Reus, Russ und die Selbstwahrnehmung der Fußballer

Was wir bereits wissen
Bundesliga-Profis sind anfällig für die Verlockungen des Lebens. Die Fälle Reus und Russ zeigen, dass manchen Halt und Beratung fehlt. Ein Kommentar

Essen.. Erst Marco Reus, nun Marco Russ: Zwei Bundesliga-Profis, zwei Strafbefehle und zwei Geldstrafen von zusammen 700.000 Euro – eine Summe, für die ein Durchschnittsverdiener gut und gerne 20 Jahre lang arbeiten muss. Drehen in der Bundesliga alle durch?

Natürlich nicht. Aber die Fälle von Reus und Russ zeigen, dass sich die Lebensrealität vieler Fußballer von der ihrer Fans um Lichtjahre entfernt hat. Auffallend sind die Parallelen der beiden Fälle: Sie beginnen mit der Faszination für schnelle Sportwagen und setzen sich fort mit einer Selbstwahrnehmung, die dringend der Korrektur bedurfte: Wo Marco Reus offenbar nie der Gedanke kam, auffliegen und zur Verantwortung gezogen werden zu können, versuchte Marco Russ, sich durch eine Lüge (und unter Mithilfe eines Arztes, dessen Rolle ein Kapitel für sich ist) aus der Verantwortung zu stehlen.

Reus Zwei junge Männer, die im Glauben gelebt haben, dass bestimmte Regeln nur für die anderen gelten. Dass sie erwischt wurden, ist ein Glücksfall für beide. Dass die Justiz ihrem Reifeprozess nachhelfen muss, wirft leider die Frage auf, wer jungen Menschen angesichts eines Lebens voller Verlockungen zur Seite steht. Die, die sich Berater nennen, offenbar viel zu selten.