Nach Trainerwechseln sind Fußballer als Diplomaten gefragt

Packt mit an und kommt bei der Mannschaft offenbar gut an: Schalke-Coach Andre Breitenreiter.
Packt mit an und kommt bei der Mannschaft offenbar gut an: Schalke-Coach Andre Breitenreiter.
Foto: imago/DeFodi
Was wir bereits wissen
Nach einem Trainerwechsel wird jedes Lob für den neuen Coach nach versteckter Kritik am Vorgänger abgeklopft. Ein Kommentar.

Essen.. Stellen Sie sich vor, Sie hätten seit einigen Wochen einen neuen Chef und wären aufgefordert, öffentlich Vergleiche mit seinem Vorgänger ziehen. Eine heikle Aufgabe, vor der Fußballspieler nach jedem Trainerwechsel stehen. Fällt das – pflichtgemäße – Lob für den Neuen zu überschwänglich aus, gerät der Schwärmer schnell in den Verdacht, ein Schleimer zu sein. Schlecht über jemanden zu reden, der nicht mehr da ist, kommt auch nie gut an.

Tuchels BVB-Vorgänger Klopp ist sakrosankt

Dabei sagt die Art des Vorschusslorbeers für den Neuen immer auch einiges über dessen Vorgänger aus. Kehrt man etwa Ralf Fährmanns erste Eindrücke von Schalkes Trainer André Breitenreiter um, lässt sich daraus schließen, dass Roberto Di Matteo, anders als sein Nachfolger, eben keine „positive Energie“ ausgestrahlt hat und mit seiner Art nicht „gut angekommen“ ist. Was vermutlich alle S04-Fans unterschreiben würden.

Breitenreiter Im Gegensatz zu Schalke, wo der ganze Klub nach der Trennung von Di Matteo aufatmete, ist in Dortmund Thomas Tuchels Vorgänger Jürgen Klopp sakrosankt. Wohl auch deshalb redete sich Neven Subotic mit der Binsenweisheit heraus: „Es ist immer schwer, zwei Menschen, die komplett verschieden sind, zu vergleichen.“

Wegen ähnlicher, nichtssagender Äußerungen werden Fußballer oft als „stromlinienförmig“ gescholten. Aber in einer Medienwelt, in der alles auf die Goldwaage gelegt wird und jedes positive Wort über den einen Trainer nach eventuell versteckter Kritik an dem anderen abgeklopft wird, ist es ihnen nicht zu verübeln, dass sie sich zunehmend als Diplomaten gefordert sehen.