Der MSV Duisburg plant nach Niederlage schon für die 3. Liga

Frustrierte Fans: Nach der 0:1-Heimpleite des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC schwindet die Hoffnung auf den Klassenerhalt immer mehr.
Frustrierte Fans: Nach der 0:1-Heimpleite des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC schwindet die Hoffnung auf den Klassenerhalt immer mehr.
Foto: FunkeFotoServices
Was wir bereits wissen
  • Einige Fans hatten den MSV nach dem Auftritt gegen den KSC ausgepfiffen.
  • MSV-Aufsichtsratschef Jürgen Marbach schließt eine Trainerdiskussion aus.
  • Martin Dausch unterzieht sich derweil einer Hüftoperation.

Duisburg.. Die Bilder nach Abpfiff sprachen Bände. Beim Gang in die Kabine wurden die Profis des Fußball-Zweitligisten MSV Duisburg vom „harten Fan-Kern“ gnadenlos ausgepfiffen. Von einigen Haupttribünen-Zuschauern hagelte es nach dem 0:1 (0:1) gegen den Karlsruher SC Beschimpfungen. MSV-Kapitän Branimir Bajic hörte sich ein paar Sätze an, machte kehrt und meckerte zurück auf die Ränge. Der Zusammenhalt, den der Tabellenletzte als Trumpfkarte im Existenzkampf ausspielen wollte, scheint mittlerweile stark gefährdet.

MSV Aufsichtsratchef Jürgen Marbach versuchte die Lunte mit einer Portion Ironie abzulöschen: „Die paar Pfiffe, die es nach Abpfiff gab, waren ja fast eine Liebesbekundung. Ich kann den Unmut der Fans nachvollziehen.“

Trainer Ilia Gruev saß 20 Minuten später im Presseraum auf dem Podium und sagte: „Das ist sehr bitter, das ist ein schwarzer Tag für uns.“ Spätestens am Samstag hatten sich viele Hoffnungen aus der Wintervorbereitung in Luft aufgelöst. Der MSV blieb aus den ersten beiden Partien gegen Bielefeld und Karlsruhe – einem Programm, bei dem eine Mannschaft, die sich retten will, auch gerne einmal drei bis vier Punkte einsammeln darf, ohne Zähler. Linksverteidiger Kevin Wolze gab nach dem Spiel Selbstverständliches zu Protokoll: „Wenn wir nicht weiter punkten, bleiben wir Letzter.“

Marbach will „Reizpunkt“ setzen

Und Sportdirektor Ivica Grlic erkannte: „Wenn wir so spielen, schaffen wir es nicht.“ Auf die Ergebnisse der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz will Grlic derzeit nicht schauen. „Erst einmal müssen wir punkten. Dann können wir auch gucken, was die anderen machen.“

Eine mangelnde Einstellung will Aufsichtsratsboss Boss Marbach der Mannschaft nicht attestieren: „Wir sind heute nicht abgestiegen. Man merkt einfach: Der Kopf der Spieler ist schwer. Die Jungs haben sich gegen Karlsruhe reingehängt, doch sie hatten nach dem frühen 0:1 schwere Gedanken. Es war aber kein emotionsloser Auftritt wie ich von einigen Leuten nach dem Spiel gehört habe. Die Jungs haben Angst vor Fehlern. Sie ziehen sich einfach nicht selbst aus dem Sumpf.“

Der MSV hat alle personellen Patronen verschossen. Mit Ilia Gruev wurde im Herbst 2015 ein neuer Trainer installiert, hinzu kamen neue Profis. Marbach: „Wir müssen jetzt irgendwann einen Reizpunkt setzen. Es gibt bei uns aber weder eine Trainer- noch eine Spielerdiskussion. Ilia Gruev hat auch für die 3. Liga unser Vertrauen.“

Analyse Der Abstieg ist längst kein Tabuthema mehr. Marbach: „Wir hatten in der letzten Woche unsere Aufsichtsratssitzung. Die Lizenz beantragen wir für beide Ligen. Aber wir müssen natürlich Vorsorge treffen für den Fall, dass wir nicht drinbleiben.“ Welche Rolle die lahmenden Zebras in der Serie 2016/2017 einnehmen können, darüber lässt sich nur spekulieren. Marbach vielsagend: „Eine Aufstiegs-Mannschaft kannst du nur zusammenstellen, wenn alle Sponsoren diesen Weg mitgehen. Aus eigener Kraft wird das nicht gelingen. Und mit einem 17 000er-Zuschauerschnitt können wir auch nicht kalkulieren.“

Gegen Karlsruhe kamen 14 183 Besucher in die Arena – und einige hatten noch gar nicht ihren Platz eingenommen, da war die Hauptgeschichte des Spiels auch schon erzählt. Nach 47 Sekunden erzielte Manuel Torres für den KSC das Tor des Tages. Die Gäste nutzten den Totalausfall der linken Duisburger Seite, Torres beförderte die Kugel per Heber ins Tor. MSV-Keeper Michael Ratajczak hatte sich in dieser Situation für den ungünstigsten Aufenthaltsort im 16er entschieden: Er stand auf halber Höhe zwischen Torlinie und Strafraumgrenze.

Saisonaus für Dausch

Der KSC-Blitzstart lähmte die Zebras. Kevin Wolze: „Das frühe Tor hat unser Konzept zerstört.“ Ilia Gruev, in Bielefeld für seine späten Wechsel kritisiert, reagierte diesmal früher, wählte dafür aber einen heiklen Zeitpunkt. Die Grenze zwischen einem neuen, wichtigen Impuls und einer Demontage eines Spielers kann hier fließend sein: Er nahm Stürmer Kevin Scheidhauer in der 41. Minute vom Platz – der Ex-Wolfsburger, der am Samstag seinen 24. Geburtstag „feierte“, war bis dahin gerade einmal auf elf Ballkontakte gekommen.

Abseits der Niederlage gab es noch eine weitere bittere Nachricht für den MSV Duisburg. Martin Dausch wird den Zebras in dieser Saison im Abstiegskampf nicht mehr helfen können. Der Mittelfeldspieler unterzieht sich am Mittwoch in München einer Operation an der Hüfte. Danach muss „Dauschi“ sechs Wochen an Krücken gehen. „Ich habe unerträgliche Schmerzen. Es ging nicht mehr“, so Dausch, der seine Verletzungsprobleme seit dem zweiten Spieltag nicht mehr los wurde.