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Ribéry kehrt mit den Bayern zurück zu seinen Wurzeln

22.10.2012 | 17:51 Uhr
Zwei alte Bekannte kommen mit den Bayern zurück nach Lille: Der Franzose Franck Ribéry (links) und der Brasilianer Dante spielten einst für den OSC.Foto: FRANCOIS LO PRESTI/AFP

Lille.   Für den französischen Bayern-Star Ribéry ist das Champions-League-Spiel beim OSC Lille auch eine Reise in seine Vergangenheit. Als Jugendlicher flog er aus dem OSC-Internat.

Ein bisschen schrullig, aber liebenswürdig sind die Menschen im nördlichsten Zipfel Frankreichs. So erzählt das jedenfalls die Komödie „Willkommen bei den Sch’tis“, mit 20 Millionen Besuchern der erfolgreichste französische Film in den Kinos der Grande Nation.

Mit den Sch’tis, den Bewohnern der Region Nord-Pas-de-Calais, kennen sich auch Bayern Münchens Profis Dante und Franck Ribéry gut aus. Beide haben in der dortigen Hauptstadt gespielt, in Lille, beim heutigen Gegner in der Champions League , dem OSC. Der brasilianische Innenverteidiger Dante von 2004 bis 2005 auf seiner ersten Station in Europa, an die er wegen der Sprachbarriere, Verletzungen und nur wenigen Einsätzen kaum gute Erinnerung hat. Und der französische Nationalspieler Ribéry in der Jugend von 1996 bis 1999. Vor allem für ihn heißt es also in Anlehnung an den Film: Zurück bei den Sch’tis.

Ribérys Ex-Klub hat sich im französischen Fußball etabliert

„Ich kann es gar nicht erwarten. Meine Familie und Freunde werden da sein“, hat Ribéry vor dem Flug zu seinem Heimatspiel gesagt. Doch der 29-Jährige weiß wegen der überraschenden 1:3-Niederlage bei Bate Borissow auch: „Wir haben einen gewissen Druck auf den Schultern.“

Video
München, 22.10.12: Der FC Bayern ist in der Champions League wegen der 1:3-Pleite gegen Bate Borissow beim OSC Lille bereits zum Siegen verdammt. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge fordert von Philipp Lahm, Franck Ribéry und Co. einen Dreier.

Ribéry kennt auch den Spott und die Klischees, mit denen seine Heimatregion belegt ist und von denen der Film erzählt. Zumal er selbst ein bisschen zu den Sch’tis zählt. Auch in seinem gut 100 Kilometer von Lille entfernten Heimatort Boulogne-sur-Mer sprechen viele Menschen den gleichnamigen Dialekt, wegen dessen Klang die Sch’tis im restlichen Frankreich veralbert werden. Es ist wie mit den Ostfriesen in Deutschland, mit dem Unterschied, dass für deren größte Stadt Emden die Fußballer nur bedingt als Aushängeschild taugen, die Sch’tis aber ihren Klub als dritte Kraft im französischen Fußball etabliert haben.

Letzte Chance für Lille - Chance auf Wiedergutmachung für die Bayern

FC Bayern siegt in Düsseldorf

Zur Erfolgsgeschichte zählt, dass die Elf von Trainer Rudi Garcia seit zwei Monaten im Grand Stade Lille Métropole spielt, der modernsten Arena Frankreichs. Momentan aber mit überschaubarem Erfolg: Platz elf in der Liga, zuletzt gelang in der Nachspielzeit ein 1:1 bei Girondins Bordeaux. In der Champions League steht der OSC nach Niederlagen gegen Borissow und Valencia ohne Punkt da. „Die Franzosen werden ihre letzte Chance suchen“, sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge und appellierte ans eigene Team: „Die Mannschaft ist gefordert, in Lille einen Sieg einzufahren.“ Trainer Jupp Heynckes, der weiter auf Arjen Robben verzichten muss, befand wegen der Niederlage zuletzt in Borissow: „Wir müssen in Lille gewinnen.“

Erst Rüpel, dann Fußballstar

Zumal dort wegen des Abgangs des Stürmers Eden Hazard und Verletzungen zurzeit eben nur das Stadion höchsten Ansprüchen genügt. Mehr als 50 000 Zuschauer passen in die Multifunktionsarena, die für die Fußball-EM 2016 als Spielort vorgesehen ist. Ribéry würde dann gerne im Stadion seines früheren Klubs auflaufen. Seine Lehrjahre dort bezeichnet er als „die wichtigsten meiner Karriere“. Und das, obwohl sein Aufstieg in Lille beinahe jäh geendet hätte. Ribéry flog aus dem Internat des OSC. Wegen schlechter Noten, wie es heißt, aber wohl auch, weil er als Rüpel keiner Rauferei aus dem Wege gegangen sein soll. Schrullig fanden sie ihn damals wohl und hänselten ihn. Mittlerweile finden die meisten Franzosen den Filou wieder liebenswürdig. Besonders übrigens die Sch’tis.

Maik Rosner



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