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MSV-Trainer Milan Sasic vor dem Duell gegen seinen Ex-Klub

12.02.2010 | 22:33 Uhr
MSV-Trainer Milan Sasic vor dem Duell gegen seinen Ex-Klub

Duisburg. Zum Spiel gegen den 1.FC Kaiserslautern am Rosenmontag holt den MSV-Trainer Milan Sasic die Vergangenheit wieder ein. Der Kroate rettete die Pfälzer vor dem Absturz, führte sie in die Spitzengruppe der 2.Bundesliga und wurde dann gefeuert.

Ein besonderes Spiel? Milan Sasic schüttelt den Kopf. Nein, das Duell gegen den 1. FC Kaiserslautern am Montagabend sei eine normale Angelegenheit, sagt der Trainer des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg. Doch das kann es nicht sein. Denn Sasic trifft am Montag auf seinen Ex-Klub. Seine alte Firma hatte ihm im Mai letzten Jahres – für Außenstehende völlig überraschend – den Stuhl vor die Türe gesetzt.

Rückblende I: Saison 2008/09, 30. Spieltag: Der 1. FC Kaiserslautern verliert freitagsabends in Rostock mit 1:5. Ein Debakel. Trotzdem beträgt am Ende des Spieltages der Rückstand der Pfälzer auf den Relegationsplatz nur drei Punkte. Und vor dem Spiel bei Hansa lief es bei den Roten Teufeln rund: ein Sieg gegen Wehen, ein Unentschieden bei 1860, ein Sieg in Osnabrück. Krisen sehen anders aus. Trotzdem zieht der FCK zwei Tage nach dem Rostock-Spiel die Reißleine und beurlaubt den Trainer. Milan Sasic fällt aus allen Wolken. „Ich bin geschockt. Ich bin traurig. Ich habe den Verein geliebt”, zitiert ihn die örtliche Zeitung, die „Rheinpfalz”.

Rückblende II: Saison 2007/08, 34. Spieltag: 70 Minuten sind auf dem Betzenberg gespielt, zwischen dem FCK und dem 1. FC Köln steht es 0:0. Mit diesem Ergebnis wäre Kaiserslautern in die 3. Liga abgestiegen, einen Absturz, den der Traditionsverein möglicherweise nicht überlebt hätte. Doch binnen elf Minuten treffen die Lauterer dreimal, der FCK gewinnt 3:0, auf dem Betze ist der Teufel los. Milan Sasic ist der gefeierte Held. Am 28. Spieltag hatte der Rückstand der Lauterer zum rettenden Ufer noch acht Punkte betragen. Eine scheinbar aussichtslose Situation.

Heute erzählt Sasic gerne aus dieser Zeit. Der Gang in die Fankurve, der unbedingte Wille, etwas Unmögliches noch zu schaffen.

Als FCK-Manager Stefan Kuntz ihn ein Jahr später feuert, hat Sasic diese Bilder noch immer vor Augen. Die Gründe für die Trennung geraten offiziell nie an die Öffentlichkeit. An Sasic liegt das wohl nicht. In einem Interview mit dieser Zeitung sagte der Kroate vor knapp zwei Wochen: „Ich würde mich freuen, wenn die Offiziellen von Kaiserslautern dazu etwas sagen würden. Aber kein Wort. Ich kann damit leben. Ich bin kein Typ, der nachkartet. Es wäre interessant, wenn ich die Wahrheit erzählen würde.”

Die Medien sahen damals ein zerrüttetes Verhältnis zwischen Team und Trainer. Der Südwestfunk berichtete über eine Auseinandersetzung zwischen Spieler Martin Amedick und dem Coach. Die „Rheinpfalz” schrieb über ein Zerwürfnis zwischen Sasic und Mittelfeldspieler Jiri Bilek. Zudem habe der Trainer, so die Zeitung damals, einen Koch, einen Platzwart und einen Mannschaftsarzt vor die Türe gesetzt.

Auch wegen dieser Geschichten begleitete Sasic das Image des „harten Hundes” auf dem Weg nach Duisburg. Der 51-Jährige fühlt sich so nicht richtig charakterisiert. „Ich bin in Koblenz der erfolgreichste Trainer der Vereinsgeschichte. Ich habe Kaiserslautern in letzter Sekunde gerettet. Die Lauterer Fans haben mich im Januar beim Hallenturnier in Mannheim gefeiert. Das hat mich sehr berührt. Jetzt frage ich Sie – kann so ein Mensch ein Unmensch sein?”, so Sasic im Gespräch mit der Redaktion.

Beim Hallenturnier mögen ihn die Pfälzer Fans gefeiert haben, bei den Fußballern hielt sich die Wiedersehensfreude in Grenzen, einige grüßten ihren Ex-Chef nichtmals. Eine Diskrepanz, die nur auf dem ersten Blick irritiert. Auch in Duisburg steht der Coach in der Gunst der Anhänger hoch im Kurs. Ein Trainer, der hart anpackt, kommt bei den Fans an. Zumal sich Milan Sasic die Zufriedenheit des Publikums als persönliches Ziel auf seine Agenda geschrieben hat. Der Kroate besticht überdies als kompetenter Gesprächspartner.

Dennoch mehren sich die Anzeichen, dass es in Duisburg bereits Parallelen zur Lauterer Zeit gibt. Mannschaftsintern soll es rumoren, die überraschende Abwahl von Mannschaftskapitän Björn Schlicke im Trainingslager im Januar gilt etwa als Indiz für einen kompromisslosen Umgang des Fußballlehrers mit dem Personal. Unlängst äußerte ein Präsident eines Zweitliga-Konkurrenten die Einschätzung, dass es in Duisburg nur funktionieren kann, „wenn die Spieler einen grenzenlosen Aufstiegswillen haben.” Auf Medienberichte, die sich in den letzten Tagen und Wochen mit dem Führungsstil des Trainers kritisch auseinandersetzten, reagierte Sasic wütend. MSV-Chef Walter Hellmich stärkte seinem Coach nach dem 5:0-Sieg über den FSV Frankfurt öffentlich und ungefragt als einen Mann, der durch „Menschlichkeit und Leistung” überzeuge, den Rücken.

Sehr viel wird am Montag vom sportlichen Ausgang abhängen. Nach zwei Niederlagen in Folge steht der MSV unter Druck. Die Zeit in der alten Firma spielt für Trainer Milan Sasic dabei keine Rolle. „Das Ende in Kaiserslautern ist meine persönliche Sache. Ich bin jetzt Trainer des MSV. Mich interessiert nur, was hier passiert”, sagt Sasic und schiebt nach: „Wie ich mich von Kaiserslautern getrennt habe, spielt keine Rolle. Es war eine Super-Zeit, die Ergebnisse waren top. Über das Zwischenmenschliche will ich aber kein Wort verlieren.”

Milan Sasic richtet den Blick nur auf das Wesentliche, nicht etwa auf das Begleichen alter Rechnungen. „Was früher war, spielt kein Prozent in die Vorbereitung auf das Spiel herein. Ich kann nicht von meinen Spielern verlangen, dass sie Profis sein sollen und ich benehme mich anders”, so Sasic, der die Zebras in den Abendstunden mit „einer gründlichen Analyse” auf die Pfälzer einstimmen wird. Was Lautern in der aktuellen Spielzeit ausmacht, bringt Sasic auf den Punkt: „Das Team hat eine ausgezeichnete Fitness, dazu hat man sich gezielt verstärkt. Jetzt erntet Kaiserslautern die Früchte.”

Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann

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