MSV-Legende Bernard Dietz sorgt sich um seine Zebras

MSV-Ikone Bernard Dietz
MSV-Ikone Bernard Dietz
Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
  • Vorstandsmitglied und Europameister-Kapitän Bernard Dietz sorgt sich um seinen MSV Duisburg.
  • Nach dem 1:2 in Bielefeld sind die Zebras weiter auf dem direkten Weg in die 3. Liga unterwegs.
  • „Vielleicht haben wir zu lange mit dem Trainerwechsel gewartet“, sagt Dietz im RS-Gespräch.

Bielefeld.. Der MSV Duisburg in grünen Fußballtrikots, das erinnert Bundesliga-Nostalgiker an die 70er-Jahre. Ans Uefa-Pokal-Halbfinale. An Nationalspieler wie Ronnie Worm, Rudi Seliger oder Bernard Dietz. Die einst erfolgsversprechende Auswärtsfarbe, eingeführt durch den früheren Sponsor Diebels Alt, hat ihre Wirkung verloren. Beim 1:2 in Bielefeld wirkte das Zweitliga-Schlusslicht so, wie die Farbe es symbolisiert: grün – hinter den Ohren.

Spielbericht MSV-Legende Bernard Dietz, der Europameister und DFB-Kapitän von 1980, war nach der verpassten Chance, mit einem Sieg bis auf zwei Punkte an den Relegationsplatz 16 heranzurücken, enttäuscht: „Wir haben gut gekämpft, doch die Abwehr hat nicht richtig zugepackt. Und vorn hat die Entschlossenheit gefehlt.“ Also alles.

Mal wieder. Schlampiges Defensivverhalten und schlaffe Angriffsversuche ohne Wucht münden in der schwächsten Auswärtsbilanz der besten 56 deutschen Fußballteams: ein Pluspunkt in neun Versuchen. So geht’s unweigerlich zurück in die dritte Liga. Und zurück zu finanziellen Problemen. Mindestens 8,5 Millionen Euro Schulden sind ohne die TV-Gelder von aktuell fünf Millionen Euro pro Saison schwer abbaubar.

Spielerische Defizite

„Darüber mache ich mir Sorgen“, sagt Vorstandsmitglied Dietz, „vielleicht haben wir zu lange mit dem Trainerwechsel gewartet.“ Er war schon früh dafür, den umstrittenen Gino Lettieri abzulösen. Nach 13 Spielen mit nur einem Sieg übernahm Ilia Gruev. Doch der Bulgare kann die spielerischen Defizite auch nicht wegzaubern.

Mehr taktischen Mut hatte der Trainer nach der Winter-Vorbereitung versprochen. Duisburg machte in Bielefeld nicht den Igel, spielte nach vorn. Mit zwei Angreifern und nur einem Sechser. Mehr Torgefahr entfachte das aber nicht.

MSV-Einzelkritik Mittelfeldlenker Zlatko Janjic kam über das eine oder andere gelungene Zuspiel nicht hinaus. Winter-Neuzugang Tomané deutete sein Können an, muss sich aber an die raue Zweitliga-Gangart gewöhnen. Der Portugiese vom Erstligisten Vitoria Guimaraes lag anfangs bei fast jedem Rempler auf dem Rasen. Und lamentierte.

„Tomané hat für Belebung gesorgt und kann uns helfen“, glaubt Trainer Gruev. Die Eingewöhnungsphase sollte schleunigst enden. Am Samstag (13 Uhr) gegen den Karlsruher SC gibt es die neuerliche Chance für Duisburg, sich per Sieg im Schneckenrennen mit den gefährdeten Münchnern, Paderbornern und Düsseldorfern zurückzumelden.

Auf einen anderen Torjäger neben Tomané zu hoffen, wäre vermessen. Der nachverpflichtete Victor Obinna leidet unter einer Knie-Arthrose. „Der Kopf will, der Körper nicht“, sagt der Nigerianer, der schon für West Ham United, Inter Mailand und Malaga spielte.

Der in Bielefeld startende Kevin Scheidhauer kann die Ansprüche vorn ebenso wenig erfüllen wie Stanislav Iljutcenko. Den erst im Sommer aus Osnabrück verpflichteten Angreifer wollen die Duisburger sogar wieder los werden. Gleichwohl wechselte Gruev den Soester in Bielefeld als ersten ein.

Giorgi Chanturia, anfangs als „Georgischer Messi“ betitelt, kam erst drei Minuten vor Schluss. Dem dribbelstarken Nationalspieler eilt der Ruf eines Solisten voraus. „Er muss sich in den Dienst der Mannschaft stellen, dann kann er wertvoll sein“, sagt Dietz.