Beim 2:1-Sieg des MSV saßen Zweitligaspione auf der Tribüne

Zlatko Janjic nimmt Maß und bringt den MSV Duisburg per Strafstoß in Führung.
Zlatko Janjic nimmt Maß und bringt den MSV Duisburg per Strafstoß in Führung.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Verdient setzte sich der MSV Duisburg gegen Stuttgart II durch und steht auf dem Relegationsplatz. Torwart Ratajczak kassierte aber die Rote Karte.

Großaspach.. Kevin Scheidhauer ging nach dem Spiel im Aspacher Stadion mit einem breiten Grinsen in die MSV-Kabine. Nicht etwa, weil er beim 2:1 (2:0)-Erfolg des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg bei der U 23 des VfB Stuttgart ein Tor geschossen hatte. Das war in den letzten zehn Minuten der Partie auch nicht sein Job. Da Torwart Michael Ratajczak wegen einer Notbremse die Rote Karte kassiert hatte und das Duisburger Wechselkontingent schon erschöpft war, musste Scheidhauer ins Tor. Ein gefühlter Held, auch wenn er zwischen den Pfosten nichts geleistet hatte.

Beim Elfmetertor von Konstantin Rausch (84.) war er fast dran. Aber eben nur fast. Stuttgarts Trainer Jürgen Kramny ärgerte sich hinterher, dass seine Jungs die Gunst der Stunde zwischen der 84. und der fünften Minute der Nachspielzeit nicht nutzen konnten und nicht „einfach mal draufhielten.“ Der MSV überstand mit Scheidhauer im Tor sogar noch einen Freistoß und einen Eckball.

Ratajczak, der mit einer Sperre für ein Punktspiel rechnet, hatte in der 83. Minute Jerome Kiesewetter von den Beinen geholt. „Ich hatte gedacht, an den Ball kommen zu können. Es war eine 50-prozentige Chance“, so „Rata“ hinterher. „Ich mache ihm keinen Vorwurf“, hielt Sportdirektor Ivica Grlic seine Hand schützend über den Keeper.

MSV tritt im Stil einer Spitzenmannschaft auf

So drohte am Ende eine Partie zu kippen, die der MSV Duisburg vor 810 Zuschauern – darunter waren rund 600 Zebra-Fans – dominiert hatte und in der die Meidericher im Stil einer Spitzenmannschaft aufgetreten war. Die Zebras waren in allen Mannschaftsteilen überlegen. Auch Stürmer Kingsley Onuegbu bot eine starke Leistung – auch ohne Tor. Starkes Laufpensum, viele gewonnene Zweikämpfe. Natürlich spielte den Gästen in die Karten, dass VfB-Coach Kramny bis auf Konstantin Rausch auf jegliche Profi-Unterstützung verzichtete. Ein Qualitätsverlust, den der schwäbische Favoritenschreck nicht kompensieren konnte.

Der VfB hatte Rausch, der MSV hatte Dausch. Martin Dausch war einmal mehr der überragende Mann in einer Duisburger Mannschaft, die zum ersten Mal in dieser Saison zum zweiten Mal hintereinander das selbe Personal aufbot. Dausch holte den Foulelfmeter in der 16. Minute heraus, den Zlatko Janjic sicher verwandelte und damit seinen 15. Saisontreffer vorbereitete. Dausch leistete danach auch die Vorarbeit zum 0:2. Ein Distanzschuss, der wahrscheinlich das Tor verfehlt hätte – wenn denn nicht VfB-Keeper Odisseas Vlachodimos versucht hätte, die Kugel zu erreichen. Er klatschte den Ball nur ab, Nico Klotz war zur Stelle und markierte das 0:2 (29.). Stuttgart kam nur zu einer Chance. Doch Kevin Wolze klärte Benjamin Kirchhoffs Kopfball in Anschluss an eine Ecke auf der Linie.

„Wir waren fest entschlossen, hier etwas zu holen. Dementsprechend sind wir auch aufgetreten“, wollte Nico Klotz die Vorlage der Stuttgarter Kickers, die am Vortag in Rostock verloren hatten, mit seinen Kollegen auch nutzen und auf den Relegationsplatz klettern.

Spielbericht Am Ende gelang dies – allerdings versäumten es die Duisburger, sich die nervenaufreibende Schlussphase zu ersparen. „Wenn wir unsere Chancen nutzen, wäre die Sache schon früher klar gewesen. Dann hätte Ratajczak gar nicht in die Aktion gehen müssen und hätte den Ball laufen lassen können“, so Trainer Gino Lettieri.

Nach einer kurzen Drangperiode der Stuttgarter nach der Pause hatte der MSV mehrfach das 3:0 auf dem Fuß. Doch Janjic (52.) und Klotz (54.) ließen zwei Hochkaräter liegen. In der 83. Minute verdaddelten der eingewechselte Dennis Grote und Kevin Wolze den Ball auf der linken Seite und ermöglichten so die Aktion, die zum Elfmeter und Ratajczaks Platzverweis führte. Neben „Rata“ wird auch Enis Hajri im nächsten Spiel gegen Cottbus fehlen – er holte sich gestern die zehnte gelbe Karte ab.

Olaf Marschall und Necat Aygün beobachten den MSV

Der MSV hat im Aufstiegskampf ein Ausrufezeichen gesetzt – auch in spielerischer Hinsicht. Für den Fall, dass es am Ende der Saison nicht klappt, steht die Konkurrenz schon vor der Türe. Olaf Marschall, derzeit „Spion“ für den Zweitligisten FSV Frankfurt tätig, beobachtete die Zebras bereits zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Auch Ex-MSV-Spieler Necat Aygün saß am Sonntag auf der Tribüne. Der Glatzkopf, den einst Jürgen Kohler zum MSV holte, betreibt in München eine Kindertagesstätte und ist als Scout für 1860 München tätig. Der ehemalige Abwehrspieler sichtete indes nicht nur potenzielle Neuzugänge, sondern beobachtete auch einen potenziellen Relegationsgegner. Die Löwen sind derzeit 15. in der 2. Liga. Aygün: „Da schlage ich heute eine Fliege mit zwei Klappen.“