Nationalmannschaft : Ein brüchiger Friede beim DFB

Essen. Der große Streit beim DFB ist offiziell für beendet erklärt worden. Bis zur WM wollen Joachim Löw und Oliver Bierhoff auf der einen sowie Wolfgang Niersbach und Theo Zwanziger auf der anderen Seite Gemeinsamkeit demonstrieren.
Wie schmeckt eigentlich das Kraut, das in eine Friedenspfeife gestopft wird? Ein bisschen säuerlich vielleicht? Oder fad? Fördert es gar einen bitteren Nachgeschmack? Die Herrschaften, die am Dienstag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes gemeinsam vor die Medien traten, erweckten alle nicht den Eindruck, dieser Tabak könnte einen Genuss hervorgerufen haben.
Sie wählten Worte der Versöhnung, der Zuversicht, der Hoffnung. Und doch konnten Bundestrainer Joachim Löw und Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff auf der einen sowie DFB-Präsident Theo Zwanziger und Generalsekretär Wolfgang Niersbach auf der anderen Seite die Zweifel nicht beseitigen, dass es sich bei dieser Veranstaltung lediglich um eine offizielle Pflicht handelte. Eine Pflicht zum Wohl des deutschen Fußballs. Einzelinteressen werden hinten angestellt. Was nicht heißt, dass es sie nicht mehr gibt.
Ein Friedensgipfel? Eher der Versuch einer Beschwichtigung der aufgebrachten Öffentlichkeit, die sich darum sorgt, dass das absurde Theater um die ursprünglich vor der Weltmeisterschaft in Südafrika geplante Verlängerung der Verträge von Bierhoff, Löw und deren vertrauten Mitarbeitern Auswirkungen auf die sportliche Leistung der Nationalmannschaft haben könnte. Dieses Problem ist zumindest erkannt worden. „Keiner von uns hat das Recht, Millionen von Fans ein Szenario zu liefern, dass sich die Mannschaft aus der Verantwortung stehlen könnte“, meinte Zwanziger.
Am Dienstagvormittag hatte er Oliver Bierhoff empfangen, der danach festgestellt haben wollte: „Von Eiszeit konnte keine Rede mehr sein.“ Bierhoff muss das Büro des Präsidenten in der tiefsten Gangart betreten haben. Ohne seine Entschuldigung für seine überraschenden Forderungen hätte sich der Krach zur Krise ausweiten können, in deren Verlauf eine kurzfristige Trennung von den Führungsköpfen des Nationalteams nicht grundsätzlich hätte ausgeschlossen werden können.
Verletzte Gefühle
„Ich bedauere es sehr, dass diese Situation entstanden ist“, meinte Bierhoff. „Mir ist deutlich geworden, dass die Art und Präsentation unserer Vorstellungen die falsche war. Sie hat zu Verletzungen von Gefühlen geführt.“
In dieser Erklärung steckt das Eingeständnis, dass das Dilemma noch lange nicht beseitigt ist. Denn nur für sein Vorgehen hat sich Bierhoff entschuldigt, nicht für den Inhalt des Papiers, das er den verdutzten DFB-Chefs unter die empfindsamen Nasen hielt. Sämtliche Verhandlungen wurden vertagt. Was nach der WM sein wird, weiß derzeit niemand. So bleibt der ausgerufene Friede brüchig.
Am deutlichsten wurde dies durch die Reaktion von Zwanziger auf Bierhoffs Kuschelkurs: „Ich sage jetzt nicht: Es ist alles wieder wie gestern“, betonte der Präsident. „Wir sind Menschen mit Gefühlen und Verstand. Das gute Verhältnis ist in den vergangenen Tagen beschädigt worden.“
Auch Löw gab zu, er habe „mit der Situation zu kämpfen gehabt“, die WM-Vorbereitung aber sieht der Bundestrainer durch die ungewisse Vertragslage nach dem Turnier nicht im Geringsten gefährdet: „Ich bin so selbstbewusst zu sagen, dass ich damit bis zur WM sehr gut leben kann. Danach sehen wir weiter.“
„Was waren wir für Hornochsen“
Das klang distanzierter als der Versuch von Generalsekretär Niersbach, Endgültigkeit zu demonstrieren: „Was waren wir für Hornochsen, dass wir eine solche Diskussion in der Öffentlichkeit zugelassen haben. Deckel drauf, die Chose ist vorbei.“
Es war aber kein Thema, die abgebrochenen Gespräche sofort wieder aufzunehmen. „Wenn ein gut angedachtes Projekt so in die Hose geht, macht es keinen Sinn, es jetzt vor der WM noch einmal zu probieren“, bekräftigte Zwanziger. „Manchmal liegt das Glück darin, dass man etwas Zeit vergehen lässt.“ Der WM-Verlauf wird die Richtung vorgeben. So oder so.










DerWesten-Sport
























Thorsten Schmugge








