MSV Duisburg entschuldigt sich bei Fans für Ticket-Chaos

Stundenlang standen die Fans am Montag im VIP-Raum der Arena, dessen Sitzbereich mit Flatterband abgetrennt war.
Stundenlang standen die Fans am Montag im VIP-Raum der Arena, dessen Sitzbereich mit Flatterband abgetrennt war.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der MSV Duisburg gesteht nach dem als desaströs empfundenen Verkauf der Pokaltickets gegen Schalke Fehler ein und entschuldigt sich bei den Fans.

Duisburg.. Die Vorwürfe waren laut und heftig. Der MSV Duisburg habe seine Fans wie Vieh behandelt, hieß es. Und ob das der Dank sei für die Unterstützung in den zwei schweren Drittliga-Jahren. Der Unmut war groß nach dem als desaströs empfundenen Verkauf der Eintrittskarten für das Pokalspiel gegen den FC Schalke 04 am 8. August.

Die Fans mussten am vergangenen Montag teilweise über zehn Stunden vor und in der Schauinsland-Arena warten, um die Kasse im Fanshop zu erreichen. Die Verantwortlichen des Zweitliga-Aufsteigers leisten nun Abbitte für gemachte Fehler – stellen aber auch im gleichen Atemzug noch einmal fest, dass ein anderes Procedere kaum denkbar gewesen wäre.

MSV ist mit Personalstruktur noch nicht wieder in 2. Liga angekommen

„Wir sind mit der Gesamtsituation selber unzufrieden. Alles andere würde verwundern“, sagt Geschäftsführer Peter Mohnhaupt. Letztlich sei das, was am Montag passierte, aber eben auch nur ein Abbild dessen, „wozu wir im Moment imstande sind“. Soll heißen: Ein anderer Aufwand war nicht leistbar.

Die Entscheidungsträger betonen, zahlreiche Szenarien durchgespielt zu haben, die alle keinen besseren Ausgang garantiert hätten. „Das Schalke-Spiel kommt einfach zu einem furchtbar ungünstigen Zeitpunkt, für uns einfach noch ein halbes oder ein ganzes Jahr zu früh“, so Mohnhaupt. Das Gelöbnis der Besserung nach ähnlichen Problemen vor dem letztjährigen Pokalduell gegen den 1. FC Köln habe er völlig ernst gemeint — nur umsetzen ließ es sich nicht.

Der Vorverkauf für das Auftaktspiel gegen Kaiserslautern und die Testpartie gegen den FC Porto, der Dauerkartenabsatz, die Bestückung des Fanshops mit den Artikeln des neuen Ausrüsters, das ganz einfache Tagesgeschäft – und dann eben noch Schalke: Da stößt die Besetzung in der Arena an ihre Grenzen. „Was die Personalstruktur angeht, sind wir noch nicht wieder in der 2. Bundesliga angekommen“, sagt Peter Mohnhaupt. Da sei es dann auch keine Option, auf Aushilfen zurückzugreifen, die sich sogar ehrenamtlich angeboten hätten: „Die müssten ja erst einmal in das System eingearbeitet werden.“ Und dafür fehlt dann wiederum auch die Kapazität. So musste das Kernteam am Montag durcharbeiten und die Arena nachts um 2.30 Uhr abschließen: „Daher war das auch ganz bestimmt keine Frage der Arbeitseinstellung.“

MSV-Verantwortliche gestehen Fehler bei Umgang mit wartenden Fans ein

In gewisser Weise sei die Problematik auch daraus entstanden, dass den Dauerkartenbesitzern die Chance gegeben wurde, ihre Plätze frei zu wählen. „Das hat dann natürlich zu Verzögerungen geführt. Wenn jemand mit mehreren Dauerkarten ankommt, werden die Wartezeiten dahinter deutlich länger. Die Alternative wäre gewesen, sämtliche Karten auszudrucken und dann quasi aus dem Schuhkarton zu verkaufen. Aber wir wollten halt diesen Service anbieten“, so Mohnhaupt, der einräumte, dass bei einem eventuellen Erreichen der zweiten Runde mit einem erneut attraktiven Los diese Thematik auf den Prüfstand gestellt werden müsse.

Definitiv nicht umsichtig genug empfanden die MSV-Verantwortlichen ihren Umgang mit den wartenden Fans. „Gratis Wasser auszuschenken, auch mal selbst Gesicht zu zeigen, das wäre eine Frage des Anstands gewesen“, sagt Peter Mohnhaupt. „Das haben wir nicht hinbekommen – warum auch immer. Aber das ist ganz sicher nicht der Stil, mit dem wir die Saison bestreiten wollen.“

Ticketsystem des MSV stammt aus früheren Zweitliga-Zeiten

Die im Vorfeld des Kartenverkaufs getätigte Aussage, ein entsprechendes Online-System würde den MSV einen siebenstelligen Betrag kosten, relativierte Peter Mohnhaupt am Donnerstag. „Das wäre dann sicherlich die XXL-Variante gewesen. Aber auch schon eine kleine Aufbesserung wäre mit Kosten verbunden gewesen, die zu Drittliga-Zeiten nie eingeplant waren.“

Pressesprecher Martin Haltermann ergänzt: „Unser Ticketsystem stammt natürlich noch aus früheren Zweitliga-Zeiten. Aber damals wurde nie in das System investiert.“