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FC Oberneuland im Wettskandal schwer belastet

06.12.2009 | 13:05 Uhr
FC Oberneuland im Wettskandal schwer belastet

Bremen. Im Zuge des Wettskandals soll die gesamte Mannschaft des FC Oberneuland vor dem Spiel gegen St. Pauli II auf den Gegner gewettet haben. Auch die Bundesliga gerät ins Visier.

Die Ermittlungsakte "Flankengott" bringt immer brisantere Details über die dunklen Machenschaften der Wettmafia zutage. Neben schwerwiegenden Anschuldigungen gegen die gesamte Mannschaft des Bremer Regionalligisten FC Oberneuland könnte nun auch die Bundesliga betroffen sein. Von Ermittlungen gegen einen früheren Bundesligaprofi ist die Rede, und am Wochenende wurde im Zuge der Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Bochum erstmals der Schiedsrichter-Betrieb in Deutschland beeinflusst.

Entgegen ersten Erkenntnissen könnte der Skandal möglicherweise auch an der Bundesliga nicht spurlos vorübergehen. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel soll einer der Hauptbeschuldigten im Ermittlungsverfahren der Bochumer Staatsanwaltschaft gegen eine Bande mutmaßlicher Wettbetrüger bis kurz vor seiner Verhaftung am 19. November eine enge Verbindung zu einem Profi aus Osteuropa gehabt haben, der jahrelang in der Bundesliga spielte.

Verdächtigter Profi noch aktiv

Der Profi, der immer noch aktiv ist, soll bei dem Betreiber mehrerer Wettbüros 30.000 Euro Schulden gehabt haben. Laut Spiegel erhielten die Bochumer Kriminalpolizisten diese Hinweise, als sie Telefongespräche des Beschuldigten abhörten.

Der Fußballprofi und der Beschuldigte tauchten nach Spiegel-Angaben bereits in einem anderen Ermittlungsverfahren der süddeutschen Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2006 auf. Damals war ein Spieler aus Osteuropa ins Visier der Ermittler geraten, der noch heute bei einem deutschen Erstligisten unter Vertrag steht. Das Verfahren wurde allerdings 2006 knapp zwei Monate vor Beginn der WM in Deutschland eingestellt.

Kollektiver Verdacht gegen Oberneuland

Wurde bislang nur über mutmaßliche Manipulationen von einzelnen Spielern berichtet, könnte nun eine gesamte Mannschaft in die Machenschaften verstrickt sein. Es handelt sich um den Bremer Regionalliga-Verein Oberneuland. Dessen gesamte Mannschaft soll vor dem Spiel gegen FC St. Pauli II (0:2) am 19. September Wetten auf den Gegner platziert haben. Das berichtet Der Spiegel unter Berufung auf die Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft.

Karen Micheli, die Geschäftsführerin des FC Oberneuland, zeigte sich von den Ermittlungen wenig überrascht. Sie habe während des Spiels einen anonymen Anruf erhalten, dass die Partie verschoben sei, sagte sie dem Spiegel. Zwei Tage später meldete sie den Verdacht beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Dort hatte das Frühwarnsystem der Wettüberwacher keine Auffälligkeiten registriert. Daraufhin ließ sie jeden Spieler eine strafbewehrte eidesstattliche Versicherung unterschreiben, nicht auf diese Partie gewettet zu haben.

Vorerst wolle sie aber keinen Spieler vorverurteilen, wie Micheli dem Sport-Informations-Dienst (SID) sagte: "Ich habe noch keine Akteneinsicht erhalten. Solange ich nicht schwarz auf weiß etwas lese, stelle ich mich vor die Mannschaft." Dennoch sei sie von dem nun bekanntgewordenen Umfang der Ermittlungen überrascht: "Damals war der Anruf beim DFB eine reine Vorsichtsmaßnahme."

Besitzer eines illegalen Casinos im Visier

Einer der Hauptbeschuldigten, ein 34-Jähriger, soll sich nicht nur auf das Wettgeschäft beschränkt, sondern auch ein illegales Spielcasino im Osnabrücker Bahnhofsviertel geführt haben. Dabei soll er mit Hilfe versteckter Kameras die Karten seiner Mitspieler ausgespäht haben, um diese beim Texas-Hold em- oder Omaha-Poker zu betrügen.

Erstmals hatte der Skandal auch Einfluss auf den Schiedsrichterbetrieb im deutschen Fußball. Thorben Siewer wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) kurzfristig als Assistent vom Spiel der 3. Liga am Samstag zwischen dem VfL Osnabrück und Wacker Burghausen abgezogen. Der 22-Jährige aus Drolshagen soll nach DFB-Informationen namentlich in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bochum zu möglichen Spielmanipulationen auftauchen.

Schiedsrichterabzug "reine Vorsichtsmaßnahme"

"Es handelt sich dabei um eine rein vorsorgliche Maßnahme des Verbandes auch zum Schutze des Schiedsrichters", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch: "Derzeit haben wir nur unsere eigenen Ermittlungsergebnisse. Wir erwarten zeitnah Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft in Bochum, dann werden wir den Sachverhalt lückenlos aufklären und exakt bewerten können. Solange dies nicht geschehen ist, gilt für Herrn Siewer natürlich die Unschuldsvermutung."

Siewer wurde durch Christof Günsch (Battenberg/Eder) ersetzt. Koch ordnete die kurzfristige Umbesetzung nach Abstimmung mit Jörg Englisch, dem Leiter der Task Force "Spielmanipulation", und mit Zustimmung des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger an.

Unterdessen sorgt die Diskussion um eine Liberalisierung des Sportwettenmarktes für Streit. Laut Oddset-Chef Erwin Horak wäre dann auch das staatliche Lotto in Gefahr. Dem entgegnete Jörg Wacker, der Deutschland-Chef von bwin. "Jetzt ist die Katze endlich aus dem Sack: Die einzige Sorge von Herrn Horak ist, dass nach einer Liberalisierung der Sportwette auch das Lotto-Monopol fällt und weitere Einnahmeverluste drohen", sagte Wacker gegenüber Sport Bild online. (sid)

DerWesten

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