MSV-Profi Pierre De Wit ist "noch nicht über den Berg"

Die Wartezeit am Düsseldorfer Flughafen verkürzten sich Pierre De Wit, Trainer Gino Lettieri, Marcel Stenzel, Zlatko Janjic und Michael Gardawski (von links) am Kickertisch.
Die Wartezeit am Düsseldorfer Flughafen verkürzten sich Pierre De Wit, Trainer Gino Lettieri, Marcel Stenzel, Zlatko Janjic und Michael Gardawski (von links) am Kickertisch.
Foto: MSV
Was wir bereits wissen
Nach monatelanger Verletzungspause kämpft der Mittelfeldmann im Trainingslager um den Anschluss - der MSV ist in Richtung Antalya aufgebrochen.

Duisburg.. Mit 25-minütiger Verspätung hob die Sun-Express-Maschine, die mit den Profis des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg wertvolle Fracht an Bord hatte, am Donnerstag um 14.55 Uhr vom Düsseldorfer Flughafen Richtung Antalya ab. Auf dem mehrstündigen Flug an die türkische Riviera blickte Mittelfeldspieler Pierre De Wit hoch über den Wolken ab und zu auf ein völlig deprimierendes Halbjahr zurück. „Das Jahr 2014 war nicht kompletter Mist, aber die zweite Hälfte natürlich schon“, so der Verletzungs-Pechvogel.

De Wit stand nur in den ersten beiden Saisonspielen gegen Regensburg (1:3) und Sonnenhof Großaspach (1:1) auf dem Rasen. Danach wurde sein Terminkalender von Arzt-Terminen, Krankenhäusern und diversen Reha-Einrichtungen bestimmt. Jetzt ist De Wit endlich wieder da. Und will unter türkischer Sonne wieder kräftig Fahrt aufnehmen. „Pierre ist für uns wie ein gefühlter Neuzugang“, freut sich Teamkollege Zlatko Janjic auf den Standard-Spezi, der die Variationsmöglichkeiten für Trainer Gino Lettieri erhöht. Immer vorausgesetzt, dass sein Verletzungspech nun wirklich komplett aufgebraucht ist.

Einsatz nach Gefühl und Rücksprache

Am Tag vor dem Abflug nach Antalya Lara lief De Wit erstmals seit Monaten wieder in einem Spiel auf. Beim internen Test gegen eine kombinierte Mannschaft aus U 23, U 19 und U 17 war „Piero“ 45 Minuten im Einsatz. „Es war mein erstes offizielles Spiel seit langer Zeit. Dafür“, blickt er zurück, „quält man sich.“ Ob die Schlagzahl in den Trainingslager-Tests gegen White Star Brüssel, PFK Simurq Zaqatala und Sonnenhof Großaspach erhöht wird, entscheidet Coach Lettieri jeweils nach Gefühl und Rücksprache. „Wir müssen immer auf Piero achten“, betont Lettieri, „wenn du sechs Monate lang ausgefallen bist, dann steckst du das nicht so ohne weiteres weg. Wir schauen von Woche zu Woche, wie seine Verfassung ist. Im Moment fühlt er sich ganz okay.“

Prognosen, wann der frühere Lauterer wieder voll eingreifen kann und auch Thema für die Startformation ist, gibt weder der Spieler selbst noch der leitende Angestellte an der Seitenlinie ab. Für De Wit ist wichtig, allmählich in den Rhythmus zu kommen und vor allen Dingen von Rückschlägen verschont zu bleiben. „Piero“ schätzt seinen aktuellen Status nicht zu euphorisch, sondern eher sachlich-nüchtern ein. „Ich bin noch nicht über den Berg.“ Sondern? „Ich befinde mich gerade in der Anlaufphase.“

Ungeheurer Kampfeswille

Was der Mittelfeld-Routinier in die Waagschale werfen kann, ist eine ungeheure Portion Kampfeswillen. Sich unterkriegen lassen, resigniert am Boden liegen zu bleiben, das ist nicht die Welt des Pierre De Wit. „Der Ehrgeiz, immer wieder zurück zu kommen, liegt mir im Blut. Dafür musst du natürlich stark vom Kopf her sein. In meiner Karriere gab es schon mehrere Phasen, in denen ich mich nach Verletzungen wieder herangekämpft habe. Zum Glück habe ich es jetzt rechtzeitig vor dem Trainingslager geschafft. Das ist nun mal eine wichtige Phase in der Vorbereitung.“

Was letztlich der Auslöser für die permanenten Probleme des Duisburger Leistungsträgers waren, konnte auch nach etlichen Arztbesuchen nicht genau herausgefiltert werden. „Es ist kompliziert“, seufzt Pierre De Wit, „es gibt bis heute keine exakte Diagnose. Derzeit geht man davon aus, dass die Probleme eher vom Kreuzband kamen und nach oben gezogen sind. Natürlich muss ich, da es schon mehrere Kreuzband-Operationen gab, viel zusätzlich für die Stabilität tun.“ Die beidseitige Leisten-Operation im Herbst hätte sich der ehemalige Leverkusener im Nachhinein sparen können. So ging unter dem Strich nur Zeit verloren, ohne beim MSV-Profi für einen verbesserten Zustand zu sorgen.

De Wit blickt jetzt aber nicht mehr zurück, sondern nach vorne. Und er weiß, dass ihm nicht die Gäule durchgehen dürfen. „Ich habe zwei, drei Mal die Quittung für zu großen Ehrgeiz bekommen. Damals wollte ich einfach zu viel und der Schuss ist nach hinten los gegangen. Jetzt bin ich erfahrener. Wenn ich merke, dass es Schwierigkeiten gibt und sich mein Körper meldet, dann nehme ich Tempo heraus.“ Auf ein, zwei Wochen mehr oder weniger kommt es nach dem frustrierenden letzten Halbjahr nicht mehr an. De Wit: „Mein größter Wunsch für das Jahr 2015 ist Gesundheit. Und beschwerdefrei Fußball zu spielen.“