Veröffentlicht inFussball

Im Wembley-Stadion wird traditionell Geschichte geschrieben

Wembley – Der Ort an dem Geschichte geschrieben wird

Wembley Tor.jpg
Getty Images Foto: Getty Images
Vor 90 Jahren wurde das Wembley-Stadion in London eröffnet, eine historischen Spielstätte. Beim ersten Spiel in Wembley drängten sich 200.000 Zuschauer ins Stadion, das „Wembley-Tor“ vergisst niemand. Jetzt stehen mit BVB und Bayern erstmals zwei deutsche Vereine im Finale der Champions League.

Essen. 

Für Liebhaber moderner Arenen ist das neue Wembley-Stadion in London ein weiteres Schmuckstück in der Sammelschatulle multifunktionaler Fußballstadien. Das weite Rund mit überdachten Tribünen und dem geneigtem Stahlbogen, auf dessen satten Grün sich am 25. Mai Borussia Dortmund und Bayern München im Champions-League-Finale messen werden, ist aber auch ein Geschichtsbuch des Fußballs. Pelè nannte es einst „Die Kathedrale des Fußballs“.

Das erste Spiel

Ein rein deutsches Endspiel, es ist ein weiteres Kapitel in der langen Liste legendärer Wembley-Partien. Schon die Premiere schrieb Geschichte: Mehr als 200.000 Fans strömten am 28. April 1923 in die neue Arena, um das Pokal-Finale zwischen West Ham und Bolton zu sehen. Erst ein Polizist auf einem Schimmel drängte die Masse zurück, als „White Horse Final“ fand das Spiel Eingang in die an Mythen nicht gerade arme englische Fußball-Geschichte.

Und es ging denkwürdig weiter im Schatten der Twin Towers. 1953 demütigte Ungarns Wunder-Team das Mutterland des Fußballs mit 6:3, es war Englands erste Niederlage auf heimischem Boden.

Das Wembley-Tor

Im WM-Finale 1966 zwischen England und Deutschland schoss Geoff Hurst das berühmteste Tor der Fußball-Historie, das eigentlich gar keins war. Beim Stand von 2:2 hämmerte Hurst den Ball in der Verlängerung von der Strafraumgrenze aufs Tor. Der deutsche Torwart Tilkowskis berührte ihn noch mit den Fingerspitzen, dann klatschte er unter die Latte und fiel nach unten. Tilkowski blickte im Fliegen über seine Schulter und sieht, dass der Ball von der Linie ins Feld zurücksprang. „Nicht im Tor! Kein Tor!“, rief der deutsche Fernseh-Kommentator Rudi Michel beschwörend. Schiedsrichter Gottfried Dienst aus der Schweiz entschied zusammen mit dem Linienrichter Tofik Bachramow aus dem damals zur Sowjetunion gehörenden Aserbaidschan: Tor! In der Schockstarre verloren die Deutschen 2:4.

Die Revanche

1972 bezwang die deutsche Mannschaft England an selber Stätte dann im EM-Viertelfinale 3:1. Und im Oktober 2000 gewann die DFB-Elf das letzte Spiel im „alten“ Wembley dank Dietmar Hamann mit 1:0. „Hamann schwang die Abrissbirne für Wembley“, titelte die britische Tageszeitung „The Independent on Sunday“. Ausgerechnet ein Deutscher machte im Wohnzimmer des Fußballs das Licht aus.

Das Champions-League-Finale

Das Markenzeichen dieser geschichtsträchtigen Spielstätte, die ins Stadion eingebauten Twin Tower, sind längst verschwunden, aus Wembley ist eine moderne Arena mit 90.000 Sitzplätzen geworden. Zur inoffiziellen 90. Geburtstagsparty am 25. Mai haben sich Zehntausende deutsche Fans angemeldet.

Zumindest bei Twitter kursiert schon der Witz, in Wembley seien Deutsche gesichtet worden, um mit Handtüchern ihre Plätze zu reservieren. (mit sid)