Solidarität der MSV-Fans ist ein Versprechen auf die Zukunft

Die MSV-Fans zelebrieren zum Drittliga-Auftakt ihre Liebe zum Verein. Foto: Getty
Die MSV-Fans zelebrieren zum Drittliga-Auftakt ihre Liebe zum Verein. Foto: Getty
Foto: Bongarts/Getty Images
Was wir bereits wissen
Der MSV Duisburg war über Jahre nicht gerade für die besten Fans bekannt. Das ändert sich gerade ausgerechnet in der wohl größten Krise des Vereins. Die derzeit von den Anhängern demonstrierte Solidarität mit den Zebras ist ein Versprechen auf die Zukunft. Ein Kommentar.

Duisburg.. Die Schließung des Stahlwerks Rheinhausen mit dem Verlust Tausender von Arbeitsplätzen war für Duisburg eine Katastrophe, die Panik bei der Loveparade eine Tragödie. Aber der Zwangsabstieg der heimischen Fußballmannschaft in die dritte Liga?

Wer die Welle der Solidarität mit dem MSV, die gerade durch die vielfach gebeutelte Stadt rollt, an anderen Ereignissen der jüngeren Vergangenheit misst, kann leicht zu dem Schluss kommen, hier seien Maßstäbe verschoben worden, und die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen. Aber eine solche Sichtweise greift zu kurz.

Fußball ist offenbar doch mehr als bloße Unterhaltung

18.111 Zuschauer im ersten Heimspiel der neuen Fußballsaison, in die der MSV mit einer scheinbar hoffnungslos unterlegenen, in kürzester Zeit zusammengewürfelten Mannschaft gestartet ist, sind für die vielfach gebeutelte Stadt eine Botschaft, die weit über den Fußball hinaus reicht. Und die eindrucksvoll zeigt, dass Fußball eben mehr ist als bloße Unterhaltung. Sondern für immer mehr Menschen ein Stück Lebensgefühl bedeutet.

3. Liga Um die Zahl einordnen zu können, muss man wissen, dass der Zuschauerschnitt der Zebras in der vergangenen Zweitligasaison bei 12.600 Besuchern lag, und dass der nie als Zuschauer-Krösus bekannte MSV selbst 2005 im ersten Bundesligaspiel nach dem lang ersehnten Wiederaufstieg gegen den mit seinem neuen Startrainer Trainer Giovanni Trapattoni angetretenen VfB Stuttgart das Stadion nicht voll bekam.

Trotzreaktion der Fans haucht dem MSV neues Leben ein

Die in dieser Form in Duisburg noch nie erlebte Solidarität der Fans ist umso erstaunlicher, weil der Absturz des Vereins ja nicht die Folge unverschuldeter, unglücklicher Umstände war, sondern das Ergebnis eklatanter Misswirtschaft inklusive einer von Arroganz geprägten Fehleinschätzung der vorhandenen Möglichkeiten. In einer solchen Lage pflegen gerade Fußballfans ihrem Verein auch schon mal demonstrativ den Rücken zu kehren.

Die Duisburger Anhänger dagegen haben mit ihrer Trotzreaktion die Basis für die Wiederbelebung des Traditionsklubs gelegt. Es ist nicht weniger, aber auch nicht mehr als ein Versprechen auf die Zukunft, das es einzuhalten gilt, wenn demnächst der graue Drittliga-Alltag eingekehrt ist. Denn nur wenn die neue entflammte Liebe der Fans zu ihrem Verein kein Strohfeuer ist, darf der MSV darauf hoffen, wieder sportlich erfolgreichere Zeiten zu erleben.