Lage beim MSV Duisburg spitzt sich dramatisch zu

Sichtlich besorgt: MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch.
Sichtlich besorgt: MSV-Geschäftsführer Roland Kentsch.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Der Aufsichtsrat des MSV Duisburg stimmte dem Sanierungskonzept laut einem Sitzungsteilnehmer nicht zu. Die Investorengruppe will die Zustimmung bis Donnerstagabend. Geschäftsführer Roland Kentsch gibt zu, dass die Lage ernst ist: „Wir brauchen möglichst schnell Geld.“

Duisburg.. Die Lage beim MSV Duisburg spitzt sich dramatisch zu. Am Mittwochabend, keine 24 Stunden nach dem Rücktritt von Vereinschef Andreas Rüttgers, trafen sich die Mitglieder des Aufsichtsrates, es dürfte die wichtigste Sitzung in der Geschichte des Vereins gewesen sein. Die Mitglieder diskutierten das Sanierungskonzept, das im großen Kreis am Dienstagabend vorgestellt worden war. Eine Investorengruppe steht bereit, den MSV zu retten. Voraussetzung: Die Gremien stimmen dem Konzept bis heute zu. „Wir können dem Papier in der kurzen Frist nicht zustimmen“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied gestern Abend nach der Sitzung. Es bestehe noch Gesprächsbedarf. Damit droht dem Verein nun die Insolvenz.

MSV Duisburg Das Konzept stärkt die KGaA im Verhältnis zum Verein. Nur im Falle einer Zustimmung aller Gremien ist eine Investorengruppe bereit, den MSV mit einer Finanzspritze vor der Insolvenz zu retten. Roland Kentsch gab zuvor zu, dass die Lage ernst ist: „Es ist schon so, dass wir möglichst schnell Geld benötigen.“

Utz Brömmekamps Auftritt am Dienstag hatte viele Sitzungsteilnehmer überrascht. Der GEBAG-Vorstand hatte zuletzt mehrfach die Gesellschafter-Sitzungen besucht, nun trat er erstmals als starker Mann in Erscheinung.

Rüttgers „hatte keine Kraft mehr“

„Zuvor hatte er mit mir noch kein Wort gewechselt“, so Ex-MSV-Chef Andreas Rüttgers am Mittwoch. Rüttgers, der übrigens an der Aufsichtsratssitzung gestern teilnahm, räumte ein, dass er in den letzten Monaten mehrfach erkannt hatte, dass „es schwierig werden könne“, doch am Dienstag war er vor der Sitzung der Gremien noch davon ausgegangen, dass der Abend reibungslos über die Bühne gehen würde. Rüttgers: „Am Abend galten aber dann plötzlich Absprachen vom Mittag nicht mehr. Am Ende hatte ich keine Kraft mehr.“

Kommentar Nun geht es um die Rettung des Vereins. Und da verfinsterten sich am Mittwochabend die Perspektiven des MSV. Im Vorfeld der Aufsichtsratssitzung kamen aus dem Gremium bereits kritische Stimmen. Der Vorwurf der „Erpressung“ wurde laut, die Sorge, dass der e.V. in der Bedeutungslosigkeit verschwinden würde. Letztlich ist das der vorläufige Höhepunkt einer Auseinandersetzung zwischen Verein und Kapitalgesellschaft, der seit dem Rückzug von Walter Hellmich tobt und den Verein lähmt.

Sollte es kurzfristig doch noch zu einer Zustimmung kommen, wird die Besetzung der seit einem Jahr vakanten Position an der Spitze der Kapitalgesellschaft die weitaus spannendere Personalie sein als die Nachfolge-Regelung auf dem Chefsessel des Vereins.

Gut möglich, dass der Sanierer, der kommen soll, das sein wird. Utz Brömmekamp wird dies nicht sein – „Das lässt sich allein schon mit meinem Job bei der GEBAG nicht vereinigen“ – aber der frühere Kreisliga-Torwart der DJK Adler Duisburg hat für diesen Job schon einen Kandidaten im Blick. Dass ein Sanierer kommen muss, hält Brömmekamp für unumgänglich: „Allein die Banken fordern das schon.“