Niersbach und seine Chance, die Zweifler zu widerlegen

Will Zwanziger-Nachfolger in der FIFA -Exekutive werden: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.
Will Zwanziger-Nachfolger in der FIFA -Exekutive werden: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.
Foto: Patrick Seeger
Was wir bereits wissen
Ist DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wirklich - wie DFL-Chef Reinhard Rauball glaubt - „der richtige Mann“, um in der Fifa-Exekutive „für Transparenz und Aufklärung zu sorgen“? Niersbach hat im Falle seiner Wahl die Chance, die Zweifler zu widerlegen. Ein Kommentar.

Essen.. Mehr Vorschusslorbeer geht kaum. Jedenfalls nicht, wenn es um die Aufgabe in einem Verband geht, der in der ganzen Welt für Korruption, Kungelei und kriminelle Energie steht. Er sei „der richtige Mann, um hier für Transparenz und Aufklärung zu sorgen“, hat Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) die Kandidatur von Wolfgang Niersbach, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), für einen Platz in der Exekutive des Fußball-Weltverbandes (Fifa) begrüßt.

Rauballs Erwartungen an Niersbach, der im Falle seiner als sicher geltenden Wahl der Nachfolger seines – ihm inzwischen in herzlicher Feindschaft verbundenen – Vorgängers Theo Zwanziger werden würde, sind also hoch. Die Zweifel daran, dass er sie erfüllen wird, allerdings auch. Niersbach hat sie durch sein Verhalten während seiner ganzen Funktionärskarriere geschürt.

Im Umgang mit Menschen stets verbindlich, konziliant, hat der ehemalige Sportjournalist, der schon früh die Nähe zum DFB suchte, das Risiko immer eher gescheut denn gesucht. Und es verstanden, drohenden Konflikten elegant auszuweichen. Aus gutem Grund: Stets kompromissbereit bis zur Selbstverleugnung zu sein, sich so wenige Feinde wie möglich zu machen – solche Verhaltensweise ist eine geradezu zwingende Strategie, um als Funktionär – im Sport wie in der Politik – Karriere zu machen.

Niersbach darf keine Rücksicht auf alte Kumpaneien nehmen

Die Hoffnung, die sich gleichwohl mit einer Mitgliedschaft des DFB-Präsidenten in der Fifa-„Regierung“ verbindet, gründet darauf, dass der 63-jährige Rheinländer heute schon mehr erreicht hat, als er sich je erträumt hatte und aus seiner Sicht folglich nichts mehr zu verlieren hat. Umso mehr kann Niersbach gewinnen – an Reputation. Indem er seine Kritiker widerlegt und tatsächlich im internen Kampf gegen die Strippenzieher im Weltverband couragiert voran geht. Ohne Rücksicht auf alte Kumpaneien.