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Interview

Rauball für Löw-Verbleib, wenn Erfolg und Auftreten bei der WM stimmen

23.05.2014 | 18:47 Uhr
Rauball für Löw-Verbleib, wenn Erfolg und Auftreten bei der WM stimmen
Präsident Rauball zeigt sich sehr zufrieden über die abgelaufene Saison des BVB.Foto: imago

Dortmund.  Vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien äußert sich Liga- und BVB-Präsident Reinhard Rauball im Interview mit unserer Redaktion zur Torlinientechnik, dem wachsenden "Gigantismus" im Fußball und zieht Bilanz der abgelaufenen Saison von Borussia Dortmund.

Reinhard Rauball ist  sehr pünktlich in die Tiefgarage der Geschäftsstelle von Borussia Dortmund eingefahren. Zum Gespräch über den Stand der Dinge im deutschen Fußball nach einer intensiven Bundesliga-Spielzeit und vor einer sicher nicht weniger intensiven WM in Brasilien erscheint der BVB-Präsident, 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und Präsident des Ligaverbandes in Personalunion dennoch mit leichter Verspätung. Kurze Entschuldigung. Dann fliegen die Bälle.

Als der Schiedsrichter im Achtelfinale der WM 2010 ein reguläres Tor für England gegen die deutsche Nationalelf nicht anerkannt hat: Was haben Sie in diesem Moment empfunden, Herr Dr. Rauball?

Rauball: Da habe ich gedacht: Hätte dieses Tor gezählt, dann wäre das Spiel wahrscheinlich gekippt.

Das ist sachlich. Aber welche Empfindung hat diese Fehlentscheidung bei Ihnen ausgelöst?

Rauball: Meine Empfindung war: Respekt, wie die Engländer das hinnehmen. Das war beispielhaft dafür, wie man mit Ungerechtigkeit umgehen kann. Aber da bin ich schon wieder bei der Sportpolitik: Diese Ungerechtigkeiten müssen auf ein Minimum reduziert werden. Deshalb bin ich ein Befürworter der Torlinientechnologie. Kein Befürworter der Torrichter. Leider können sich FIFA und UEFA nicht verständigen, welches nun die richtige Unterstützung der Schiedsrichter ist.

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Gibt es eine statistische Erhebung der DFL über die Häufigkeit strittiger Tor-Vorkommnisse? Für die Bundesliga gab es – nach der Erinnerung – in dieser Saison lediglich zwei Szenen: Das Tor des Leverkuseners Stefan Kießling durch ein Loch im Netz in Hoffenheim und im Pokal-Finale ein Dortmunder Ball, den der Bayer Dante hinter der Linie wegschlägt...

Rauball: Bei der letzten Mitgliederversammlung des Ligaverbandes wurde eine Studie dazu vorgestellt. Es sind nicht viele strittige Szenen, aber letztlich ist die Technik für mich eine Versicherung. Wir sorgen damit für einen Fall vor, der hoffentlich selten eintritt, aber enorme Konsequenzen haben kann? Stellen Sie sich vor, es hätte ein Phantomtor bei der Relegation gegeben. Aber die Frage, die ich mir auch gestellt habe, lautet: Warum haben eigentlich die Schiedsrichter die betreffenden Spieler nicht klar gefragt: War der Ball drin?

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Beim Phantomtor hätten einfach vorher die Netze kontrolliert werden können. Das ist preisgünstig…

Rauball: Das ist ein zusätzlicher Fehler gewesen. Aber die Möglichkeit, sich mit dem zu unterhalten, der unmittelbar betroffen ist, ist auch in bei den von Ihnen genannten Fällen nicht genutzt worden. Es gibt dazu ein Beispiel in der Geschichte der Bundesliga, Sie werden sich erinnern. Als vor einigen Jahren ein Spieler von Schalke 04 den Ball mit der Hand auf der Torlinie rettete, wurde er vom Schiedsrichter gefragt. Der Spieler antwortete wahrheitswidrig, was im TV deutlich erkennbar war: Ich habe ihn mit dem Kopf gerettet. Er konnte daraufhin gesperrt werden.

Bei der WM wird es die Torlinientechnologie geben. In zwölf Stadien, für geschätzte vier Millionen Euro. Um hier zweierlei zu verbinden: Seit Monaten demonstrieren in Brasilien Menschen mit Transparenten, auf denen unter anderem zu lesen ist: Schulen und Hospitäler nach Fifa-Standard. Provoziert der Fußball in einem Land mit bedeutenden sozialen Verwerfungen nicht geradezu solche Reaktionen?

Rauball: Natürlich ist die Situation problematisch. Ich halte es daher für unumgänglich, dass die Fifa das WM-Pflichtenheft überarbeitet. Es muss geregelt sein, dass nur ein Land eine Bewerbung für die Durchführung einer WM oder einer EM abgeben darf, wenn vorher seriös die Unterstützung der Bevölkerung belegt wird. Die Menschen müssen von Beginn an mitgenommen werden. Und was meiner Meinung nach ein weiteres Fifa-Problem ist: die Aufblähung eines solchen Wettbewerbes, mit so vielen Mannschaften, mit so vielen Stadien. Ich sehe diesen Gigantismus sehr kritisch.

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Fifa-Präsident Sepp Blatter hat nun gesagt, es sei falsch gewesen, die WM 2022 an Katar zu vergeben. Nur weil er wiedergewählt werden, weil er von den aktuellen Problemen in Brasilien ablenken möchte?

Rauball: Ich empfinde die Erklärung als honorig, wenn sie denn ernst gemeint war. Ich war ja einer der ersten Kritiker der Katar-Entscheidung - und habe Sepp Blatter aus anderen Gründen sogar in einem Telefonat mit ihm zum Rücktritt aufgefordert. Dass seine Erklärung aber zu diesem Zeitpunkt  gekommen ist: Das hat mich schon verwundert…

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Kommentare
24.05.2014
11:28
Rauball für Löw-Verbleib, wenn Erfolg und Auftreten bei der WM stimmen
von Mutzenbach | #1

Ja Herr Rauball, Sie kümmern sich um den großen Fußball.
Aber nicht um den Fußballsport an sich.
Vereine wie Rot-Weiss Essen leiden unter den...
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1 Antwort
Rauball für Löw-Verbleib, wenn Erfolg und Auftreten bei der WM stimmen
von lowski | #1-1

???
Also, ich fände es ja nicht schlecht, wenn RWE mal wieder hochkommen würde. Aber ich denke, die Vereinsführung(en) der letzten Jahrzehnte sind nicht so ganz unschuldig daran, wo der Verein sich derzeit befindet.

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Rauball für Löw-Verbleib, wenn Erfolg und Auftreten bei der WM stimmen
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2014-05-23 18:47
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