Victor Obinna haucht dem MSV Duisburg wieder Leben ein

Wieder da: Victor Obinna lieferte gegen Union Berlin ein starkes Comeback ab.
Wieder da: Victor Obinna lieferte gegen Union Berlin ein starkes Comeback ab.
Foto: firo
Was wir bereits wissen
Der Nigerianer riss das Spiel nach seiner Einwechslung an sich und führte den MSV gegen Union Berlin zum Sieg.

Duisburg.. Victor Obinna ist zurück. Und wie. Der Nigerianer kam am Samstag nach 62 Minuten ins Spiel, als dem Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg beim Stande von 0:1 gegen den FC Union Berlin die nächste Pleite drohte. Doch dann kam der Nigerianer und hauchte dem Schlusslicht Leben ein. 2:1 (0:0) gewann der Tabellenletzte am Ende – weil plötzlich wieder ein Mann auf dem Platz stand, der das deutliche Signal aussendete: „Wir weigern uns, abzusteigen.“

MSV Obinna ist vermutlich der letzte Rettungsanker, den der MSV noch setzen kann. Es wurde deutlich: Ein gesunder Obinna gehört nicht in diese Liga. Aber Obinna ist im Zuge seiner Kniebeschwerden noch nicht zu 100 Prozent gesund. Wäre er das, würde er vermutlich bei einem größeren Klub spielen. Doch so schenkt er dem MSV seine Gabe, auf dem Platz mit einer ausgeprägten Ausstrahlung und Präsenz ein Spiel an sich zu reißen. Gelebter Abstiegskampf – Signale, die seine Kollegen zuvor nicht aussenden konnten.

Obinna schimpft nach dem Spiel

Obinnas Gesundheitszustand war in der vergangenen Woche ein heißes Diskussionsthema. Die Boulevard-Presse hatte das Saisonaus des ehemaligen Nationalspielers eingeläutet. Das brachte den Offensivmann auf die Palme. „Wenn man über mich ungeprüft schreibt, dass ich bis zum Saisonende wegen Knieverletzung raus bin, dann geht das so nicht. Solche Nachrichten müssen verifiziert werden“, schimpfte er nach dem Spiel.

Gegen St. Pauli war er gut zehn Minuten auf dem Platz, drei Tage später rebellierte allerdings das Knie. Nun war es fast eine halbe Stunde. „Ich fühle mich gut“, so Obinna nach der Partie. Er hofft, dass es nun für ihn weiter aufwärts geht – und damit auch für den MSV. Der Erfolg über Union Berlin kann nur ein Anfang gewesen sein. „MSV is in a very shit position“, so Obinna auf Englisch – die gemäßigte Übersetzung: Es sieht weiterhin für die Zebras im Tabellenkeller nicht rosig aus.

Feltscher verursacht Elfmeter

Trainer Ilia Gruev, von den Fans zuletzt wegen seiner Wechselpolitik mehrfach kritisiert, machte diesmal alles richtig. Nach dem Elfmetertor durch Bobby Wood (61.) – Rolf Feltscher hatte im Strafraum Christopher Quiring umgerempelt – brachte Gruev den Nigerianer für den erneut wirkungslosen Tomané. Zeitgleich zückte der Bulgare seine zweite Jokerkarte: Er brachte Nico Klotz.

Einzelkritik Es brachen die zehn Minuten an, die das Spiel komplett auf den Kopf stellten. Stanislav Iljutcenko markierte mit seinem ersten Fallrückziehertor seiner Profilaufbahn das 1:1 (65.). Fünf Minuten später erzielte Klotz nach einem Doppelpass mit Obinna den Siegtreffer mit einem gefühlvollen Schlenzer – und das mit seinem schwächeren linken Fuß. „Der war so gewollt“, so Klotz nach dem Spiel mit einem Grinsen. Teamkollege Steffen Bohl ordnete die Situation – auch mit einem Grinsen – anders ein: „Bei 28 Schüssen, die Klotzi in den letzten Wochen probiert hat, wissen wir nicht, wo die Bälle gelandet sind.“

„Der Sieg war ein wichtiges Zeichen. Wir leben noch“, gab Ilia Gruev zu Protokoll. Einmal mehr hatte der Coach die Marschroute ausgegeben, zunächst Kontrolle über das Spiel zu gewinnen, um dann im zweiten Durchgang die entscheidenden Nadelstiche zu setzen. Was in Braunschweig nicht gelang, ging diesmal auf.

Mit dem Sieg über Berlin verkürzte der MSV den Rückstand zum Relegationsplatz auf sechs Punkte. Am Freitag geht es nun zum SC Paderborn, der aufgrund des Überraschungssieges in St. Pauli als 17. weiterhin fünf Punkte Vorsprung hat. Also wird es für den MSV erneut um einen Dreier gehen. Mit Obinna in der Startelf? Obinna: „Das muss der Trainer entscheiden.“