Prinz Al-Hussein will Blatter stürzen - DFB begrüßt Kandidatur

Amtsinhaber Joseph Blatter bekommt bei der FIFA-Präsidentschaftswahl Ende Mai womöglich stärkere Konkurrenz als bislang erwartet.
Amtsinhaber Joseph Blatter bekommt bei der FIFA-Präsidentschaftswahl Ende Mai womöglich stärkere Konkurrenz als bislang erwartet.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Die Gegner von Joseph Blatter formieren sich. Der jordanische Prinz Al-Hussein tritt bei der Wahl zur FIFA-Präsidentschaft gegen den Schweizer an.

Beirut.. Der umstrittene Fifa-Boss Joseph Blatter bekommt auf dem Weg zu seiner fünften Amtszeit Konkurrenz durch Prinz Ali bin Al-Hussein. Der Präsident des jordanischen Fußball-Verbandes, zugleich Vize bei der Fifa und der asiatischen Konföderation AFC, kündigte am Dienstag seine Kandidatur für die Wahl am 29. Mai in Zürich an. "Die Botschaft, die ich immer wieder hörte, war: Es ist Zeit für einen Wandel", teilte der 39-jährige Al-Hussein auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit. "Der Weltfußball verdient eine Weltklasse Fußball-Regierung. Einen internationalen Verband, der sich als Serviceunternehmen versteht und ein Beispiel für Ethik, Transparenz und gute Regierung ist."

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) wurde der Schritt Al-Husseins mit Wohlwollen begrüßt. "Prinz Ali bin Al Hussein hat mich heute in einem Brief über seine Kandidatur informiert. Ich habe ihn bisher noch nicht näher kennengelernt, aber sehr viel Positives über ihn gehört, er wird als starke Persönlichkeit beschrieben", sagte Niersbach am Dienstag.

Zitate des Jahres Der vierter Sohn des verstorbenen Königs Hussein, ist nach dem Franzosen Jérôme Champagne der zweite Herausforderer von Blatter für die Präsidentschaftswahl. Die Fifa und Blatter wollten auf dpa-Anfrage die neue Entwicklung nicht kommentieren.

DFB noch nicht positioniert

Ob der DFB Al-Hussein bei der Wahl im Duell mit Blatter unterstützen werde, stehe aber noch nicht fest. "Wir werden innerhalb der Uefa noch im Januar besprechen, wie wir uns positionieren", ergänzte Niersbach. Es wird allerdings erwartet, dass der Jordanier insbesondere aus Europa viele Stimmen erhält. Uefa-Präsident Michel Platini, der selbst ein Duell mit Blatter scheut, hatte sich in der Vergangenheit für eine Kandidatur Al-Husseins stark gemacht.

Die Chancen auf einen Erfolg Al-Husseins sind aber eher gering. Blatter, der bei der Wahl 79 Jahre alt sein wird, versteht wie kaum ein Zweiter die Machtspiele innerhalb der Fußball-Regierung. Der bestens vernetzte Schweizer hat bislang jeden Skandal überstanden und weiß einen Großteil der 209 stimmberechtigten Verbände, insbesondere aus Afrika sowie der kleinen Nationen hinter sich. Damit diese breite Front auch hält, verteilte Blatter auf dem Fifa-Kongress in Marrakesch an alle Verbände jeweils 300.000 Dollar aus dem prall gefüllten WM-Topf der Fifa.

Wahrscheinlich wird Blatter auch eine Vielzahl der Stimmen aus Asien erhalten. Bereits im November hatte AFC-Präsident Scheich Salman bin Ibrahim Al-Khalifa Blatter die Unterstützung zugesichert. Es sei eine einstimmige Entscheidung getroffen worden, sagte Al-Khalifa damals.

"Meine Mission ist noch nicht beendet"

In den vergangenen Wochen war die Kritik an Blatter und den Weltverband immer größer geworden, nachdem Fifa-Chefermittler Michael Garcia zurückgetreten war. Hintergrund ist der 430 Seiten umfassende Report des Amerikaners zu möglichen Korruptionsvorwürfen rund um die Vergaben der WM 2018 in Russland und der WM 2022 in Katar. Erst auf großen Druck hatte die Fifa-Exekutive einer Veröffentlichung des Berichts zugestimmt - allerdings erst wenn alle Einzelverfahren durch die Ethikkommission abgeschlossen sind. Dies dürfte kaum vor dem Wahltag Ende Mai der Fall sein, was als gelungener Schachzug von Blatter anzusehen ist.

Garcia-Report Der Schweizer ("Meine Mission ist noch nicht beendet") hatte schon im September seine erneute Kandidatur angekündigt. Auch der Ex-Präsident des chilenischen Fußball-Verbandes, Harold Mayne-Nicholls, hielt sich zuletzt eine Bewerbung offen. Gegen den Südamerikaner soll aber auch die Ethikkommission ermitteln.

Al-Hussein hatte sich vehement für eine Veröffentlichung des Garcia-Reports stark gemacht. Ohnehin genießt der Jordanier im Gegensatz zu Blatter noch einen guten Ruf. Al-Hussein stammt aus einer sportpolitisch sehr engagierten Familie. Seine Schwester Prinzessin Haya führte bis zum vergangenen Jahr die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) an, sein Halbbruder Prinz Faisal Al-Hussein ist IOC-Mitglied. Bereits seit 1999 steht Al-Hussein dem jordanischen Verband vor, im Januar 2011 stieg er überraschend zum AFC-Vizepräsidenten auf. Seit Juni 2011 ist er auch einer der Stellvertreter Blatters. Nun will er Blatter stürzen. (dpa)