Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Pilotprojekt

NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB

20.08.2014 | 09:29 Uhr
NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB
Die Polizei im Einsatz bei einem BVB-Spiel in Dortmund. Am Samstag gegen Bayer Leverkusen wird sich die Zahl der Einsatzkräfte im Vergleich zu den Jahren deutlich verringern.Foto: Ralf Rottmann

Düsseldorf.  Zum Start der 1. Bundesliga am Wochenende will Nordrhein-Westfalen deutlich weniger Polizisten als in den Vorjahren einsetzen. Zu den ersten Versuchsspielen gehört auch die Partie zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Innenminister Jäger sieht das Projekt als Angebot an die Fans.

Fußballspiele der 1. Fußball-Bundesliga ohne gewaltbereite Fans sollen von Samstag an von deutlicher weniger Polizisten begleitet werden. Damit will Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) in einem Pilotprojekt testen, wie er die Einsatzzeiten seiner Beamten effizienter nutzen kann. An diesem Wochenende betrifft das die Spiele 1. FC Köln gegen den Hamburger SV, Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen (Samstag), SC Paderborn gegen Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach gegen den VfB Stuttgart (Sonntag).

In der 2. und 3. Liga läuft der Versuch bereits seit Ende Juli bzw. Anfang August. Hintergrund für das Projekt sind ausufernde Einsatzzeiten bei der Polizei für den Profi-Fußball und ein Zuwachs von Heimspielen in der Spielzeit 2013/2014. "Es gibt 21 Heimspiele mehr, wofür wir 10 Prozent mehr Polizisten bräuchten", sagt ein Sprecher des Innenministeriums vor Beginn der Pilotphase, die in der 1. Bundesliga vier Spieltage dauern soll.

231 NRW-Heimspiele in den Profi-Ligen

Mit zwei Aufsteigern aus NRW in die 1. Bundesliga und dem Sprung von Fortuna Köln von der Regionalliga in die 3. Liga muss die Polizei in der neuen Saison mit 231 Heimspielen rechnen. "Bereits jetzt verwendet die Bereitschaftspolizei ein Drittel ihrer Einsatzzeit nur für die Sicherheit bei Fußballspielen. Machten wir weiter wie bisher, würde sich das nochmal deutlich erhöhen. Das kann ich dem Steuerzahler nicht mehr vermitteln", erklärte Innenminister Jäger bei der Vorstellung der Pläne Anfang August.

Fußball
Weniger Präsenz am Stadion - Jäger setzt Vereine unter Druck

Der NRW-Innenminister will zukünftig mit reduziertem Polizeiaufgebot bei Fußballspielen arbeiten: An Rhein und Ruhr wird Polizei nicht mehr bei allen...

Risikospiele wie das Revierderby am 6. Spieltag Ende September zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund will Jäger wie bisher von der Polizei begleiten lassen. Steht allerdings eine Partie mit weniger Brisanz an, will das Land das nutzen und Polizeikräfte einsparen.

Innenminister sieht Versuch als Angebot an die Fans

Ob eine Partie ein Risikospiel ist, entscheidet die Polizei nach Abwägung der Einsatz-Daten der letzten drei Jahre und in Absprache mit der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS). "Es gibt keinen Katalog, in dem die verschiedenen Spiele klassifiziert sind. Wie ein Spiel einzustufen ist, entscheidet am Ende immer der Einsatzleiter in der jeweiligen Bundesliga-Stadt", erklärt Ministeriumssprecher Wolfgang Beus.

Ligapräsident Reinhard Rauball hatte die Pläne von Jäger kritisiert und befürchtet, dass Gewalttäter ein mögliches Sicherheitsvakuum ausnutzen könnten. Jäger sieht das Pilotprojekt dagegen auch als Angebot an die Fans. Fanvertreter hatten immer wieder weniger Polizei-Präsenz in und rund um die Fußball-Stadien gefordert. Arne Steding vom Fanmagazin "schwatzgelb.de" begrüßt deshalb grundsätzlich die Pläne.

Auch einige Fans begrüßen das Projekt

"Bei Spielen gegen Hoffenheim oder Augsburg haben wir uns schon gefragt, was ein großes Polizeiaufgebot da soll", sagt der Fan von Borussia Dortmund der Deutschen Presse-Agentur. Steding kritisiert aber, dass Jäger mit der Bekanntgabe der Pläne "die Versuchsanordnung verfälscht" habe. "Wer jetzt einfach nur Krawall machen will, könnte das ausnutzen."

Zuletzt hatte es Randale vor dem Pokalspiel von Fortuna Düsseldorf in Würzburg gegeben. Beteiligt waren in der Nacht zum Sonntag Anhänger aus NRW und des 1. FC Nürnberg. Ein Beamter musste mit Schnittverletzungen im Gesicht im Krankenhaus behandelt werden. Mehrere Personen wurden vorläufig festgenommen, unter anderem wegen Sachbeschädigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und mehreren Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. (dpa)

Kommentare
20.08.2014
16:01
NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB
von BVBDauerkarte | #2

Durch die Bundesligavereine hat der Staat viele Millionen Euro Einnahmen, dann sind noch wie in Dortmund 80 000 Steuerzahler im Stadion.

Und wenn...
Weiterlesen

3 Antworten
NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB
von jubense | #2-1

Auch eine "Dauerkarte" bekommt durchs Steuern-Zahlen nicht das Recht, die Polizei quasi auf Bestellung, ohne jeglichen Verdacht auf das Begehen einer Straftat, nach Hause anzufordern. Diese grundfalsche Vorstellung von unserem Steuersystem durchzieht leider sowohl die ganze Diskussion um Polizeieinsätze als auch das Allgemeinwissen der Deutschen.

Andererseits - wenn bei *jedem* Fußballspiel immer die Gefahr von Straftaten im Verzug sein sollte, so dass die Anwesenheit von Polizei zwingend notwendig wäre, dann stimmt es mit diesem reinen Freizeitvergnügen hinten und vorne nicht mehr und es gehört generell verboten.

PS: *Im* Stadion (und um nix anderes dreht es sich bei der Diskussion) hat der Ordnerdienst Hausrecht und kann bei Straftaten ebenso Personen festsetzen. Das kostet aber die Vereine den schönen Gewinn, wenn es qualifiziert und kontrolliert ablaufen soll.

NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB
von BVBDauerkarte | #2-2

Der Unterschied ist, zu Hause ist kein Versammlungsort, im Stadion oder anderen Versammlungsplätzen muss natürlich die Polizei präsent sein.
Die Erfahrungen haben doch gezeigt, dass die Polizei bei Großveranstaltungen fast immer im Rahmen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung eingesetzt werden musste.
Ich vermute auch, dass dieses in Ordnungsverfügungen für die Veranstaltung niedergeschrieben steht. Dort sind doch die Anzahl von Rettungsdienst, Ordner und Polizei vorgeschrieben.

Ein Ordnungsdienst hat bestenfalls einen 34A Schein, kann aber die Polizei nicht ersetzen.

Ich möchte mir nicht vorstellen, Sicherheitsunternehmen die eventuell mit Mitglieder der Hells Angels oder Bandidos unterwandert sind, sorgen für die Sicherheit im Stadion.
Also muss es aus meiner Sicht so bleiben, die Polizei gehört in die Bundesligastadien.

NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB
von golden_girl | #2-3

Das Stadiongelände ist Privatgrund und dort hat die Polizei grds. erst mal nichts zu suchen. Für Veranstaltungen gilt seit der Love Parade in Duisburg für jede Veranstaltung - vom Karnevalsverein bis hin zu Straßenfesten das Erfordernis, die Aufstellung eines Sicherheitskonzeptes für die Veranstaltung vorzulegen. Wird das nicht ausreichend erfüllt oder die üblichen Störungen / Straftaten erwartet, wird diese Veranstaltungen nicht genehmigt - Steuern sind von den Vereinen trotzdem zu zahlen (das heißt ja nicht automatisch, das man sich mit Steuern die Arbeitskraft der Polizei erkauft). Sonstige Störer sofort in den Arrest und vor den Richter.

Funktionen
Fotos und Videos
MSV Duisburg steigt in die 3. Liga ab
Bildgalerie
Relegation
Public Viewing im Ruhrgebiet
Bildgalerie
EM 2016
RWE besiegt BVB II mit 2:1
Bildgalerie
Regionalliga
article
9722789
NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB
NRW testet erstmals reduzierten Polizeieinsatz beim BVB
$description$
http://www.derwesten.de/sport/fussball/nrw-testet-reduzierten-fussball-polizeieinsatz-in-dortmund-id9722789.html
2014-08-20 09:29
Ralf Jäger, Polizei NRW, Fußball Polizei
Fußball