MSV-Trainer Lettieri scheucht Spieler durchs Treppenhaus

Training einmal anders: Kevin Wolze & Co. tauschten den Rasenplatz mit den Hotel-Räumlichkeiten.
Training einmal anders: Kevin Wolze & Co. tauschten den Rasenplatz mit den Hotel-Räumlichkeiten.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Aufgrund der chaotischen Wetterbedingungen fiel der Duisburger Test gegen Großaspach am Dienstag aus und wird Mittwoch nachgeholt. Die Spieler trainierten stattdessen im Hotel.

Antalya.. An der Algarve gibt es die Treppe des Grauens. Im Sheraton-Hotel, in dem der MSV Duisburg zuletzt im Jahr 2000 sein Winterquartier bezogen hatte, jagte Co-Trainer Seppo Eichkorn einst die Zebras die rund 200 Strandstufen hoch. Später „quälte“ Eichkorn als Assistent von Felix Magath die Profis des VfB Stuttgart auf diese Weise. Die Drittliga-Kicker des MSV Duisburg haben seit gestern ihre eigenen Stufen des Schreckens. Trainer Gino Lettieri schickte seine Jungs die zehn Etagen des Hotels Royal Wings hoch und runter. Lettieri hätte seinem Team dies freilich lieber erspart. Doch angesichts des dramatisch schlechten Wetters war an eine Trainingseinheit im Freien nicht zu denken. Auch das Testspiel gegen den Ligakonkurrent SGS Großaspach fiel aus. Die Partie soll nun heute um 17 Uhr Ortszeit über die Bühne gehen.

Bereits am Montag-Nachmittag herrschte an der türkischen Riviera meteorologische Weltuntergangsstimmung. Orkanböen, Starkregen, Blitz und Donner – die Spieler mussten ihren freien Nachmittag im Hotel verbringen. Immer wieder fiel im Hotel kurzzeitig der Strom aus, in einigen Räumen regnete es durch. Schon in der Nacht sagte der MSV seine Trainingseinheit für den nächsten Vormittag ab. „Wir bräuchten ein U-Boot, um zum Platz zu kommen“, so MSV-Orga-Chef Michael Meier ironisch.

Laufeinheit durch die Pfützen

Kurzfristig setzte der Coach eine Indoor-Einheit ein. Kraft- und Fitnessübungen im Hotel und den berüchtigten Treppenlauf. Zweitligist 1. FC Heidenheim, der wenige Meter entfernt im Hotel Titanic residiert, hatte mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Auch FCH-Coach Frank Schmidt ärgerte sein Personal mit einem Treppenlauf.

Gestern Nachmittag, als der Regen etwas nachließ, konnten die Zebras zumindest das Hotel verlassen. Eine Laufeinheit durch die Pfützen in der Umgebung des Hotels beugte auch einem möglichen Lagerkoller vor. Die Zebras nahmen das improvisierte Programm hin. „Ein richtiges Training ist immer noch das Beste“, seufzte Vize-Kapitän Branimir Bajic.

„Das ist natürlich Pech. Aber die Mannschaft hat in den letzten Tagen sehr gut gearbeitet“, sagt Sportdirektor Ivica Grlic. Für den 39-Jährigen scheint in der Türkei die Sonne. Mit der Verpflichtung von Martin Dausch konnte der Manager ein Ausrufezeichen setzen. Grlic freut sich auf die Rest-Rückrunde und träumt von einer Welt ohne Regen. „Wenn Pierre De Wit noch hundertprozentig fit wird, haben wir gleich zwei Neuzugänge.“

Dausch, De Wit, ein wieder genesener Steffen Bohl – der MSV könnte in Kürze ein Mittelfeld präsentieren, das dem Team insgesamt einen erheblichen Qualitätsschub geben könnte. Mehr Aggressivität, mehr Spielwitz, mehr Ideen – die paar Prozent mehr, die dem Team bislang fehlten, um wie ein Aufstiegskandidat aufzutreten.

Transfercoup Kurzfristige Abgänge möglich

Eine Verpflichtung für den Sturm erscheint damit nicht mehr existenziell. Ein stärkeres Mittelfeld kann die Spitzen Kingsley Onuegbu und Kevin Scheidhauer vermutlich besser füttern. Testspieler Tomas Dapkus konnte sich in der Türkei bislang ohnehin nicht als Verstärkung für den Angriff empfehlen. Der zweite Gastspieler – Mark Anderson – wird künftig wohl eher keine Zebra-Streifen tragen, da seine Position mit der Verpflichtung von Martin Dausch nun vergeben ist.

Ivica Grlic schloss gestern nicht aus, dass ein MSV-Spieler den Kader noch kurzfristig verlässt – möglicherweise schon in der Türkei. „Wir sind bereit, dem ein oder anderen zu helfen, einen neuen Verein zu finden“, so Grlic. Sollte der MSV einen Spieler abgeben, könnte der Manager im gleichen Zug mehr Spielraum für eine weitere Verpflichtung haben.