Sohn von MSV-Zugang Dausch leidet an seltener Augenkrankheit

Martin Dausch, Neuzugang beim MSV Duisburg, mit seiner Frau Lisa und Sohn Luca, der unter einer seltenen Augenkrankheit leidet.
Martin Dausch, Neuzugang beim MSV Duisburg, mit seiner Frau Lisa und Sohn Luca, der unter einer seltenen Augenkrankheit leidet.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Als Martin Dausch im Februar 2013 Vater wurde, träumte er vom Fußballspielen mit seinem Sohn im heimischen Garten. Dann bemerkte er schwarze Punkte in den Augen des kleinen Luca.

Lara.. Martin Dausch sitzt in der Lobby des Hotels Royal Wings in Lara und blickt zum Fenster, das gerade einmal fünf Meter entfernt ist. Und spricht über seinen fast zweijährigen Sohn. „Wenn Luca da jetzt stehen würde, könnte er mich an einem guten Tag sehen und an einem schlechten Tag nicht.“ Die Geschichte des Neuzugangs des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg ist auch die über eine Krankheit, die kaum jemand kennt. Aniridie – in Deutschland leiden nur 800 Menschen an dieser Augenkrankheit, die zur völligen Erblindung führen kann.

Als Martin Dausch im Februar 2013 Vater eines Sohnes wurde, träumte er von fröhlichen Nachmittagen im heimischen Garten. Fußball mit dem Sohn, der Baum als Torpfosten, die einzige Sorge, dass der Ball beim Distanzschuss im Garten des Nachbarn landen kann. Doch schon wenige Wochen später war klar, dass es diese Nachmittage so nicht geben wird. Dausch bemerkte kleine schwarze Punkte in den Augen des kleinen Luca. Fragte die Mannschaftskameraden, die ebenfalls Kinder hatten, ob dies normal sei. Sie schüttelten mit dem Kopf. Der Augenarzt stellte wenig später in beiden Augen einen grauen Star fest. Doch die endgültige Diagnose folgte erst später. Aniridie, die Iris fehlt in beiden Augen – in Deutschland nahezu unerforscht, bislang unheilbar.

Wenig später wechselte der heute 28-Jährige vom VfR Aalen zu Union Berlin. Eisern Union, der stolze Klub in Köpenick mit Fans, die für Verein und Team durch das Feuer gehen. Dausch könnte jetzt in der Türkei klagen. Über den Klub, zu dem er ging, um in die Bundesliga aufzusteigen, nach einem Trainerwechsel aber seinen Stammplatz verlor und am Ende in den Planungen nur noch eine untergeordnete Rolle spielte. So gibt es nur diesen kurzen Satz: „Ich bin da ja mehr oder weniger gegangen worden.“ Transfercoup

„Ich bin Union zutiefst dankbar“

Doch er sagt auch – und das ist viel wichtiger: „Ich bin diesem Verein zutiefst dankbar. Es ist unvorstellbar, was Union und die Fans für mich auf die Beine gestellt haben.“

Kurz nach seinem Wechsel in die Hauptstadt machte Dausch die Krankheit seines Sohnes öffentlich. Ohnmacht, Hilflosigkeit, Mitgefühl. Der Spieler richtete ein Spendenkonto ein. Geld für die Forschung. Verein und Fans solidarisierten sich, organisierten Aktionen, sammelten Geld. Bis heute sind knapp 100.000 Euro zusammengekommen. Das Geld geht an eine Spezialklinik in Homburg an der Saar, die auch den kleinen Luca regelmäßig behandelt.

Durch den Wechsel nach Duisburg sind die Wege ins Saarland kürzer geworden. Dausch hat gelernt, mit der Krankheit seines Sohnes umzugehen. Sie ist Alltag. Und zum Alltag gehört auch der Fußball. Er hätte in Berlin seinen Vertrag bis zum Saisonende absitzen können. Er hätte auch innerhalb der 2.Bundesliga wechseln können. Doch er entschied sich für den MSV, mit dem er viel vor hat. „Trainer Gino Lettieri und Manager Ivica Grlic haben mich überzeugt“, sagt Dausch, dessen bester Kumpel bei Union ihm ebenfalls Duisburg als eine gute Adresse empfohlen hat: Sören Brandy, der vor zwei Jahren noch das MSV-Trikot trug.

Mit dem VfR Aalen schaffte er 2012 den Aufstieg in die 2.Bundesliga. Er weiß, wie es geht. Konstante Leistungen, Spiele gewinnen. Und eine Portion Glück. In der Duisburger Arena hatte er bereits einen bärenstarken Auftritt, erzielte beim Aalener 4:1-Sieg beim Saisonstart 2012/13 einen Treffer.

Dausch freut sich auf die MSV-Fans

„Ich freue mich in Duisburg auf das tolle Stadion und die tollen Fans“, sagt Dausch. Mit Union wäre er erst gestern ins Training eingestiegen. Er muss beim MSV also zunächst einen Rückstand aufholen, um bei 100 Prozent zu sein.

Das Sehvermögen seines Sohnes beträgt derzeit geschätzt 20 Prozent. Bis zum sechsten Lebensjahr ist die Sehkraft noch ausbaufähig. Martin Dausch: „Das Ziel ist, dass er bis dahin noch möglichst viel dazu gewinnt und danach so wenig wie möglich wieder verliert.“ Dausch hat gelernt, positiv nach vorne zu schauen: „Luca wird seinen Weg gehen und ein fröhliches Leben führen.“

In Duisburg hat der Mittelfeldmann bis zum Sommer 2016 unterschrieben, kann sich aber vorstellen, viel länger zu bleiben. „Ich bleibe gerne länger an einem Ort. Ich bin mit dem MSV zu jeder Schandtat bereit.“ 3. Liga

Seine Familie lebt derzeit im heimischen Allgäu, Dausch möchte aber möglichst schnell eine Bleibe mit Ehefrau Lisa und Sohn Luca in Duisburg finden. Ein Haus oder eine schöne Wohnung. Auf jeden Fall mit Garten. Denn da will er mit Luca Fußball spielen.