MSV nur in der Blitztabelle vorn: "Haben den Faden verloren"

Trotz Janjic-Doppelpack verliert Duisburg in Bielefeld
Trotz Janjic-Doppelpack verliert Duisburg in Bielefeld
Foto: Getty-Images
Was wir bereits wissen
Die Zebras geben beim Ligahit in Bielefeld eine scheinbar sichere Führung aus der Hand und verlieren 2:4. Janjic glänzt mit einem Doppelpack.

Duisburg.. Es gibt Dinge im Leben, die machen auf Dauer nicht glücklich. Blitztabellen gehören dazu. Das Glück in der Hand, aber eben nicht im Griff. Blitztabellen werden gerne fotografiert und per WhatsApp verschickt. Zum zweiten Mal in dieser Saison war der MSV gestern in der Blitztabelle der 3. Fußball-Liga Spitzenreiter. 2:0 führten die Zebras bei Arminia Bielefeld. Sie führten nicht nur, sie demonstrierten Stärke, Coolness und Überlegenheit. Am Ende blieb der Blitz eine Illusion. Der MSV verlor 2:4 (2:1). Und Bielefeld führt die reale Tabelle an.

Es gab noch einen Blitz. In Person von Zlatko Janjic. Mann des Tages, die Note eins – das Feld war bereitet. Der Mittelfeldmann brachte den MSV nach 27 Minuten in Führung. Ein alltägliches Tor: Rolf Feltscher flankte von rechts, Janjic hielt den Fuß hin. Janjic erhöhte in der 39. Minute auf 2:0 für den MSV. Kein alltägliches Tor. Ein Freistoß aus 33 Metern. Bielefeld stellte eine Zwei-Mann-Mauer, Janjic knallte den Ball einfach ins Tor. Ein Spur Frechheit, eine Spur Genialität, so kannst du im Fußball einen Gegner zermürben.

Noch eine Illusion. Mann des Tages war gestern nicht Zlatko Janjic, sondern Fabian Klos. Der Arminen-Stürmer sicherte den Gastgebern mit einem Hattrick (49., 76., 79.) den Sieg. Alle drei Tore resultierten dabei aus Kopfbällen. „Dabei hatten wir das vorher genau besprochen und standen dann trotzdem zu weit vom Mann weg“, ärgerte sich MSV-Trainer Gino Lettieri hinterher. Zu weit weg stand die Innenverteidigung, der gestern Thomas Meißner nicht angehörte. Der kopfballstarke Abwehrspieler musste mit Problemen in der Nackenmuskulatur kurzfristig passen. Für ihn spielte Christopher Schorch. Zudem wurden die schon seit längerer Zeit angeschlagenen Steffen Bohl und Enis Hajri nicht rechtzeitig fit.

Umstrittener Elfmeter

Fabian Klos war bereits in der ersten Halbzeit in die Aktion verstrickt, die Lettieri später als „Schlüsselszene“ bezeichnete. Schiedsrichter Robert Hartmann zeigte in der 42. Minute auf den Punkt, nach dem Klos in einem Zweikampf mit Dennis Grote zu Fall gekommen war. „Den Elfmeter musst du nicht geben“, befand Lettieri. Hartmann gab ihn, und David Ulm verkürzte auf 1:2. Es war der klassische „psychologisch ungünstige Zeitpunkt“, dem direkt nach der Pause ein zweiter folgen sollte: Vier Minuten nach dem Seitenwechsel glich Klos zum 2:2 aus. „Wenn wir mit einer 2:0-Führung in die Kabine gehen, wird es für Bielefeld verdammt schwer“, ärgerte sich der Duisburger Trainer hinterher .

Einzelkritik „Wir haben den Faden verloren und uns vieles von dem, was wir uns in den letzten Wochen erarbeitet haben, kaputt gemacht“, ärgerte sich Doppel-Torschütze Janjic nach der Partie. Mittelfeldspieler Pierre De Wit klagte: „Wir haben uns den Druck aufzwingen lassen.“

Hoheit auf den Außenbahnen

Entscheidend war auch, dass Bielefeld vor 18 430 Zuschauern – rund 3000 aus Duisburg – die Hoheit auf den Außenbahnen hatte. Rechtsverteidiger Rolf Feltscher war gegen Dennis Mast hoffnungslos unterlegen. Dennis Grote und Michael Gardawski blieben auf den Flügeln wirkungslos. Deshalb reagierte Gino Lettieri schon zur Pause und wechselte Dennis Grote aus, brachte Matthias Kühne und beorderte Martin Dausch auf die Außenbahn. Die erhoffte Wirkung blieb aus.

Auch wenn die zweite Halbzeit eindeutig an die Gastgeber ging, hatte der MSV noch genügend Gelegenheiten, etwas Zählbares mitzunehmen. Unmittelbar nach dem Bielefelder Treffer zum 3:2 traf Pierre De Wit im Gegenzug den Pfosten. Danach zappelte der Ball sogar im Netz der Arminen – Gardawski hatte jedoch beim Schuss im Abseits gestanden.

Nach der ersten Niederlage im Kalenderjahr ist der MSV nun Fünfter. „Es gibt keinen Grund, die Köpfe hängen zu lassen. Wir haben ein richtig gutes Spiel gezeigt“, versuchte Gino Lettieri nach der Partie, seine Mannschaft aufzurichten. Auch Zlatko Janjic hob die positiven Aspekte hervor: „Wir müssen in den nächsten Wochen die Dinge, die wir in Bielefeld in der ersten Halbzeit gezeigt haben, erneut abrufen. Der MSV erwartet am Samstag den erstarkten Aufsteiger Fortuna Köln, danach geht es nach Osnabrück und zu den Stuttgarter Kickers. Für Gino Lettieri sind das richtungsweisende Spiele: „Danach wissen wir, wo wir stehen.“ Sascha Dum wird gegen Fortuna Köln fehlen. Der eingewechselte Außenverteidiger kassierte gestern seine fünfte gelbe Karte.