Die Zebras sind auf dem Sprung in Richtung 2. Bundesliga

Große Freude: Dennis Grote (li.) und Kevin Wolze hatten schon einiges zu feiern - nun soll der Aufstieg mit dem MSV Duisburg hinzukommen.
Große Freude: Dennis Grote (li.) und Kevin Wolze hatten schon einiges zu feiern - nun soll der Aufstieg mit dem MSV Duisburg hinzukommen.
Foto: imago
Der MSV Duisburg kann gegen Holstein Kiel in die 2. Bundesliga zurückkehren. Für einen neuen Anlauf in Liga drei müsste man jedoch Klimmzüge machen.

Duisburg.. Die Narben sind immer noch da. Als die DFL dem MSV Duisburg vor zwei Jahren die Lizenz für die 2. Fußball-Bundesliga entzog, stellten trauernde Fans vor der Arena hunderte Kerzen auf. Die Wachsrückstände konnte der Klub nie komplett entfernen. Am Samstag dürften sie aber verblassen, sollten sich die Zebras ihren Traum von der Rückkehr in die 2. Liga erfüllen. Ein Sieg im Heimspiel gegen Holstein Kiel (13.30 Uhr, live im NDR und in unserem Ticker) in der ausverkauften Duisburger Arena – und der Aufstieg wäre perfekt.

„Wir haben es selbst in der Hand. Der Druck liegt bei Holstein Kiel“, sieht MSV-Sportdirektor Ivica Grlic den Tabellenzweiten im Vorteil. Die Ausgangslage ist klar: Mit einem Sieg ist der MSV durch. Gibt es ein Remis, haben die Meidericher im letzten Saisonspiel beim SV Wehen Wiesbaden einen weiteren Matchball. Gewinnt Kiel, haben die Störche die besseren Karten in der Hand. Die Mannschaft, die in einer Woche nach dem letzten Spieltag Dritter ist, muss gegen den Drittletzten der 2. Liga in der Relegation antreten.

In der Duisburger Arena, die – abgesehen von 500 Restkarten, die nur Kieler Fans heute noch an der Tageskasse erwerben können – seit einer Woche ausverkauft ist, treffen zwei selbstbewusste Teams aufeinander. Die Zebras siegten zuletzt fünfmal in Folge, in den letzten acht Spielen gab es sieben Siege und ein Remis. Holstein Kiel ist seit 15 Begegnungen ungeschlagen. Am neunten Spieltag standen die Norddeutschen noch auf einem Abstiegsrang. Vor dem Hit in Duisburg schieben die Kieler den Gastgebern den Druck zu. Kapitän Rafael Kazior, der früher auch das MSV-Trikot trug, sagt: „Wir spielen eine überragende Saison. Selbst die Relegation wäre für uns ein Erfolg.“

Zweitligalizenz für MSV „nur Formsache“

Und tatsächlich: Verpasst Kiel den Aufstieg, wird sich die Fußball-Welt in Schleswig-Holstein nicht verändern. Scheitert der MSV, steht der Klub vor einer Herkulesaufgabe. Ein weiterer Anlauf in der 3. Liga könnte der letzte sein – und der würde nur unter wirtschaftlich schwierigeren Rahmenbedingungen möglich sein. Für die Drittliga-Lizenz müsste der MSV Klimmzüge unternehmen, für die Zweitliga-Lizenz sind – so Geschäftsführer Bernd Maas – nur noch „Formsachen“ zu erledigen.

Formsache. Das ist eine Vokabel, die vor dem heutigen Spiel nicht zum Wortschatz von MSV-Trainer Gino Lettieri gehört. Der 48-Jährige steht vor dem größten Erfolg seiner Laufbahn. Mit Bayern Hof und dem FC Augsburg stieg der Deutsch-Italiener unterklassig auf, mit dem SV Wehen verpasste er vor zwei Jahren die Relegation zur 2. Liga nur um einen Punkt. Lettieri gilt als akribischer Arbeiter und Perfektionist, der nichts dem Zufall überlässt. Unter der Woche unterbrach er das Training mehrfach, um sein Personal einzunorden. Nicht derb wie sein Stuttgarter Kollege Huub Stevens, aber trotzdem mit klaren Worten. Als Duisburger Spieler bei einer Ansprache des Fußball-Lehrers tuschelten, fauchte Lettieri: „Spielt ihr jetzt den Alleinunterhalter oder was?“

Trotz der vielen Siege ist der MSV-Coach nicht zufrieden

Dass die Mannschaft auf der Zielgeraden der Saison von Sieg zu Sieg eilen würde, war in der Hinrunde nicht absehbar. Viele Punktverluste gegen vermeintliche Underdogs, mäßige Leistungen, pfeifende Fans. Jetzt spricht Lettieri von einem „Qualitätssprung“ – der indes zu einem großen Teil auf Winter-Neuzugang Martin Dausch zurückgeht. Zuletzt galoppierten die Zebras von Sieg zu Sieg, trotzdem ist der Trainer noch nicht zufrieden: „Das ist noch nicht der Fußball, wie ich ihn mir vorstelle. Da ist noch viel Luft nach oben.“

Gegen Holstein Kiel soll es heute trotzdem reichen. Nur Duisburg und Bundesligist VfL Wolfsburg sind im deutschen Profifußball im eigenen Stadion ungeschlagen. Der zwölfte Heimsieg soll der schönste werden. Zlatko Janjic, mit 17 Treffern erfolgreichster MSV-Torschütze, hat klare Vorstellungen, wie das Spiel verlaufen soll: „Gegen Kiel holen wir uns unseren Lohn ab. Dafür haben wir eine Saison lang Fußball gespielt.“

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