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Bela Rethy kann Freundschaft zu BVB-Trainer Klopp beim Champions-League-Finale ausblenden

21.05.2013 | 13:31 Uhr
Bela Rethy kann Freundschaft zu BVB-Trainer Klopp beim Champions-League-Finale ausblenden
ZDF-Journalist Bela Rethy (re.) - hier mit BVB-Schlussmann Roman Weidenfeller in Fürth - darf das Endspiel in der Champions League kommentieren. Foto: imago

Essen.  Das Champions-League-Finale wird auch bei den Öffentlich-Rechtlichen gezeigt und die Mainzer schicken Routinier Bela Rethy ans Mikrofon. Im Interview spricht der ZDF-Kommentator über seinen Kollegen Marcel Reif, seinen Freund Jürgen Klopp und Kritiker im Internet.

Herr Rethy, ein Zitat von Ihnen lautet: „Ich bin seit vielen, vielen Jahren mit Jürgen Klopp befreundet“.

Bela Rethy: Befreundet ist vielleicht etwas übertrieben. Wir haben seit vielen Jahren guten Kontakt, der schon damals in Mainz entstanden ist. Aber Jürgen differenziert sehr zwischen Privatleben und Beruf.

Wirkt sich das auf das Finale aus?

Rethy: Ich werde als Journalist von ihm in keiner Weise bevorzugt behandelt, was Informationen angeht. Da kann er sehr gut trennen. In diesem Fall ist er einfach nur der Trainer des BVB und ich bin Reporter beim ZDF. Das kann ich komplett ausschalten.

Ihr Kollegen Marcel Reif, der das Spiel für Sky kommentiert, hat verraten, wem er den Titel gönnt…

Rethy: Nein, das kann ich Ihnen nicht beantworten. Nicht, weil ich es nicht will, sondern weil ich es nicht kann. Wenn ich mir beide Protagonisten anschaue und bei den Trainern anfange, dann muss man es beiden gönnen.

Erklären Sie mal.

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Rethy: Jupp Heynckes zum Ende seiner Trainerkarriere mit 68 Jahren und den Bayern nach den großen Niederlagen gegen Inter Mailand und Chelsea auf der einen Seite. Auf der anderen Seite Borussia Dortmund, die aus den Erfahrungen der vergangenen Europapokalteilnahmen so viel mitgenommen haben, dass sie es jetzt bis ins Finale geschafft haben – das muss man auch einfach honorieren und ein großes Kompliment aussprechen. Ich könnte mich nicht entscheiden, für wen ich mehr sein sollte.

Seit 1992 arbeiten Sie als Live-Fußballkommentator. Welchen Stellenwert hat dieses deutsche Finale in Wembley in Ihrer Karriere?

Rethy: Das Finale hat einen sehr hohen Stellenwert für mich. Es ist das erste deutsche Finale in der Champions League, nur im Uefa-Pokal gab es das schon mal, damals auch mit dem unterlegenen Jupp Heynckes als Gladbach-Trainer gegen Eintracht Frankfurt.

Da waren Sie aber nicht dabei, oder?

Rethy: Nein, aber beim ersten Finale dieses Champions-League-Wettbewerbs habe ich damals, 1993, mit Marcel Reif zusammengearbeitet. Es war das Spiel AC Milan gegen Olympique Marseille und ich habe Rudi Völler am Spielfeldrand interviewt.

Sie sagten mal, Sie „wurden an dessen Brust genährt“, und meinten Reif. War er also ein Vorbild für Sie?

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Rethy: Es gab zwei Vorbilder. Ich habe angefangen mit dem Kollegen Rolf Kramer, der viele Endspiele kommentiert hat und bei dem ich gelegentlich assistiert habe. Und natürlich auch bei Marcel. Er war mit seiner Art zu denken, zu sprechen und den Fußball zu lesen schon ein Vorbild für mich. Inzwischen ist das so, dass man nicht mehr in Vorbildern denkt. Dazu ist man zu emanzipiert. Aber ich halte ihn natürlich immer noch für einen sehr guten Kommentator.  

Jetzt kommentieren Sie beide das größte Fußballereignis in diesem Jahr parallel. Hören Sie sich irgendwann den Kommentar von dem Kollegen an?

Rethy: Ich weiß nicht, wann ich Marcel das letzte Mal gehört habe. Wir sind beide so viel unterwegs. Ich höre mir meine Spiele auch nicht an. Es ist ein Tagesgeschäft, in dem immer nur die nächste Aufgabe zählt.

Sie gelten im Vergleich zu anderen Kollegen als nüchterner, eher sachlicher Fußballkritiker– was ist Ihre Marke?

Rethy: Ich gehe nicht bei jeder Szene direkt aus dem Sattel. Ich kann schon emotional sein, aber man muss nicht ab der ersten Minute auf der nach oben offenen Richterskala den Anschlag suchen. Das mache ich punktuell nach Notwendigkeit – entsprechend der Dramaturgie. Ich nenne das emotionale Sachlichkeit oder sachliche Emotionalität.

Emotionale Sachlichkeit oder aus dem Sattel gehen - was erwarten Sie von dem Endspiel?

Rethy: In erster Linie erwarte ich ein großartiges Fußballspiel. Wir haben zwei Mannschaften, die auf absolutem Toplevel spielen. Seit dem Abpfiff des zweiten Halbfinals in der Königsklasse gibt es fast kein anderes Thema in Fußball-Deutschland. Beide Vereine strahlen unglaubliches Selbstvertrauen aus und ich freue mich auf ein qualitativ ganz hochwertiges Fußballspiel.

Aber es wird für Sie nicht einfach...

Rethy: Das Problem wird sein, dass es so ein deutsches Finale noch nie gab – klammern wir mal das Uefa-Cup-Finale zwischen Gladbach und Frankfurt aus. Man darf gespannt sein, wie die Zuschauer die Emotionen des Reporters interpretieren werden. Natürlich muss man bei einem Tor die Stimme erheben. Und egal, wer den Treffer erzielt, die Fans der anderen Mannschaft werden einem wahrscheinlich Parteilichkeit unterstellen. Und umgekehrt.

Und auf dem Platz?

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Rethy: Es wird ein sehr hartes und intensives Spiel und auf dem Platz werden richtig die Fetzen fliegen.

Man kennt Sie nicht als einen Kommentator, der Karten fordert.

Rethy: Nein, ich fordere keine Karten. Ich bin ein Freund davon, das Spiel weiterlaufen zu lassen. Natürlich müssen eklatante Fouls geahndet werden und dann muss man es fordern. Grundsätzlich bin ich kein Freund von ständigen Verpfiffereien und dauernden Unterbrechungen. Aber die Top-Schiedsrichter entwickeln sehr schnell ein Gespür für die Härte einer Partie.

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    Seite 3: Rethy lässt sich in London von den Fans inspirieren

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Kommentare
24.05.2013
15:46
Bela Rethy kann Freundschaft zu BVB-Trainer Klopp beim Champions-League-Finale ausblenden
von seew1 | #18

Der Tip mit dem Radio ist gut. Rethy
ist einfach schlecht. Unvergessen das Wortspiel auf Postillon.de : "Bela rät die: Reporter kann sich keine...
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2013-05-21 13:31
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