Podolski im Ü-30-Club: Graue Haare die geringste Sorge

Im Dunstkreis des Doms kann Lukas Podolski einfach nicht anders. Da wird der Ur-Kölner zum Spaß-Produzenten.

Köln.. "Die grauen Haare", rief Podolski blitzschnell dazwischen, als der drei Stühle links von ihm sitzende Bastian Schweinsteiger zur Veränderung im Leben eines Mannes im Alter über 30 befragt wurde. Im Gegensatz zu seinem Freund und Dauerkollegen in der Fußball-Nationalmannschaft stellt sich für Podolski dieses Problem wenige Tage nach dem Eintritt ins neue Lebensjahrzehnt noch nicht. "Er hat weniger graue Haare als ich. Das liegt vielleicht daran, dass er mehr Spaß im Leben hat", scherzte Schweinsteiger spontan zurück.

Freundliche Neckereien und moralische Aufmunterung kann der im Nach-WM-Jahr im DFB-Team, beim FC Arsenal und bei Inter Mailand gleich dreifach nur noch als Reservist klassifizierte Offensivmann gut gebrauchen. Der allseits ungeliebte Länderspieltermin am Mittwoch am Rhein gegen die USA kommt ihm im Gegensatz zu den meisten Kollegen sogar gelegen. "Es ist gar keine Frage, dass das Emotion ist. Ich habe hier meinen Lebensmittelpunkt, das ist meine Stadt, hier fühle ich mich wohl", sagte Podolski vor seinem möglichen 124. Länderspiel seit den gemeinsamen Anfängen mit Schweinsteiger vor fast genau elf Jahren.

Bei allem sportlichen Hierarchieverlust, für die Gefühlswelt der Weltmeister ist der 30-Jährige immer noch ein Stabilitätsfaktor. Das zeigte auch sein Einzug im Blitzlichtgewitter ins Mannschaftshotel in der Kölner Innenstadt. Die schwarze Basecap mit der goldenen 10 auf dem Kopf wurde Poldi von den Fans gefeiert. Autogramme hier, Autogramme da und immer dieses Lausbubengrinsen.

Im Moment spricht laut Podolski viel dafür, dass er künftig wieder nach London zur Arbeit pendeln muss. Den Wohnsitz Köln hat er nie ganz aufgegeben. Der 1. FC Köln scheidet als erneute Rückzugsoption aber derzeit aus. Definitive Aussagen über seinen Arbeitgeber nach der Sommerpause will er noch nicht treffen. "Es sieht so aus, als ob ich nach London zurückgehe, aber es kann immer was passieren. Wenn es sein muss, bin ich bei Arsenal", sagte er.

London, das wird durch diese Aussage endgültig klar, wäre nur eine Notlöung. Schon vor dem insgesamt glücklosen Halbjahres-Leihgeschäft zu Inter Mailand war er dort bei Trainer Arséne Wenger nur noch zweite Wahl. Insgesamt stand er in allen seinen Teams nur zwölf Mal in einer Startformation in dieser Saison. Bei den Gunners wartet niemand sehnsüchtig auf ihn. Noch ein Jahr läuft dort sein Vertrag.

Podolski lobte brav den Club und die Stadt, man soll sein Verhalten dort ja nicht als Ablehnung verstehen. Doch ein Vereinswechsel wäre wichtig, um sich bei Bundestrainer Joachim Löw für die Nationalmannschaft und "das große Ziel Euro 2016" zu empfehlen. "Ich werde mit Lukas sicher noch mal reden. Er muss jetzt das Gespräch mit Arséne Wenger suchen und fragen, wie seine Planungen sind. Sonst kann ich ihm nur ernsthaft raten, einen Wechsel in Betracht zu ziehen. Er hat in der vergangenen Saison nicht so oft gespielt über 90 Minuten. Es wäre für ihn aber wichtig", sagte Löw.

Mit Spekulationsmeldungen über seine Zukunft in den kommenden Wochen rechnet Podolski fest. Die jüngsten Richtung Werder Bremen seien falsch. Aber: Nur "weil jetzt eine 3 vorne steht", sei das Fußballerleben nicht vorbei. Ein paar Jahre wolle er schon noch spielen, beteuerte Podolski.

In deutlich ernsterem Ton als beim Graue-Haare-Spott fasste Schweinsteiger die sportliche Situation seines Kumpels zusammen: "In jedem Leben gibt es Phasen, in denen es nach oben und nach unten geht. Er ist ein große Persönlichkeit, leider manchmal unter Wert behandelt, in meine Augen", sagte der Münchner. Darauf hatte nicht mal Podolski eine lustige Antwort parat.