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Warum dem MSV Duisburg Zuschauer fehlen

16.11.2010 | 17:14 Uhr
Warum dem MSV Duisburg Zuschauer fehlen
Der MSV siegte in allen Heimspielen. Jedoch lassen die Zuschauerzahlen zu wünschen übrig. Fotos: imago

Duisburg. Seit Saisonbeginn spielt der MSV oben mit. Die Zebras gewannen alle Heimspiele. Doch die Zuschauerzahlen in der Arena sind bislang enttäuschend. Wo sind die Duisburger? Eine Suche nach Ursachen.

Dem aufmerksamen MSV-Anhänger, der die Partie bei Alemannia Aachen vor dem Fernseher verfolgte, dürfte Ulli Potofskis Bitte kaum entgangen sein. Es lief die 75. Spielminute, und soeben hatte Srdjan Baljak mit einem cleveren Heber die 2:1-Führung für die Zebras erzielt, als sich der Sky-Kommentator nach seinem Hinweis auf die schwachen Zuschauerzahlen in der Duisburger Arena direkt an die Pay-TV-Kunden wandte. „Liebe Zuschauer“, leitete der 58-Jährige den Appell freundlich ein, „gehen Sie doch einmal zum MSV ins Stadion, denn es lohnt sich, diese Mannschaft zu unterstützen.“

Acht Tage zuvor, bei der Partie gegen Greuther Fürth, hatte die Durchsage der offiziellen Zuschauerzahl in der Arena für Enttäuschung gesorgt. Nur 11249 Fußballfans fanden sich an diesem Samstag ein, um das Zweitliga-Spitzenspiel zu sehen. Es mag vielfältige Gründe geben, warum viele Duisburger der Spielstätte an der Wedau fernbleiben, doch am Team, das in dieser Saison mitreißenden Fußball bietet und zu Hause alle Partien gewann, kann es kaum liegen. Verweilen die Leute lieber vor dem TV-Gerät? Hat der MSV in den vergangenen Spielzeiten Kredite verspielt? Oder sind die Eintrittspreise in der Arena schlichtweg zu hoch?

Trainer Milan Sasic gab mit dem MSV Duisburg in der Arena seit Saisonbeginn keinen Punkt ab.

Beginnen wir bei der Ursachenforschung zunächst mit letzterem Punkt. Für neun, ermäßigt sechs Euro, erhält man als Duisburger Anhänger einen Stehplatz in der Fankurve. Kinder unter 13 Jahren bezahlen 4,50 Euro. Ein Blick auf das andere Ende der Skala verdeutlicht dann die große Preisspanne, die der Verein in seinem Stadion abdeckt. 33 Euro soll der Duisburger für einen Sitzplatz auf dem Unterrang der Sparkassen-Tribüne hinlegen, um sich ein Spiel der 2. Bundesliga anzuschauen. Da winken selbst hart gesottene MSV-Fans ab. Mit dem Ergebnis, dass viele der teuren Plätze dauerhaft unbesetzt blieben − selbst bei einem Topspiel.

Relativiert werden die Eintrittsgelder im oberen Bereich jedoch, wenn man sich die Preise in anderen Stadien vor Augen führt. Am Tivoli in Aachen, der hier als Exempel dienen soll, kosten die teuersten Tickets 40 und damit noch einmal sieben Euro mehr als beim MSV. Für den Stehplatz auf der Fantribüne zahlen die Anhänger der Alemannia als Vollzahler 12,50 Euro im Vorverkauf und an der Tageskasse sogar 14 Euro. Dennoch wirkt sich das hohe Preisniveau nicht negativ aus. 19083 Zuschauer waren beim Spiel gegen die Zebras (2:2) dabei. Ähnlich viele Fans verfolgten in Aachen zum Beispiel auch die Partien gegen Union Berlin (2:2/20021) und Osnabrück (2:1/19553).

Bester Zweitliga-Start der Vereinsgeschichte

Die 20000er-Marke wurde beim MSV in dieser Spielzeit nur mit Unterstützung der Nachbarschaft geknackt, als Rot-Weiß Oberhausen zu Gast war (3:0/20417). Gegen Ingolstadt (4:1/11117), 1860 München (2:1/13077), Augsburg (1:0/11787), Karlsruhe (3:0/14127) und zuletzt Fürth (2:0) blieben die Zahlen weit hinter den Erwartungen zurück. Dass der MSV unter Trainer Milan Sasic den besten Zweitliga-Start der Vereinsgeschichte erwischt hat und seit Beginn der Saison oben mitspielt, wollen viele Duisburger scheinbar (noch) nicht mit einem Stadionbesuch honorieren.

Leitete den personellen Umbruch ein: MSV-Manager Bruno Hübner.

Dabei hat Manager Bruno Hübner genau das erfolgreich umgesetzt, was Zebra-Fans lange gefordert hatten: den personellen Umbruch, die gezielte Verjüngung der Mannschaft, ein tragfähiges Konzept, das eine längerfristige Perspektive bietet. Denn in allen drei Spielzeiten zuvor waren die Duisburger Anhänger, deren Verein während dieser Zeit unzählige Profis beschäftigte, enttäuscht worden. Dem Bundesliga-Abstieg 2008 folgten zwei Jahre, in denen der MSV den angepeilten Aufstieg ins Oberhaus verpasste. Lustlose Auftritte und eine wiederholt indisponierte Abwehrreihe prägten das Bild. Weil die Zebras vor allem in der heimischen Arena lange Durststrecken erlebten, sparten sich viele Zuschauer das Ticket – und bleiben dem Stadion womöglich auch jetzt noch fern.

Das Problem, mit dem sich der MSV konfrontiert sieht, ist aber unter Umständen ein weitreichenderes. In Duisburg, so der Eindruck, fehlt dem Klub das nötige Standing, die unbedingte Bereitschaft zur Unterstützung des Vereins - auch in Zweitliga-Jahren mit bisweilen weniger attraktiven Begegnungen. Von rund 500.000 Einwohnern treten nicht wenige am Wochenende deshalb lieber den Weg nach Gelsenkirchen und Dortmund an, um Erstliga-Fußball zu sehen, selbst wenn sie keine Schalke- oder BVB-Fans sind. Die Aufgabe des MSV, vielleicht auch dessen dauerhaften Stadionbesuchern, kann es deshalb nur sein, die Leute nachhaltig zurück in die Arena zu holen – mit guter Öffentlichkeitsarbeit und innovativer Werbung.

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Wie kann man mehr Zuschauer ins Stadion locken?

Schon am Montag (20.15 Uhr) steht an der Wedau das nächste Spitzenspiel gegen Energie Cottbus auf dem Programm. Doch ob der stets lautstarke Duisburger Stimmungsblock dabei auf neuen Support von den anderen Rängen zählen kann, dürfte fraglich sein. Schließlich können MSV-Anhänger das Spiel auch vor dem Fernseher verfolgen. Diesmal sogar im Free-TV.

Nils Balke

Kommentare
24.11.2010
09:55
Warum dem MSV Duisburg Zuschauer fehlen
von Zebraponti | #163

Da habt ihr ja ganz schön was ins Rollen gebracht. Aber zum Lachen ist das wirklich nicht. Pressefreiheit wird groß geschrieben, aber Meinungsfreiheit...
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2010-11-16 17:14
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