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Nach dem Training zum Arbeitsamt

08.07.2009 | 16:29 Uhr
Nach dem Training zum Arbeitsamt

Duisburg. Sie waren Stars, jetzt sind sie arbeitslos: Thomas Cichon, Stefan Wessels, Holger Wehlage - die vereinslosen Profikicker halten sich in einem Camp in der Sportschule Wedau fit. Und warten auf Angebote.

Stefan Wessels (links) und Thomas Cichon dehnen ihre Muskulatur. Fotos (3): Friedhlem Zingler

Nach dem Training legt Thomas Cichon eine weitere Laufeinheit ein. „Ich hab' nicht viel Zeit. Ich muss zum Arbeitsamt”, sagt der Fußballprofi und eilt mit schnellen Schritten vom Rasen zur Kabine. Cichon wird am Donnerstag 33 Jahre alt, hat 131 Bundes- und 167 Zweitligaspiele für den 1. FC Köln, Rot-Weiß Oberhausen und den VfL Osnabrück auf dem Buckel – im Moment aber ist der Verteidiger ohne Verein. Und damit arbeitslos.

80 Prozent finden einen Klub

Als Mitglied der „Vereinigung der Vertragsfußballspieler” (VDV) hält er sich in deren Camp in der Duisburger Sportschule Wedau fit. „Etwa 80 Prozent der Spieler, die hier sind, kommen wieder bei einem Klub unter”, sagt VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Und die anderen? „Für die war es das wohl.”

Seit 2003 bietet die Gewerkschaft das dreimonatige Trainingslager für vereinslose Profikicker an. In diesem Sommer haben sich 60 angemeldet, 26 dürfen seit Sonntag unter der Anleitung von vier Trainern – u.a. Ex-Nationalkicker Stephan Paßlack – mitmachen. „Wir haben hier Spieler von unterschiedlicher Qualität”, sagt Baranowsky und verweist auf die Routiniers Thomas Cichon, Stefan Wessels (30/mehrere Titel mit Bayern), Lars Müller (33/Meister mit Dortmund) und Holger Wehlage (33/Meister mit Bremen) sowie auf die Jungspunde Jonas Deumeland (21), der Ersatztorwart in Oberhausen war, oder Ryan Gyaki (23), der sich bei Hansa Rostock nicht im Profikader halten konnte.

„Erste Liga ist utopisch”

Thomas Cichon (re.) in der Saison 2008/09 mit Osnabrück gegen Rostocks Kevin Schindler. Foto: Fishing4

Sprinttests und Leistungsdiagnostik standen in den ersten Tagen auf dem Programm für die arbeitslosen Kicker, die derzeit maximal 2500 Euro im Monat verdienen. Ruft ein Vereinsmanager an, kann es blitzschnell gehen – optimale Fitness kann dann nicht schaden. „Vor allem das Mannschaftstraining ist sehr wichtig. Alleine kannst du nur joggen gehen”, sagt Cichon, der nach dem Osnabrücker Abstieg in die 3. Liga plötzlich ohne Vertrag da stand. Zwei, drei Jahre möchte er noch auf gutem Niveau spielen. „Erste Liga ist aber utopisch.”

Schon 2005, nach dem Abstieg mit RWO, machte er beim Camp mit und kam im September in Griechenlands erster Liga bei Panionios Athen unter. Nach sechs Einsätzen zog er nach Osnabrück weiter. Und jetzt? „Ich fühle mich fit und wunderbar”, sagt er. Und wartet auf Angebote.

Henrik Lerch



Kommentare
20.07.2010
15:40
Nach dem Training zum Arbeitsamt
von Willi Wurst | #5

Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen

08.07.2009
18:41
Nach dem Training zum Arbeitsamt
von marwang | #4

#3 mußt nur fussball spielen können ganz einfach

08.07.2009
18:07
Nach dem Training zum Arbeitsamt
von mikele | #3

Ich bin nicht arbeitslos und verdien bei weitem nicht das, was die arbeitslosen Fußballer bekommen. Frechheit sowas!!!

08.07.2009
15:31
Nach dem Training zum Arbeitsamt
von Spike 1973 | #2

Mein Gott, was tun die mir leid!!!!

nur 2500€ im Monat ich fange gleich an zu weinen!!

Was soll denn ein Hartz IV Empfänger sagen? Warum wird so etwas überhaupt berichtet?

08.07.2009
10:59
Nach dem Training zum Arbeitsamt
von erinner_dich | #1

Dieser Artikel wird jedes Jahr um diese Zeit wiederveröffnetlicht. Nix Neues ImWesten.

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