Paris St. Germain beherrscht den französischen Boulevard
11.01.2012 | 18:46 Uhr 2012-01-11T18:46:00+0100
Paris. Paris St. Germain hat Petrodollars im Überfluss. Kaum ein anderes Thema beherrschte den französischen Boulevard in letzter Zeit so sehr, wie die „Schicksalsfrage“, ob Weltstar David Beckham demnächst das Trikot von Paris St. Germain überstreifen würde. Weil Beckham abgesagt hat, soll anderen Stars das Konto gefüllt werden.
Kommt er oder kommt er nicht? Neben den Sex-Affären um Dominique Strauss-Kahn und Carla Brunis Präsidentenbaby umtrieb kein Thema den französischen Boulevard in letzter Zeit so sehr wie die „Schicksalsfrage“, ob Weltstar David Beckham demnächst das Trikot von Paris St. Germain überstreifen würde. Nun herrscht aber Gewissheit. Der „Spiceboy“ wird seine Zelte doch nicht in der Seine-Metropole aufschlagen. „Familiäre Gründe“ hätten den Ausschlag gegeben, erklärte Sportdirektor Leonardo am Rande des PSG-Trainingslagers in Katar.
Zuvor hatte das stets gut informierte Massenblatt „Le Parisien“ bereits in großer Aufmachung alle vertraglichen Details der angeblichen Beckham-Verpflichtung ausgeplaudert. Das Ja-Wort habe der englische Nationalspieler schon gegeben, nun müsse lediglich darauf gewartet werden, dass die Tinte endlich trockne, hieß die frohe Kunde. Die Höhe seines Salärs war schon vorab vermeldet worden: üppige 800 000 Euro sollte der mehrfache Weltfußballer in Paris verdienen. Pro Monat versteht sich. Ein äußerst üppiges „Vorruhestandsgehalt“ für einen, der bald 37 wird und auf eine fabelhafte Profikarriere zurückblickt. Eine, die bei Manchester United begann und über Real Madrid zu AC Mailand und Los Angeles Galaxy führte.
Mit Beckham, dem „Galaktischen“, wollte der Erstligist jedoch weniger den Mittelfelddirigenten und Spielmacher verpflichten, sondern eher eine schillernde Werbe-Ikone. Becks und Posh in Paris – zusammen mit seiner extravaganten Frau Victoria, einst „Spice Girl“ und jetzt erfolgreiche Modedesignerin, sollte die Marke „Beckham“ den PSG und Paris in höhere Sphären katapultieren.
Doch auch ohne den britischen Superstar schickt sich Paris an, zu den Sternen zu greifen. Zum Stern Kaka von Real Madrid zum Beispiel. Der Beginn dieses Höhenflugs lässt sich sehr einfach datieren. Es geschah im vergangenen Frühjahr, als der Wüstenstaat Katar, Ausrichter der WM 2022, die Aktienmehrheit beim Hauptstadtklub übernahm und den Kaufmann Nasser Al-Khelaifi, einen engen Vertrauten des Emirs, als Vereinsboss installierte. Seitdem sprudeln die Petrodollars und im Prinzenpark wähnen sie sich wie in einem Märchen aus Tausendundeiner Nacht.
Der neue Jahresetat wird mit 150 Millionen Euro beziffert und allein für die Rekordsumme von 42 Millionen Euro holten die Katari zu Saisonbeginn den argentinischen Spielmacher Javier Pastore (22) an die Seine. Zuvor verpflichteten sie den früheren brasilianischen Weltklassespieler Leonardo (42), der zuletzt Inter Mailand trainierte, als neuen Sportdirektor. Dass dieser am liebsten gleich seinen guten Freund und Weggefährten, den Italiener Carlo Ancelotti (52), als Trainer mitgebracht hätte, war ein offenes Geheimnis. Doch pikanterweise gaben sie dem PSG-Coach Antoine Kombouaré den Laufpass erst zur Winterpause, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als PSG den begehrten Herbstmeistertitel feierte. Der brave Kombouaré sei der neuen Vereinsführung wohl „nicht sexy genug“ gewesen, wurde kolportiert.
Lange Durststrecke
Im Prinzenpark blicken sie auf eine sportlich sehr lange Durststrecke zurück. Erst zweimal wurde PSG Meister, zuletzt 1994. Der größte internationale Erfolg, der Europapokal der Pokalsieger, datiert aus dem Jahr 1996. Oft war der Hauptstadtklub die graue Maus der „Ligue 1“. Doch nun, mit Doppel-Champions-League-Gewinner Ancelotti auf der Bank und den Katar-Millionen im Rücken, träumen sie wieder: von der Meisterschaft, von der Champions League und davon, endlich mit den ganz Großen in einem Atemzug genannt zu werden.
Doch längst nicht allen PSG-Fans behagt die stürmische Kulturrevolution aus dem Morgenland, die auf Kommerz, Glamour und knallharte Vermarktung setzt. Viele befürchten, der orientalische Höhenflug könne in einem bösen Albtraum enden, etwa wenn der Emir von Katar bei sportlichem Misserfolg seine PSG-Aktien prompt wieder verscherbelt. Der Schauspieler und Bestseller-Autor Lorant Deutsch, ein treuer PSG-Anhänger, spricht vielen aus dem Herzen: „Ich bin angewidert. Das ist nicht mehr Paris, das ist Disneyland.“
0mitdiskutieren