Milan Sasic - ein Trainer im Wandel

MSV-Trainer Milan Sasic engagiert an der Linie. Foto: WAZFotoPool/ Friedhelm Geinowski
MSV-Trainer Milan Sasic engagiert an der Linie. Foto: WAZFotoPool/ Friedhelm Geinowski
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Duisburg.. Seit einem Jahr trainiert Milan Sasic den MSV. Anfangs fremdelte der Kroate in Duisburg, nun gilt er als Vater des sportlichen Aufschwungs. Auch, weil er dem MSV endlich ein Konzept verpasst hat.

Da ist zum Beispiel die Geschichte mit dem Tee. Der MSV trainierte vor einem Spiel in Cottbus, es lag Schnee, es war lausig kalt und irgendjemand im Duisburger Betreuerstab hatte vergessen, den Tee rechtzeitig vorzubereiten. Das sollte nicht vorkommen, vor allem nicht, wenn der Trainer Milan Sasic heißt. Sasic wurde laut, und monatelang diente die Geschichte in Duisburg als ein Beweis dafür, dass mit diesem Trainer keiner auskommen kann.

Milan Sasic, 52 Jahre alt und geboren im heutigen Kroatien, erzählt diese Geschichte inzwischen selber ganz gerne. Er lacht dann, weil sie beim MSV Duisburg inzwischen ihre Meinung geändert haben über diesen Trainer, der etwas von einer alten, knorrigen Eiche hat. Man kann sich nach wie vor leicht an Sasic reiben, es dauert selten lange, bis Sasic grundsätzlich wird. Grundsätze spielen im Leben von Milan Sasic eine große Rolle. Einer lautet: „Ich frage nicht, wann mein Arbeitstag beginnt und wann er endet.“ Was durchaus dazu führen kann, dass Sasic seine Umgebung überfordert, wenn er morgens um sieben Uhr im Büro sitzt. Sieben Uhr morgens ist eine Zeit, in der Fußball-Vereine schlafen.

„Es war schwer, die Truppe daraus zu holen“

Nur, dass der MSV Duisburg für Sasics Geschmack zu lange geschlafen hat. „Ich hatte anfangs Probleme mit der Mentalität im Verein“, sagt Sasic, der den MSV vor fast auf den Tag genau einem Jahr von Peter Neururer übernommen hat. Duisburg hing damals im Mittelfeld der 2. Liga fest, der geplante Bundesliga-Aufstieg war verspielt und Sasic fand eine Situation vor, die ihm nicht gefiel: „Zu viele Verletzte, zu viele auslaufende Verträge und zu viele Spieler, die den Zenit ihrer Karriere überschritten hatten.“ Heute sagt er: „Es war schwer, die Truppe da rauszuholen.“

Dass er sich beim Aufräumen oft derbe im Ton vergriffen hat, ist in Duisburg ein offenes Geheimnis. Man erzählt sich von weinenden Spielern, von Krisensitzungen, nach denen Teile der Mannschaft Journalisten baten: Schießt gegen den Trainer, damit wir ihn endlich loswerden.

Aber irgendwann, vielleicht nach einer Aussprache im März, bekam Sasic die Kurve. Er gilt in der Sache zwar immer noch als kompromisslos, aber als einer mit offenem Visier – und im Ton inzwischen als ausgesprochen umgänglich. Wen man beim MSV auch fragt: Man nimmt Sasic seine Läuterung ab. „Ich war ein Leben lang sehr direkt“, sagt der Coach dazu, „aber ich habe gelernt, dass man das falsch verstehen kann.“

Mehr junge deutsche Spieler

Vielleicht blieb dem Kroaten gar nichts anderes übrig, wenn er in Duisburg auf Dauer etwas bewegen will. Vor Sasic schlingerte der MSV lange ohne erkennbares Konzept zwischen erster und zweiter Liga hin und her. In die Amtszeit von Präsident Walter Hellmich fallen zwar zwei Bundesliga-Aufstiege, aber auch zwei kläglich gescheiterte Versuche, sich in der Liga zu halten – geschweige denn auf Augenhöhe mit Schalke und Dortmund zu kommen, wie Hellmich einst träumte. Nahezu 80 Neuzugänge hat der MSV in den vergangenen fünf Jahren durchgeschleust, ein Heer meist ausländischer Profis, von denen einige schon wieder weg waren, bevor die Fans ihre Nachnamen richtig buchstabieren konnten.

Auch Sasic und Manager Bruno Hübner haben vor der Saison einen Schnitt gemacht. Wieder mal, aber erstmals seit langer Zeit wirkt das Kommen und Gehen durchdacht. „Wenn du etwas Neues machen willst, brauchst du ein Konzept“, sagt Sasic. Seins lautet: mehr junge deutsche Spieler nach Duisburg zu holen, öfter als andere ins Trainingslager zu gehen, härter und länger zu üben als andere.

400 Fans beim Abschlusstraining

Nach einem Drittel der Saison fühlt Sasic sich bestätigt. Neulich kamen 400 Fans zum Abschlusstraining, das ist für Duisburg eine sensationelle Zahl. Ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu: Sie haben ein paar Volltreffer bei den Neuen gelandet, vor allem mit der Dortmunder Leihgabe Julian Koch. Das langt, auch nach dem 0:1 in Düsseldorf, um oben mitzumischen. Vom Sprung in die Bundesliga redet Sasic klugerweise nicht: „Wir wollen in dieser Saison ein Fundament legen. Den Aufstieg zu fordern, wäre unfair.“

Ohne Fairness und Respekt, sagt er noch, gehe es nicht. Das sei, man ahnt es schon, einer seiner Grundsätze.

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