen Berufsweg gegen den Rat der eigenen Mutter einzuschlagen. Robin Gosens hat es gewagt. Und dies bisher nicht bereut. Vom einstigen Fußballjunior beim B-Kreisligisten Fortuna Elten – das Emmericher Silberdorf im nordwestlichen Zipfel des Niederrheins zählt knapp 5000 Einwohner – ging es bis zum Tabellenvierten der niederländischen Ehrendivision. „Es war bis hierhin allerdings ein steiniger Weg“, betont der 21-jährige Linksverteidiger. Hockt sich dazu auf den mintgrünen Kunstrasenteppich im 12 400 Plätze fassenden, renovierten Polmanstadion zu Almelo.

Heracles Almelo ist auf Europa-League-Kurs

Auch Mama Martina, die Skeptikerin, dürfte zustimmen. Bei Heracles spielt ihr Sohn seit dem vergangenen Sommer. Mit Erfolg. Der Abstiegskandidat mit nur 8,5 Millionen Euro an Spieleretat, der viertkleinste der Ehrendivision ist gleichzeitig halb so groß wie das Darmstädter Bundesliga-Minibudget, ist nach der Hinrunde auf Europa-League-Kurs. Hinter Ajax Amsterdam, der PSV Eindhoven und Feyenoord Rotterdam. Vielleicht könnte der unerwartete Lauf der Schwarz-Weißen unter Trainer John Stegeman auch Gosens dem Herzenswunsch ein Stückchen näher bringen: irgendwann in der ersten oder zweiten Bundesliga zu spielen.

HINTERGRUND
Elf Deutsche spielen in der Ehrendivision

In der Ehrendivision sind derzeit elf Deutsche aktiv. Bekanntester Spieler ist der Ex-Gladbacher Amin Younes bei Ajax Amsterdam. Mit Christian Kum, Rico Strieder und Andreas Ludwig steht ein deutsches Trio beim FC Utrecht im Aufgebot. Weitere Deutsche: Tim Hölscher, Chinedu Ede (beide Twente Enschede), Marcel Appiah, Christian Santos (beide NEC Nijmegen), Dario Vujicevic (Heracles Almelo) und Ugur Inceman (Roda JC Kerkrade).

Bekanntester und teuerster Fußballer von Heracles Almelo bislang ist Bas Dost. Der aktuelle Torjäger des VfL Wolfsburg wechselte vor seinem Engagement in Niedersachsen für zwei Millionen Euro von Heracles zum SC Heerenveen. Gleich zweimal war Bochums Trainer Gertjan Verbeek in Almelo verantwortlich: von 2001 bis 2004 in Liga zwei und 2009/10 in der Ehrendivision.

„Die nötige Härte dazu hätte ich drauf“, sagt er selbstbewusst. Denkt dabei an die jüngsten guten Auftritte beim 2:1-Coup über Meister PSV oder beim unglücklichen 0:2 im Heimspiel gegen Tabellenführer Ajax. Dazu wachsen zweikampfgeschulte, dynamische, konditionsstarke und offensive Linksverteidiger nicht gerade auf den Bäumen.

Beim mehrtägigen Probetraining in Dortmund hinterließ Gosens vor vier Jahren keinen bleidenden Eindruck. Dafür funkte es bei einem A-Junioren-Testspiel in Kleve. Gosens erzielte zwei Tore, bereitete eines vor. Ein Scout von Vitesse Arnheim bot dem damals 18-Jährigen einen Platz in der A-Jugend, eine Saison später einen Profivertrag an. „Die Niederlande bietet jungen Fußballern technisch und taktisch eine Top-Ausbildung. Ich habe sofort zugesagt“, erinnert sich Gosens. Zwölf Monate pendelte der Niederrheiner dann fast täglich zwischen dem Weseler Berufskolleg und dem Arnheimer GelreDome. Baute tagsüber sein Abitur, trainierte abends bei Vitesse. „Das war eine extrem stressige Phase ohne Freizeit.“

Der sportliche Ertrag hielt sich in Grenzen. Obwohl A-Jugendtrainer Marino Pusic dem „kleinen Jungen, der gar nichts konnte“, wie sich Gosens beschreibt, auf und neben dem Platz eine Menge mitgab. Gosens wurde im Winter 2014 an den Zweitligisten FC Dordrecht ausgeliehen, stieg zwar mit dem Außenseiter umgehend in die Ehrendivision auf. Danach ging es dann aber ziemlich chancenlos als Tabellenletzter wieder zurück.

„Trotzdem war’s ein gutes Jahr. Ich habe fast alle Spiele bestritten und hatte nach dem Abstieg sofort Angebote auf dem Tisch“, hebt Gosens hervor. Die Entscheidung für Heracles entpuppt sich bisher als Glücksgriff.

Dennoch bleibt der Emmericher bescheiden. Das Honorar in Almelo ist weit von siebenstelligen Beträgen der Bundesliga entfernt. „Ich habe lange nicht ausgesorgt und muss noch eine Menge tun.“ An der Bergischen Akademie absolviert Gosens seit anderthalb Jahren ein Fernstudium: Ernährungsberatung und Personaltraining. „Ich brauche zum Fußball nicht nur eine monetäre Alternative, sondern auch eine geistige Komponente.“

Aktuell steht der Kampf um einen Europa-League-Platz im Vordergrund. Freitagabend startet die Rückrunde der Ehrendivision. Heracles Almelo tritt um 20 Uhr zum Overijsel-Derby im 25 Kilometer entfernten Enschede beim FC Twente an. Das emotionalste Saisonmatch für beide Klubs. „Dortmund gegen Schalke in klein“, sagt Gosens. Der hält mit Königsblau, würde aber auch gern mal unter BVB-Coach Thomas Tuchel trainieren.

30 000 Fans werden Twentes De Grolsch Veste bis auf den letzten Platz füllen. Das Hinspiel gewann Heracles mit 2:0. Gosens: „Wenn wir das noch einmal schaffen, ist aus Sicht unserer Fans die Saison geritzt.“

Michael Ryberg

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2016-01-14 18:57
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