Für Bajic hat beim MSV Duisburg einfach alles gepasst

Der Mann und der Berg: Routinier Branimir Bajic ruht im Trainingslager in Österreich in sich selbst.
Der Mann und der Berg: Routinier Branimir Bajic ruht im Trainingslager in Österreich in sich selbst.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Im Trainingslager spricht der 35-jährige MSV-Routinier Branimir Bajic über Auf- und Abstiege, die Gefahren des Jobs und eine Zukunft als Trainer.

St. Johann.. Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass dem MSV Duisburg der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Nach dem Lizenzentzug verabschiedeten sich die Profis binnen weniger Stunden in alle Richtungen. Publikumsliebling Maurice Exslager war einer der ersten Fußballer, die dem MSV den Rücken kehrten. „Exe“ unterschrieb beim 1. FC Köln. „Ich konnte ihn verstehen. Wenn man so ein Angebot bekommt, dann muss man das machen“, sagt Branimir Bajic.

Kommentar Der 35-Jährige hätte nach dem Sturz in die 3. Liga auch gehen können. „Es gab Angebote“, sagt „Baja“ im Gespräch mit dieser Redaktion, „bei mir war die Sache anders. Ich zählte 2013 schon zu den älteren Spielern und wollte einfach schauen, was in Duisburg passiert. Gleich in meiner ersten Saison waren wir im DFB-Pokalfinale. In Duisburg hat für mich einfach alles gepasst. Nach Berlin zu kommen, das war ein Traum. Dieses Gefühl war unbeschreiblich.“ Der Abwehrchef fügt an: „Es gab nicht wenige Leute, die dachten, der MSV wäre kaputt. Aber wir sind zurückgekommen. Ich bin froh, dass ich hiergeblieben bin.“

Bajic hatte beim Aufstieg ein unbeschreibbares Gefühl

Branimir Bajic quälte sich als MSV-Leitwolf zwei Jahre durch die Niederungen der 3. Liga – und ist jetzt wieder da, wo er im Sommer 2010 begonnen hatte. „Beim Aufstieg“, sagt der Ex-Kapitän, „hatte ich wieder dieses unbeschreibliche Gefühl. Es war einfach toll.“ Vermutlich hat kaum ein Fußballer bei ein und demselben Klub so eine emotionale Berg- und Talfahrt hinter sich wie Bajic.

Spielplan „Geile Zeit, schlechte Zeit, jetzt wieder geile Zeit“, muss der ehemalige Koblenzer selbst lachen, „ich hoffe, es bleibt jetzt so positiv.“ Dafür muss sich der MSV allerdings durch 34 knallharte Spieltage kämpfen, um am Ende sein sportliches Ziel Klassenerhalt zu erreichen. Bajic: „Die 2. Bundesliga ist enorm stark. Wenn wir drei Mannschaften hinter uns lassen, wäre das ein Riesenerfolg.“

Ein Bundesliga-Aufstieg fehlt noch

Bajic hat in seiner Karriere Titel geholt (Partizan Belgrad, Bijeljina), hat Einsätze im Uefa-Cup und der Champions League vorzuweisen, war Nationalspieler von Bosnien-Herzegowina. Was fehlt ihm noch in seiner Laufbahn, die er schon als 16-Jähriger im Profibereich begann? Bajic zwinkert: „Ein Bundesliga-Aufstieg mit Duisburg. Aber das ist jetzt unrealistisch. Wir wollen in dieser Saison die Klasse halten. Wenn das klappt, erhält der Klub wieder mehr Geld, danach kann man den nächsten Schritt machen.

Neuzugänge Wie lange Bajic beim Projekt MSV noch aktiv dabei ist, kann er selbst nicht beantworten. Bisher hinterlässt „Papa Baja“ einen hervorragenden Eindruck in den Trainingseinheiten und Testspielen. „Viele Spieler sind enttäuscht, wenn sie sehen, wie ich marschiere“, schmunzelt er, „ich mache alle Übungen mit und bin richtig gut drauf. Das ist schon nicht mehr normal.“

"Fußballer zu sein, ist geil"

Bajic weiß, dass er einen privilegierten Job ausübt. „Fußballer zu sein, ist geil. Du kommst herum, bleibst fit, verdienst Geld. Aber du musst Gas geben, sonst bist du später tot. Wenn das Geld weg ist und die Karriere endet, dann bist du tot. Es sei denn, man hat eine berufliche Alternative.“ Branimir Bajic jagt seit fast 20 Jahren dem Ball hinterher. Verständlich, dass er der Sportart treu bleiben will, wenn nicht sogar muss. „Ich würde gerne im Fußballbereich bleiben. Den Trainer Bajic kann ich mir zum Beispiel vorstellen – und wie.“Personalien

Aber einen Plan, der dann greift, wenn er die Schuhe an den berühmten Nagel hängt, gibt es nicht. Bajic: „Ich habe schon oft etwas geplant, was aber dann nie so eingetreten ist. Also lasse ich es jetzt lieber. Ich weiß nur, dass meine Familie und ich in Deutschland bleiben wollen. Meine zwei Söhne sollen hier aufwachsen. Für mich ist Deutschland das beste Land überhaupt. Zum Fußballspielen und zum Leben.“