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Polizei in der Kritik: "Fußballfans sind keine Verbrecher"

17.05.2009 | 11:29 Uhr
Polizei in der Kritik: "Fußballfans sind keine Verbrecher"

Düsseldorf. In NRW wächst die Kritik an einem zu harten Vorgehen der Sicherheitsbehörden am Rande von Fußballspielen. Fans beschweren sich über den immer ruppigeren Einsatz der Ordnungshüter. Beim Kampf gegen Hooligans würden auch unbeteiligte Stadiongänger in Mitleidenschaft gezogen.

In Nordrhein-Westfalen mehrt sich Kritik an einem zu harten Vorgehen der Sicherheitsbehörden. Mitte April kesselten 450 Polizisten am Rande des Drittliga-Spiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Union Berlin stundenlang 250 Fans und Unbeteiligte ein. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall. Zehn empörte Bürger hatten Anzeigen gegen die Polizei erstattet.

Fortuna-Fans demonstrieren: "Fans sind keine Verbrecher"

Der Vorfall hatte sogar ein Nachspiel im Stadtrat der Landeshauptstadt. «Das darf nicht wieder vorkommen, solch ein Einsatz muss einmalig bleiben», forderte die Düsseldorfer FDP-Fraktionschefin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Seitdem demonstrieren die Fortuna-Fans wöchentlich mit Plakaten gegen die Polizei. Ihr Motto: «Fußballfans sind keine Verbrecher.»

Die Landesdatenschutzbeauftragte Bettina Sokol fordert Änderungen bei der Datei «Gewalttäter Sport». Foto: afp

In Paderborn wurden laut Medienberichten Anfang April gut 800 Union-Berlin-Fans bereits am Bahnhof eingekesselt. Einige Anhänger stürzten von den Bahngleisen. Wahllos sprühte die Polizei nach Berichten von Augenzeugen mit Pfefferspray. Unbeteiligte wurden auf Kopfhöhe mit Schlagstöcken traktiert. Auch in Wuppertal gingen unlängst Polizeibeamte laut Augenzeugen mit Pfefferspray gegen Fans vor, die aus ungeklärten Gründen eingekesselt worden waren.

In Internetforen beschweren sich Fußballfans über den immer ruppigeren Einsatz der Ordnungshüter. Beim Kampf gegen Hooligans würden auch unbeteiligte Stadiongänger in Mitleidenschaft gezogen, so der Tenor der Kritik von der Fußballbasis.

Innenministerium: Friedlicher Ablauf ist das Ziel

Es gebe keinen Strategiewechsel der Polizei, betonte ein Sprecher des Düsseldorfer Innenministeriums. Die Beamten gingen je nach Einsatzlage vor. Bei gewalttätigen Fans reagiere die Polizei mit hartem Durchgreifen. Ziel sei aber immer ein friedlicher Ablauf.

Auf einer Fachtagung der Polizei in Berlin hatten sich unlängst Ordnungshüter und Polizeigewerkschafter ihrerseits über wachsende Fangewalt beschwert. Der Inspekteur der Länder-Bereitschaftspolizeien, Jürgen Schubert, sagte, «die Bilder von Gewalt am Rande von Fußballspielen ziehen sich quer durch die Republik». In der Saison 2007/2008 habe es dabei einschließlich der unteren Ligen mehr als 900 Verletzte gegeben, darunter 111 Polizisten. Aktuell bestünden für 2900 Personen Stadionverbote.

Ein merklicher Anstieg der Gewalt lässt sich allerdings im letzten Lagebericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) der NRW-Polizei nicht ablesen. Tatsächlich ist die Zahl der Körperverletzungsdelikte von Fußballfans bei Spielen der 1. und 2. Bundesliga seit dem Jahr 2005/2006 bundesweit konstant geblieben. Pro Saison werden rund 1050 Delikte erfasst. In einer Spielzeit besuchen etwa 17 Millionen Menschen die Spiele der Bundesligen. Ein Runder Tisch gegen Gewalt soll nun einen Dialog zwischen DFB, Fans und Polizei herbeiführen. Einen Termin gibt es noch nicht.

Forderung: Gewalttäter-Datei nur für Hooligans

Die Landesdatenschutzbeauftragte Bettina Sokol fordert Änderungen bei der Datei «Gewalttäter Sport». Es müsse «unbedingt klargestellt werden, dass nur solche Personen in die Datei aufgenommen werden dürfen, denen nachvollziehbar Straftaten vorgeworfen werden», sagte Sokol. Eine Personalienfeststellung oder ein polizeilicher Platzverweis bei oder am Rande von Fußballspielen allein dürften nicht zur Speicherung führen. Bund und Länder sollten sich auf eine Neuregelung verständigen.

Nach Angaben eines Sprechers des Landesamts für Zentrale Polizeiliche Dienste Nordrhein-Westfalen (LZPD) in Duisburg sind nach letztem Stand vom Januar derzeit rund 10 600 Personen in der Fandatei abgespeichert. Zur Gefahrenabwehr soll die Datensammlung vermeintliche Hooligans für die Polizei auflisten.

Vor den Verwaltungsgerichten der Republik läuft seit Monaten ein Streit, ob der Staat für die umstrittene Datei eine neue Rechtsgrundlage schaffen muss. Auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Monika Düker fordert, dass «nur noch Straftäter» in die Datei aufgenommen werden dürfen. Alles andere wäre für einen Rechtsstaat bedenklich, sagte die innenpolitische Sprecherin der Grünen. Die Landesregierung will jedoch an der Datei festhalten.

Ausgelöst hatte den juristischen Streit ein Fußballfan aus Hannover. Ihm hatte 2006 ein Polizist bei einer Rangelei im Stadion mit seinem Schlagstock ins Gesicht geschlagen. Dafür bekam der Fan Schmerzensgeld. Der Polizist zeigte ihn aber wegen Landfriedensbruchs an. Das Verfahren wurde eingestellt, doch der Fan landete dennoch in der Datei «Gewalttäter Sport». Die Speicherung kann zum Beispiel dazu führen, dass dem eingetragenen Fan die Ausreise zu Länderspielen oder Europacup-Partien verweigert wird. (ddp)

DerWesten

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Kommentare
10.06.2010
06:55
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von no remorse | #32

Schlagstock in Kopfhöhe, Pfefferspray gegen einen 7jährigen etc - früher haben sie aus der Deckung der Menge heraus gezielt einen Fan erschiessen können, heute prügeln sie legal und offen, weil sie genau wissen, dass ihnen nichts passieren kann.

09.12.2009
18:36
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von viereckstein | #31

ich weiss nicht, wie ich Leute, die alles kurz und klein schlagen und sich an anderen Fans vergreifen sonst bezeichnen sollte, ausser als Verbrecher

23.05.2009
09:42
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von oliho | #30

Ich bin auch für keine Polizei beim Fußball!!
Sollen die Vereine für Sicherheit sorgen. Die Stehplatzkarte kommt dann so auf 30 € aber egal.

Leute wer sich hier als Polizeigegner outet ist kein normaler Fußballfan sondern ein assihool.

21.05.2009
07:33
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von Lichtbringer | #29

@27:
Ich bin ORDNER in Düsseldorf und Gelsenkirchen - zur WM 2006 war ich in Köln!
Friedliche Fans haben absolut keine Probleme!
Nur die, die Probleme machen, bekommen auch Probleme!

18.05.2009
09:16
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von oliho | #28

Nun die hier abgegebenen Komentar zeigen deutlich wer wirklich schon mal dazwischengeraten ist und wer grün anklagt weil er selber assihool ist. Das ist so typisch: Wir haben nichts gemacht, wir sind doch keine Verbrecher, kümmert euch doch um x y z
Mein Vorschlag: einmal erwischt 1 Jahr Stadionverbot (bundesweit alle Ligen), 2. mal erwischt Lebenslanges Stadionverbot, so bleiben die assfeiglinghools auf Dauer weg

17.05.2009
17:48
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von ElKonsolero | #27

@ 26

Wenn Sie meinen, dann fahren Sie doch selbst zu mehreren Auswärtsspielen und schauen, ob Sie als friedlicher Fan da heil raus kommen. Ich glaube Sie waren in Ihrem ganzen Leben noch in keinem Stadion und glauben sich hier eine richtige Meinung bilden zu können.

17.05.2009
17:07
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von Lichtbringer | #26

@#24 ElKonsolero:
Ja gaaanz genau ^^ Da kann man genau so gut ne rechte Seite lesen um festzustellen wie arm doch die Rechten dran sind....
Das ist doch nur ne Propaganda-Seite! Die eine Hälfte übertrieben, die andere Hälfte gelogen.

17.05.2009
16:58
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von AnaR | #25

Aus meiner Sicht sollte die Polizei gar nichts innerhalb eines Fußballstations zu suchen haben. Jeder Verein sollte auf eigene Kosten für die Sicherheit der Besucher sorgen.
Für die Polizei hätte es den Vorteil, dass sie außerhalb des Stadions die tatsächlichen Randalierer viel besser aussortieren könnte.

17.05.2009
16:35
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von ElKonsolero | #24

http://www.fansmedia.org/

An alle die denken, man sei immer selber Schuld. 2-3 Berichte lesen reicht schon, um sich ein besseres Bild machen zu können.

Wer danach immernoch auf Seiten der Polizei steht, sollte sich dringend überlegen in welchem Land er sich befindet.

17.05.2009
16:18
Polizei in der Kritik: Fußballfans sind keine Verbrecher
von Lichtbringer | #23

@#3 thomas hoter:
Also normale, friedliche Bürger bekommen keinen ärger mit den kriminellen Polizisten - solche Sprüche kommen nur von Leuten die regelmäßig Probleme machen.
Erst saufen, dann rumrandalieren und sich dann über die Polizei beschweren? Ja nee ist klar...

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